Es war genau 9 Uhr am Morgen und ich sitze mit meinen Eltern am Frühstückstisch. Sie sind sehr aufgeregt was den heutigen Tag angeht.
Heute ist der Umzug in eine neue Stadt, seit ungefähr drei Wochen gibt es kein anderes Thema mehr. Meine Sachen sind bereits seit gestern alle zusammengepackt.
"Geena würdest du dich bitte jetzt fertig machen und nicht in deinem Müsli rumstochern", sagt mein Vater leicht gereizt.
Er hasst es, wenn man mit dem Essen spielt.
Normalerweise reagiert er nicht so gereizt darauf, sondern weist einen freundlich darauf hin. Ich nehme es ihm aber nicht übel. Seit einer Woche gibt es ein paar Probleme was das neue Haus angeht, das hat ihn viele nerven gekostet.
"Entschuldigung ich bin nur so aufgeregt und bekomme deswegen kein bissen runter.", murmel ich und versuche dabei glaubhaft zu lächeln.
Sie scheinen es mir abzukaufen, da mein Vater nichts mehr sagt und meine Mutter ein riesen Lächeln auf den Lippen bekommt. Ihr Lächeln macht mir den Umzug halbwegs erträglich. Schließlich mache ich das alles nur ihr zu liebe mit.
Wir ziehen um, weil meine Mutter dort eine neue Arbeitsstelle gefunden hat die gut bezahlt wird.
Jahrelang blieb sie für mich Zuhause um sich richtig kümmern zu können und eigentlich mag ich das, aber mit der Zeit war ich immer öfter unterwegs mit Freunden und sie blieb alleine Zuhause. Das machte sie immer unglücklicher bis ich es nicht mehr aushielt. Ich hatte nachdem ich nach Hause kam immer mehr Schuldgefühle und wollte etwas daran ändern.
Von früher weiß ich noch das sie ungern ihren Job aufgegeben hat. Seit langem überlegte sie auch wieder arbeiten zu gehen. Sie traute sich nur nicht. Mich alleine zu lassen war für sie nie ein schöner Gedanke.
Als ich dann mit ihr alleine zu Abend aß, weil mein Vater noch arbeiten musste, sprach ich sie darauf an. Erst sah sie sehr erschrocken aus, was sich aber schnell zu einem Lächeln veränderte. Ich musste für sie den letzten Schritt machen. Sie steckt sich immer zurück, wenn es um mich geht. Wir hatten eine Weile darüber geredet und als mein Vater nach Hause kam redeten wir auch noch mit ihm darüber. Letztendlich konnte ich sie überzeugen und half ihr eine neue Arbeitsstelle zu finden.
Wir wurden sogar schnell fündig. Da die Stelle so weit weg von unserm jetzigen Zuhause ist, entschieden sie sich dafür in die Stadt zu ziehen. Mein Vater bekommt dort auch eine Stelle in der selben Firma, was optimal ist. Sie sind wirklich glücklich und gerade meine Mutter geht in dem ganzen Thema wieder auf. So eine Veränderung kann viel ausmachen. Mir war nur nie bewusst wie sehr ich sie doch einschränkte.
Ich spiele ihnen etwas vor. Ich bin wirklich nicht glücklich über die Veränderung die ich durchmachen werde. Nur kann und werde ich mich ihnen nicht in den Weg stellen. Diesen Traum werde ich ihnen nicht zerstören. Optimistisch veranlagt bin ich nur so gar nicht.
Ich habe hier alles, mein vertrautes Zimmer was mir Sicherheit gibt, meine Freunde die meine Gegenwart dulden und den Wald. Den Wald werde ich am meisten vermissen mit den ganzen Erinnerungen die ich hier gesammelt habe. Veränderungen machen mir Angst.
Mühsam gehe ich mit dem Gedanken, das letzte Mal hier durch das Haus zu laufen, die Treppe hoch Richtung Badezimmer. Ich atme einmal tief ein und aus. Der kleine Flur oben hat eigentlich schon nichts vertrauliches mehr. Die ganzen Erinnerungsfotos und Pflanzen sind weg und hinterließen einen leeren Gang mit drei Holztüren. Ich weiß das die Räume genauso leer und einsam aussehen wie der Flur.
An der ersten Holztür an der ich vorbei komme ist das Schlafzimmer meiner Eltern. Ich lasse meinen Erinnerungen freien Lauf und muss schmunzeln wie oft ich als Kind bei ihnen vor Angst geschlafen habe. Ich gehe weiter und höre meine Schritte verstärkt durch den Schall. An der zweiten Holztür gehe ich vorbei. Da ist mein Zimmer. Ich werde gleich noch rein gehen, aber ich vermisse es jetzt schon. Hinter der dritten Holztür ist das Badezimmer. Langsam öffne ich die Tür. Das Badezimmer ist nicht sonderbar groß, aber ich mag die Enge es hat etwas gemütliches.
