"Charlie?"
Ich drehte mich um.
"Noch zwei Minuten." Jens. Der Leiter der ganzen Veranstaltung hier.
Ich nickte und lächelte schief. Ich war verdammt aufgeregt. Noch zwei Minuten. Zwei Minuten bis mein Traum in Erfüllung ging und ich endlich meinen ersten Auftritt hatte.
Zittrig ging ich auf die Bühne.
Ach. Du. Scheiße. Das waren viele Menschen. Dabei war das ein Dorffest. Es sollte hier gar nicht so viele Menschen geben.
Auf einmal wurde ich lockerer. Denn ich erkannte im Publikum ein mir allzu vertrautes Gesicht.
Meine Mama stand da, grinste, winkte mir zu und hob beide Daumen in die Luft.
Ich entspannte. Atmete tief ein und aus. Okay. Du packst das.
Die ersten Töne der Band gingen mir durch die Adern und die Aufregung war wie weg geblasen. Ich war voll drin.
Und dann sang ich, wie ich noch nie gesungen hatte. Ich wollte meine Mutter stolz machen.
"Charlie! Das war so toll! Das hast du richtig gut gemacht. Ich bin stolz auf dich."
Meine Mutter hatte Tränen in den Augen und schloss mich fest in ihre Arme.
"Danke, Mama.", sagte ich nur und lächelte sie erleichtert an.
Meine Mutter war immer stolz auf mich. Egal, was ich tat. Aber das machte sie besonders stolz. Das spürte ich.
"So. Und was machen wir jetzt noch? Oder willst du schon nach Hause?"
Meine Mama war eine echte Partymaus. Es beeindruckte mich nicht mehr. Ich kannte sie ja so. Aber viele sagten mir, dass ich froh sein kann, so eine Mutter zu haben. Wir zogen oft gemeinsam um die Häuser. Selbst meine Freunde liebten sie. Versteht mich nicht falsch. Sie ist nicht eine von denen, die jung Kinder bekommen hat und nur auf Droge ist. Sie hat mich erst mit 31 bekommen, geht ganz normal arbeiten, kümmert sich ganz normal um den Haushalt und kocht ganz normal essen.
"Ich würde sagen, wir holen uns Wertmarken und trinken Bier.", antwortete ich und grinste sie an.
"Willst du nichts essen?"
Ich sah mich um. "Nö. Hier gibt's ja nichts vegetarisches."
"Doch. Crêpes."
"Ich möchte jetzt nichts süßes."
"Wir können auch ne Pizza holen und wieder hier hin kommen."
Ich lachte. "Mama. Alles gut. Du gibst schon genug Geld aus. Ich habe wirklich keinen Hunger."
Sie zuckte mit den Schultern. "Wie du meinst."
Ich rollte mit den Augen und lachte.
"Na, komm."
"Mama.", flüsterte ich.
Sie drehte ihr Ohr zu mir.
"Der da hinten sieht aus wie Alligatoah.", flüsterte ich weiter.
Sie runzelte die Stirn. "Wer ist denn Alligatoah?"
"Son Musiker. Du kennst den doch. Der, der das Lied mit den Drogen gesungen hat.", erklärte ich ihr und sang ihr die berühmteste Zeile aus 'Willst Du' vor.
"Ah. Ja ja ja. Jetzt weiß ich wen du meinst. Aber das ist der doch nicht oder?" Sie drehte sich in die Richtung in der der ominöse Mann stand.
Ich schüttelte den Kopf. "Kann ich mir nicht vorstellen. Der hängt eigentlich voll viel in Berlin rum."
Auf einmal richtete sich meine Mutter auf. Ihre Augen funkelten.
"Vielleicht hast du die Möglichkeit, ihn zu fragen, ob er es ist."
Verwirrt sah ich zu ihm rüber. "Warum das denn?"
"Da steht Carolin bei. Die Bekannte von Constantin."
Constantin war mein Onkel, der gut 15 Jahre jünger ist, als meine Mutter. Und ja, ich kannte auch Carolin. Sie war bei unzähligen Geburtstagen dabei.
"Komm. Wir gehen dahin."
Ich konnte gar nicht antworten, da war meine Mutter schon los gelaufen.
Ich lachte und lief ihr hinterher.
"Hi.", begrüßte meine Mutter Carolin und grinste.
"Ach, hi." Carolin nahm meine Mutter sofort in die Arme.
Und auch mich umarmte sie. "Schön euch zu sehen."
"Hi. Ich bin Doro.", winkte meine Mutter in die Runde.
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Alligatoah
FanfictionHier gibt es mehrere OneShots zu der Geschichte von Lukas und Charlie. Jedes Kapitel beinhaltet einen OneShot. Viel Spaß. :)
