Die Luft flimmerte vor Hitze, und das Thermometer an meinem Fenster zeigte erbarmungslose 35 Grad an. Es war der letzte Schultag vor den Sommerferien, und die Nachrichtensender überschlugen sich mit der Warnung, dass dies der heißeste Sommer seit einem Jahrzehnt werden würde. Jeder Tropfen Schweiß, der mir den Rücken hinunterlief, jedes Mal, wenn meine Oberschenkel aneinanderklebten, war ein Beweis dafür, dass sie recht hatten.
Der Ventilator, den ich aus dem Arbeitszimmer meines Vaters stibitzt hatte, brachte kaum Linderung. Er stand zu weit von meinem Bett entfernt, um wirklich effektiv zu sein, und schickte nur ab und zu einen schwachen Luftzug in meine Richtung. Selbst das Eis, das meine Mutter mir vorhin in einem gut gemeinten Versuch der Abkühlung gebracht hatte, war mittlerweile zu einer klebrigen Masse geschmolzen, die meine Hände und das Bettlaken unter mir verschmierte. Die roten Flecken, die davon zurückgeblieben waren, erzählten die Geschichte meiner missglückten Versuche, die Sauerei zu beseitigen.
Mum würde später sicher schimpfen, dass ich überhaupt im Bett gegessen hatte. Aber das war gerade mein kleinstes Problem.
Auf meinem Schreibtisch lag ein Flugticket, das mir gestern, ganz ohne Worte, überreicht worden war. Meine Eltern hatten nicht einmal beim Frühstück darüber gesprochen. Sie hatten mir die Entscheidung selbst überlassen, was sich auf den ersten Blick wie eine Freiheit anfühlte, aber auf den zweiten Blick eine Bürde war, die schwer auf meinen Schultern lastete.
Ich konnte diesem Höllenwetter entkommen, wenn ich wollte. Ein einziges Wort, und ich wäre auf dem Weg in ein besseres Klima, an einen Ort, an dem das Meer glitzerte und die Luft nach Salz und Freiheit roch. Ich könnte meine Tante und ihre Familie wiedersehen, lange Strandspaziergänge machen, die Sonne auf meiner Haut spüren.
Aber etwas hielt mich zurück.
Ein Versprechen. Kein halbherziges, sondern ein echtes, festes Versprechen, das ich einst einer anderen Person gegeben hatte. Einer Person, die jetzt nicht mehr da war, um ihren Teil des Versprechens einzulösen.
Warum also sollte ich meines halten?
Seufzend ließ ich mich zurück aufs Bett sinken und spürte, wie das letzte bisschen geschmolzenes Eis meine Kehle hinunterrann, süß und zugleich brennend. Ich schloss die Augen und ließ die Erinnerungen an den vergangenen Sommer auf mich zukommen - das heisere Kreischen der Möwen, das beruhigende Rauschen der Wellen, der Duft von gegrilltem Fisch und reifen Pfirsichen, und ihr Lachen, das alles andere übertönte.
Langsam setzte sich alles in meinem Kopf wieder zusammen, und ehe ich es verhindern konnte, war ich gefangen in diesen Erinnerungen, in einem Netz aus Sehnsucht und Bedauern, das mich zurückhielt und zugleich weit in die Ferne lockte.
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Girl Crush - Sapphic Novel
RomanceJeden Sommer kehrt Gracie auf die idyllische Insel ihres Vaters zurück. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Noah, ihre Kindheitsfreundin, zieht erneut in das Haus nebenan, und bald finden sich Gracie, Noah, Amalia und Rae in ihrer alten Clique wie...
