Lachend rannten wir nebeneinander her. Es gabt ja Momente, in denen wir uns nicht verstanden aber dieser Tag war zum Glück keiner davon. Wir rannen über die Wiese, beide den Ball mit den Augen fixiert. Wer wird wohl zuerst ankommen? Er oder Ich? Wer wohl? Ich natürlich. Im Sprint war ich schon immer besser als er. Dafür hatte er schon immer mehr Kraft als ich und gerade als ich den Ball mit dem Fuß berühren wollte hob er mich hoch und drehte sich mit mir im Kreis.
"Wie kann es eigentlich sein, dass meine neun Jahre jüngere Schwester immer noch schneller ist als ich?" fragte er mich im Drehen. Darauf konnte ich nur lachen. Es stimmte. Mein Bruder war mit seinen 19 Jahren relativ langsam unterwegs.
"Dafür hast du total viel Kraft, Levi." antwortete ich ihm. Er setzte mich ab und spannte stolz seinen Bizeps an.
"Tja, irgendwas muss ich ja besser können als du." Das war einer der Momente, in denen man ihm den Ball ganz leicht wegnehmen konnte. Also nutzte ich die Gunst der Stunde und stürmte wieder auf den Ball zu. Als ich ihn erreicht hatte trat ich ganz fest zu und natürlich traf ich.
Jubelnd warf ich meine Arme in die Luft: "Tor! Tor!" Lachend hüpfte ich zu Levi und sprang dann tanzend um ihn herum.
Die Glastür unserer Terrasse ging auf und Elli kommt mit einem großen Teller heraus. Ich rannte fröhlich zu ihr.
"Elli, Elli! Rate mal, was ich gerade geschafft habe!" sagte ich stolz. Elli stellte den Teller mit dem Kuchen auf den Tisch ab und drehte sich zu mir.
Sie nahm erstaunt die Hand vor den Mund: "Hast du ihn mal wieder geschlagen, meine Süße Vanessa?" Stolz grinste ich sie an und wie immer reichte ihr das als Antwort. Sie stegte ihre Hand in die Schürze und kramte einen Bonbon hervor den sie mir dann freudestrahlend überreichte.
"Hast du gut gemacht." sagte sie. Inzwischen war auch Levi bei uns angekommen. Er sah schon wieder skeptisch zu uns herunter.
"Irgendwann mutierst du mir noch zu einem Hund, der immer wenn er etwas gut gemacht hat ein Leckerli bekommt." sagte er stirnrunzelnd. Ich drehte mich zu ihm um und steckte mir den Bonbon ganz langsam in den Mund. Danach streckte ich ihm meine Zunge raus und setze mich an den Tisch. Mit einem Grinsen im Gesicht tat er es mir gleich.
"Jetzt wird erstmal Kuchen gegessen und nachher kommen dann noch Mama und Papa vorbei." sagte ich voller Vorfreude. Ich habe mich schon den ganzen Tag auf ihren Besuch gefreut, da wir sie so selten sahen. Mama und Papa sind immer unterwegs und das liegt vermutlich daran, dass sie zwei Länder unter Kontrolle bekommen müssen. In Gedanken versunken aß ich mein Stück Kuchen und kippte mir nebenbei meinen Orangensaft hinter. Levi trank Kaffee, was ich absolut nicht nachvollziehen konnte. Das ist doch total bitter das Zeug und dann noch so hässlich schwarz. Da finde ich das Orange des Orangensaftes viel schöner.
Nach dem Essen half ich Elli noch beim Abräumen und da sie mir gesagt hatte, dass ich mich mal waschen gehen sollte bevor Mama und Papa kommen, ging ich auch gleich danach in die Badewanne. Ich gehe prinzipiell nie duschen, außer wenn ich ganz wenig Zeit habe es schnell gehen muss. Aber in der Badewanne ist es dann doch am schönsten. Ich liebe es einfach mit diesen lustigen Badeenten zu spielen, leider sind die auch immer wieder ein Grund dafür, dass ich zu lange Bade und dann vergesse was ich noch zu erledigen habe.
So kam es natürlich auch dazu, dass ich noch in der Badewanne saß als Mama und Papa eintrafen. Levi klopfte an der Tür und schrie durch sie hindurch, dass sie da sind. Wie immer bekam ich Panik. Ich sprang schnell aus der Badewanne und trocknete mich ab. Die Haare ließ ich einfach an der Luft trocknen und dann rannte ich schnell zu meinem Kleiderschrank. Ich holte mir einfach irgendwelche Sachen raus, zog sie an und rannte dann die Treppe herunter. Wobei man das auch nicht mehr als rennen bezeichnen konnte, eher fiel ich und landete in Papas Armen. Er war mein Held. Er war einfach immer da wenn ich ihn brauchte und half mir in jeder Situation.
Er wirbelte mich herum und zog mich in eine enge Umarmung. Bevor er mich schließlich losließ drückte er mir noch einen Kuss auf die Wange. Danach rannte ich zu Mama. Auch sie hob mich hoch und umarmte mich ganz doll.
"Wir haben dich auch vermisst, Vanni!" lachte sie und Papa stimmte mit ein. Zusammen gingen wir in das Wohnzimmer und machten es uns dort auf den Sofas bequem. Ich kuschelte mich zwischen Mama und Papa, so wie immer. Levi nahm auf einem der Sessel vor uns Platz und dann ging es auch schon los: Die Politikrederei. Es passierte immer wieder und immer wieder nahm ich mir vor bis zum Ende zu zuhören, doch noch nie habe ich es tatsächlich geschafft. Aber heute werde ich es schaffen. Ich setzte mich aufrecht hin und guckte Levi erwartungsvoll an.
"Und, wie lief es so in Kanada?" fragte er.
"Eigentlich sehr gut." sagten Mama und Papa im Chor. "Wir haben uns mit dem Sicherheitsdienst in Toronto getroffen und sind dann die einzelnen Programme durchgegangen. Wir wurden ebenfalls über einige Sicherheitsupdates informiert und haben uns dann um die Planung des großen Jubiläums gekümmert." erklärt Mama.
Papa fuhr fort: "Dann sind wir zurück nach England geflogen und haben uns dort um einige Kleinstädte gekümmert, die ein paar Probleme gemeldet hatten. Einige hatten Sicherheitsbeschwerden und es gab auch Probleme mit den wirtschaftlichen Geschehnissen in den Städten, aber das werde ich jetzt nicht weiter vertiefen."
"Warum willst du das immer alles wissen?" fragte ich Levi. Ich hatte einfach keine Lust mehr zuzuhören und deswegen versuchte ich mal das Thema zu wechseln.
"Ganz einfach Schatz. Dein Bruder wird in elf Jahren die Regentschaft übernehmen und deswegen sollte er anfangen sich für die Politik unserer Länder zu interessieren. Aber wenn du möchtest können wir auch etwas spielen. Wie wärs mit dem "Spiel des Lebens"?"antwortete Mama.
Fröhlich grinsend nickte ich und rannte dann schnell die Treppe hoch, um das Spiel runter zu holen.
ČTEŠ
Claire Maos - Sturz einer Königin
Fantasy20 Jahre später. Trotz der schweren Schicksalsschläge hat es Claire geschafft und erfolgreich 20 Jahre England regiert. Sie brachte neue Veränderungen in das Land und schaffte sich ebenso Bündnisse im Ausland. Der Kontakt mit ihren Freunden ist, wen...