Auch das wird sich mit dem Umzug ändern. Meine Eltern meinten das neue Haus wäre doppelt so groß und dort wäre eine menge Platz. Ich bin mir nicht sicher wie ich dazu stehen soll. Ich war nicht oft zu Hause, das stimmt. Das lag aber auch eher an meinen Freunden. Sie sind es, die sich melden. Ich bin jedoch eher der Typ welcher eingeladen wird, aber trotzdem nicht wirklich zur Gruppe gehört. Manchmal ist es recht einsam und ich habe oft damit zu kämpfen. In der neuen Stadt werde ich erstmal keine Freunde haben kann ich mir gut vortellen, aber vielleicht denke ich auch nur wieder etwas zu viel.
Ich brauche nicht lange um mich fertig zu machen und ehrlich gesagt beeile ich mich. Ich will so lange wie möglich noch die letzte Zeit in meinem Zimmer verbringen. Der Abschied von alledem ist doch schwerer als ich dachte. Ich packe meine Kulturtasche zusammen und nehme sie mit.
In meinem Zimmer steht der Rucksack den ich für die Fahrt gepackt habe. Die Fahrt wird ungefähr 2 Stunden dauern. Ich schließe die Badezimmertür hinter mir und gehe in mein Zimmer. Ich habe so ziemlich immer mein Fenster offen und deswegen kommt mir ein schwall von frischer Luft entgegen. Ich atme ein paar Mal tief durch und schließe dabei meine Augen. In meinem Zimmer riecht es komplett anders als im Rest des Hauses.
Ich will hier nicht weg. "Geena beeilst du dich, wir wollen los", ruft meine Mutter von unten. Ich stand wohl länger da als ich dachte. Es geht alles viel zu schnell. Gezwungenermaßen nehme ich meinen Rucksack und schließe das Fenster. Jetzt heißt es endgültig Abschied nehmen. Ich mache zum letzten Mal meine Zimmertür zu und renne die Treppe runter.
Ich sehe wie mein Vater noch ein paar Sachen aus dem Wohnzimmer holt. Hauptsächlich ist schon alles im neuem Haus. Es werden wahrscheinlich noch Klamotten und die Luftmatratzen auf denen wir die letzte Woche geschlafen haben sein. Ich habe mein neues Zimmer noch nicht gesehen. Meine Eltern meinen es ist eine Überraschung.
Am liebsten würde ich meine alten Möbel alle mitnehmmen, aber wir haben alles weggeschmissen. Nichts vertrauliches mehr außer Fotos.
Ich öffne die Haustür und renne durch den Regen zum Auto. Meine Mutter sitzt schon im Auto und tippt auf ihrem Handy rum. Ich öffne die Autotür und steige schnell ein. Als ich die Autotür schloss dreht sich meine Mutter zu mir um.
"Es geht los! Ist das nicht schön?", sagt sie voller Aufregung mit leuchtenen Augen.
Ich lächel sie nur an. Ich rede nicht wirklich viel, aber das sind sie gewohnt. Generell bin ich ziemlich still und schüchtern. Ich lese lieber Bücher und bin dann in meiner eigenen Welt. Auch für die Fahrt habe ich mir ein dickes Buch in meinen Rucksack gepackt.
Ich höre wie der Kofferraum auf und wieder zu knallt, dann steigt mein Vater ein und es geht los. Verträumt und trauernd schaue ich aus dem Auto Richtung Wald. Seufzend schließe ich nach einer Weile die Augen und lausche dem Radio. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt.
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Hey ^^
Ich bin endlich dazu gekommen alles soweit aufzuarbeiten, um mehr Struktur drin zu haben.
Es war ganz schön Arbeit die Zeitform zu verändern also es kann sein, dass noch manchmal die falsche Zeitform vorkommt.
Ich danke allen die sich alles durchlesen und würde mich sehr über jede Art von Kritik freuen. Ich werde so aktiv wie möglich sein und den zweiten Teil hoffentlich bald hochladen können, wenn alles gut ankommt. Ist die Länge denn soweit in Ordnung?
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Das Grab
RandomDie Geschichte von Geena, dessen Leben nochmal Kopf gestellt wird. Dabei wird sie viele Hürden überwinden müssen, welche vorher kein Problem darstellten. Kommt sie denn aus allem wieder raus oder verfällt sie doch wieder zurück in ein Loch aus welch...
