Was heißt eigentlich Leben?
Was macht es aus dieses „Leben"? Warum fühlen wir uns in manchen Momenten lebendig und sprechen in anderen davon „tottraurig" zu sein?
Fangen wir mit den brachialen Grundlagen an: Was ist Leben?
Die Biologen haben hierfür vier Eigenschaften festgelegt, die erfüllt sein müssen:
1. Zellteilung
2. Stoffwechsel
3. Fortpflanzung
4. Atmung
Jetzt trifft diese Definition auf vieles zu, so zum Beispiel auch auf Pilze und Pflanzen (Ja auch Pilze und Pflanzen leben, das könnte eng werden für manchen hardcore Veganer).
Nun denke ich, dass wir uns einig sind, dass das was wir „Leben" nennen aus mehr besteht als nur aus Zellteilung, Fortpflanzung, Stoffwechsel und Atmung. Aber was genau ist dieses „Etwas" das es mehr bedarf, damit wir es wirklich Leben nennen?
Aristoteles unterschied drei verschiedene Arten des Lebens. Die erste und primitivste Stufe des Lebens ist die lediglich geprägt durch Ernährung und Fortpflanzung, wie es bei Pflanzen und Pilzen beispielsweise vorhanden ist. Die zweite Stufe baut auf der ersten auf und erweitert sie um Sinneswahrnehmung und Fortbewegung und fasst damit auch die Tiere mit ein. Auf der letzten und aus Sicht Aristoteles' höchsten Stufe steht der Mensch, der zu den zuerst genannten Eigenschaften auch noch logisch denkt.
Aber reicht das? Ist es genug zu Atmen usw. und zu denken, damit wir sagen: Das ist Leben?
Inwiefern benötigen wir Träume, Ängste, Gefühle an sich? Was brauchen wir alles um zu sagen, dass es „ein gutes Leben" ist und was meinen wir mit „gut".
Gehen wir nach den Definitionen von oben, so führen wir alle das gleiche Leben. Wir alle Atmen, haben einen Stoffwechsel, sind in der Lage uns fortzupflanzen und unsere Zellen teilen sich ebenfalls ohne unser weiteres Zutun. Dabei denken wir auch alle mehr oder weniger nach und erfüllen somit die letzte Stufe nach Aristoteles. Der für mich hier wichtige Faktor ist die Individualität. Obwohl wir alle den gleichen Ursprung haben, nämlich eine Eizelle und ein Spermium, so unterscheiden wir uns doch so sehr voneinander. Selbst eineiige Zwillinge, also Menschen, die aus der gleichen Eizelle stammen können sich unterscheiden wie Tag und Nacht.
Warum ist das so und was heißt das für unsere Frage nach dem Leben?
Jeder von uns ist ein Produkt seines Lebens und jede Entscheidung, die wir auf dem Weg dorthin getroffen haben hat uns genau an diesen Punkt gebracht. Somit ist auch jeder Buchstabe, den ich gerade schreibe eine weitere Entscheidung auf diesem Weg. Dies macht deutlich, dass nicht jede Entscheidung eine unmittelbare Wirkung hat. Denn ob ich nun ein „r" ein „q" oder ein „ß" schreibe, mein Leben bleibt genau das was es vorher war. Zumindest fühlt es sich so an.
Dies bringt mich zum nächsten ganz entscheidenden Punkt: Fühlen.
Aus biologischer Sicht ist das Fühlen erstmal eine Reizstimulation. Aber warum fühlen sich manche Dinge dann schön an und andere Nicht?
Wer oder was entscheidet was sich gut anfühlt und was nicht? Hierbei gibt es natürlich auch Muster und die Ausbrecher, die eben diese Regel bestätigen (wie der Volksmund so schön sagt).
Und während wir noch über den Inhalt dieser Frage nachdenken kommen wir direkt zum nächsten und noch 1000-mal komplizierteren Umstand: Emotionen. Auch hier fühlen wir etwas, wenn auch „nur" auf metaphorischer Ebene. Aber auch das macht uns doch aus, oder?
Würden wir ein Leben ohne jede Emotion wirklich noch Leben nennen?
hierbei handelt es sich nur um eine der unzähligen Fragen im Bezug auf künstliches Leben.
