Liebe

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Der Regen prasselte auf den schwarzen Regenschirm. Das Geräusch war beinahe zu laut. Wie tausende kleine Diamanten perlten die Tropfen an dem aufgespannten Stoff ab.
Außer dem Mann mittleren Alters, welcher den Schirm hielt und mit unbewegter Miene die Straße hinunterblickte, war kein Mensch zu sehen. Seine kalten Augen waren auf eine Eingangstür gerichtet - er wartete. Wartete geduldig.
Von Zeit zu Zeit warf er einen Blick auf die billige Uhr an seinem Handgelenk. Dann kratzte er sich im unrasierten Gesicht.
Ein Wagen näherte sich - auf die Minute genau. Die Scheinwerfer leuchteten in seine Richtung und er zog sich schnell in eine Mauernische zurück, um nicht von ihnen erfasst zu werden.
Das Auto hielt und die Scheinwerfer erloschen. Eine Frau stieg aus. Es klimperte leise, als sie ihre Schlüssel hervorkramte und die Tür aufschloss.
Der Mann trat aus seiner Nische hervor und beobachtete, wie die Blonde die Tür hinter sich schloss. Kurz darauf ging das Licht hinter dem Fenster im Erdgeschoss an.
Das Herz des Mannes raste. Heute, ja heute war es soweit. Heute wollte er seine Liebe endlich wieder ausleben. Er erlaubte sich ein erwartungsvolles Lächeln. Doch noch musste er sich gedulden.
Dann endlich verlosch das Licht und er machte sich auf den Weg. Vor der Tür ging er in die Hocke und betrachtete das Schloss. Es war ein altes Schloss. Einfach zu knacken.
Die Tür schwang ohne ein Geräusch auf.
Leise erklomm er die hölzernen Stufen in den ersten Stock, in dem das Schlafzimmer lag, wie er wusste.
Seine Hand griff an seinen Gürtel und er nahm den Hirschfänger.
Er betrat das Zimmer und schaltete das Licht ein.
Von der plötzlichen Helligkeit erwachte sie, doch er war schneller und presste ihr die Hand auf den Mund. Sie wehrte sich. Immer wehrten sie sich.
Er hockte sich auf sie und klemmte ihre Hände unter seine Knie.
Dann nahm er das Messer, senkte es auf ihre Brust und stieß es dann zielgenau zwischen ihre Rippen.
Natürlich hätte er für sein Hobby auch eine Schusswaffe verwenden können, doch er hasste sie. Sie waren zu unpersönlich, zu schnell.
Messer hingegen machten es möglich, dem Opfer in die Augen zu blicken, während es starb, zu sehen, wie das Leben aus ihnen wich und sie ihren Glanz verloren.
Das Erlebnis war unvergleichlich, es beflügelte ihn. Es trieb ihn an, weiter zu machen. Er war süchtig danach, er war süchtig nach dem Anblick toter Augen. Er wusste, was dieses Gefühl war.
Dieses Gefühl war Liebe.

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⏰ Last updated: Oct 03, 2017 ⏰

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