Ihre Arme und Beine waren Bewegungsunfähig, in ihrem Kopf dröhnte es wie nach einem Donnerschlag und ihr Mund schmerzte vor Hunger und Durst. Das harte Bett auf dem sie lag protestierte quietschend als Emelyn sich aufrichten wollte. Es ging nicht; ihre Arme und Beine waren mit harten Ledergurten an die Bettpfosten gebunden, um ihren Brustkorb lag ebenfalls ein dicker Gurt.
Emelyn öffnete ihre Augen, kniff sie jedoch gleich wieder zusammen; ein gellender Schmerz zog durch ihren Kopf wie die Elektrischen Schläge kurz zuvor. Sie versuchte einen klaren Gedanken zu erfassen und Atmete tief ein; sofort zog ihr der beißende Geruch von Artzneimitteln, gemischt mit abgestandener Luft und einem Hauch von Kupfer in die Nase. Das Bettlaken auf dem sie lag roch, eben so wie die der anderen Betten die in dem mittelgroßen Raum Seite an Seite standen, bereit abgenutzt, und beinahe spürte Emelyn die von Angstschweiß benetzten Körper ihrer Mitinsassen. Eigentlich nannte man sie Patienten, denn Insassen klang eher nach den Gefängnissen. Doch alle Patienten hier, jedenfalls die, die klar denken konnten, waren der Meinung das Insassen besser passte. Schließlich war dieser Ort hier nichts weiter als ein Gefängnis. Ein Gefängnis in dem Man sich etwa mehr mit den Insassen beschäftigte. Die Meinungen ob dies Positiv oder Negative war, waren außerhalb und innerhalb der Anstalt unterschiedlich.
Das unvergleichbare Geräusch der sich öffnenden Tür lies Emelyn trotz der Schmerzen in ihrem Kopf die Augen öffnen. Ein Mann trat ein: Braune, zurückgekämmte Haare, harte gesichtszüge, klare Augen und eine stramme und Aufrechte Haltung. Außerhalb dieser Mauern musste er eine Ware Augenweide für die Widwen sein: Dr. Clarcson. Emelyns Blick verfinsterte sich. Dieser Mann war der Teufel in Person: nicht nur dass er verantwortlich für die Behandlungen der Patienten war, er wurde von den zwei Spanischen Frauen die in dieser Anstalt lebten auch "El Diablo de fornicación", Teufel der Unzucht, gennant. Um dies zu verstehen, musste man nachts nur etwas genauer den erstickten schreien aus dem Damentrackt lauschen. Emelyn wusste von den Taten dieses Mannes, jedoch versuchte sie erst garnicht etwas zu unternehmen. Und wenn schon, sie könnte sowieso nichts ausrichten. Außerdem war eine der wichtigsten ungeschriebenen Regeln: Errege keine Aufmerksamkeit. An diese Regel hielt sich Emelyn so gut es ging.
„Und? Fühlen sie sich wieder besser, Miss Wright?" Bei der Scheinheiligkeit in seiner Stimme wurde Emelyn geradezu übel. Trotz dessen beherrschte sie sich und gab die verwirrte und hilflose Patientin; „ Ich... Ich weiß nicht so recht... Dr. Clarson..." Die erschöpfung und Anstrengung mit der sie diese Worte über die Lippen brachte, war jedoch nicht gespielt, denn noch immer dröhnt ihr Kopf wie nach einem Donnerschlag. „Das ist schon in Ordnung, Miss Wright. Sie hatten wieder einen ihrer kleinen Anfälle als wir sie gerade zurück in ihr Zimmer bringen wollte. Dr. Hillsboro hat alles getan was nötig war, damit sie wieder zu sich kommen und sich besser fühlen. Machen sie sich keine Sorgen Emelyn, ich werde sie schon wieder auf den rechten Weg führen..." Seine raue Hand, die ebennoch die ihre berührt hatte, lag nun auf ihren dünnen Oberschenkel und strich diesen mit sanft gemeinten Bewegungen auf und ab. Für Emelyn jedoch fühlte sich seine Hand Rau wir ein Stein an. Es war fasst so, als würde seine Hand dort wo er sie berührte, eine unsichtbare, klebrige Substanz hinterlassen, die an ihrer Haut haften blieb und diese verunreinigte. Langsam legte Dr. Clarcson das klemmbrett das er in seiner linken Hand gehalten hatte, zurseite. Emelyn geriet trotz ihrer benebelnden Kopfschmerzen innerlich in Panik; sie war Fixiert, keine Chance auf Gegenwehr. Eine Schweißperle rollte ihre Schläfe herab und befeuchtete die Verbrennungen. Sie wollte nicht so enden wie die verstörten Frauen aus dem Damentrakt, sie wollte nicht von ihm- „Dr. Clarcson, kommen Sie, schnell! Es gibt einen Notfall in 3B!!!" rief eine aufgeregte und etwas höhere Stimme aus dem Gang an dem alle Zimmer des Traktes A mündeten. Als währe nichts gewesen stand der Artzt von Emelyns Bett auf und warf ihr einen tadelnden Blick zu, fast als würde er sagen wollen: Was tust du nur?!, „Wir sprechen uns noch, Emelyn!" Dann verschwand er und die Tür knallte hinter ihm zu. Trotz der Angst, die sie verspürte, schaffte es Emelyn einen Entschluss zu fassen: „Verbrennt doch alle in der Hölle, ihr kriegt mich nicht klein..." Obwohl diese Worte nur in ihren Gedanken humherrschwirrten, kam es ihr so vor, als hätte sie sie laut in die Welt hinausgeschrien. Sie würde zu keinen von Dr. Clarcsons Puppen werden.
Die Tür öffnete sich erneut und ein Pfleger mit bösem Blick und einem süffisantem Lächeln kam herein „Na komm schon, Püppchen, bringen wir dich zurück in dein Zimmer..."
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Cure
HorrorEmelyn ist 29 Jahre alt und wurde 1907 geboren. Vor zwei Jahren, im Jahr 1934, wurde sie in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Doch die scheinbare Heilstätte entpuppt sich bereits nach kurzer Zeit als ein Höllenloch: Die Patinenten werden wi...