(auch hier lasse ich das Thema wieder angesprochen im Raum stehen)
Wir haben also bisher folgendes zusammengetragen: Um zu Leben müssen wir atmen, stoffwechseln usw. damit wir biologisch am Leben sind. Dann kommt hinzu noch das Denken, damit wir die letzte Stufe des Seins nach Aristoteles erreichen und nun sind wir am Punkt der Emotionen angekommen.
Als nächstes müsste man jetzt noch über die „Seele" reden. Was ist die Seele eigentlich und wo kommt sie her und wo geht sie hin. Nun ich werde es Euch wissen lassen, sobald ich eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage gefunden habe.
An dieser Stelle möchte ich den Irrgarten aus Definitionen und Theorien verlassen, denn hier gibt es wesentlich klügere Köpfe denn meinen, um sich damit auseinander zu setzen.
Was ich nun viel mehr tun möchte ist darzustellen welche Aspekte für mich wichtig sind, damit ich es Leben nenne.
Es gibt Dinge die gehören zum Leben einfach dazu. In unserer modernen Welt sind dies Dinge wie das Geschirr spülen, oder einkaufen, staubsaugen und was gibt es nicht noch alles für „schöne" Dinge, die unseren Alltag prägen. Dann kommt noch der „Ernst" des Lebens hinzu, wie das Ausfüllen von Steuererklärungen, das Schreiben von Bewerbungen oder die Arbeit.
Aber wie Ernst ist das Leben wirklich? Schon als Kind bekommen wir eingebläut, dass es Dinge gibt, die später in unser Leben treten werden und viele davon klingen nicht sonderlich unterhaltsam, wenn die Erwachsenen sie erklären.
Ich als angehender Grundschullehrer möchte es zu meinem Beruf machen Kindern diesen „Ernst" zu vermitteln. Sie zu lehren wie man in unserer Welt Leben kann und was man alles können muss, damit es einem später vermeintlich gut geht. Wir lehren Schreiben, Lesen, Rechnen, Politik, Geschichte, Musik, Kunst und so vieles mehr. Aber hierbei haben wir alle Werte die wir mit auf den Weg bekommen haben und auch Werte die wir jetzt weitergeben.
Aber sind diese Werte immer wirklich das was wir brauchen, um zu leben?
Natürlich kenne gerade ich als Lehramtsanwärter die Bedeutung von Rechnen, Schreiben, Lesen und all den anderen Dingen. Aber ich als Mensch weiß auch, dass mein Leben aus ganz anderen Dingen besteht.
Ich fühle mich nicht lebendig wenn ich zehn Rechenaufgaben gelöst habe, oder eine Gedichtanalyse von Goethes Werken geschrieben habe.
Ich fühle mich dann lebendig wenn ich mit Freunden lache, wenn ich ausgelassen durch meine Wohnung springe und ein Lied singe, wobei meine Töne jede Tonleiter verspotten oder wenn ich durch den warmen Sommerregen tanze. Mir geht es gut, wenn ich auf einem Grashalm pfeife, oder Wolkentiere am Himmel suche.
Jetzt ist es ja mehr als offensichtlich, dass unsere Welt nicht mehr funktionieren würde, wenn jeder nur noch tanzen, singen oder ähnliches tun würde. Und darauf bereiten wir die Kinder vor, wir zeigen ihnen einen Weg, wie sie ein Teil unserer Gemeinschaft werden können.
Leider finde ich, dass unsere Welt immer funktionaler wird und unser Leben immer weniger mit dem zu tun hat was Spaß macht, sondern immer mehr die Sinn in den Vordergrund rückt.
Was wir also unseren Kindern auch mit auf den Weg geben sollten, ist wie man den Spaß und damit das eigentliche Leben nicht aus den Augen verliert, sondern wie man es mit den Anforderungen, die ein Leben einfach mit sich bringt kombinieren kann.
Ich werde jetzt versuchen aus einer Möhre eine Flöte zu schnitzen, die ich dann morgen mit zur Arbeit nehmen kann und wenn es nur als Snack zum Mittagessen ist.
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Was heißt eigentlich Leben?
RandomMit diesem vollkommen unvollständigem Text hege ich weder den Anspurch das Rad neu zu erfinden, noch möchte ich mich zur neuen Größe der Philosophie erklären, sondern dieser Text ist mein Versuch zu definieren was für mich persönlich "Leben" heißt u...
