Die Nacht der Sterne

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"Haley, schnell sonst verpasst du es!" rief eine grelle Stimme hinter mir. Ich wusste natürlich sofort dass es nur Nathi sein konnte die schon seit einiger Zeit bei mir als Stiefschwester wohnt. Sie ist etwa ein halbes Jahr jünger wie ich und immer wenn sie aufgeregt oder wütend ist machte ihre Stimme einen Sprung von mehreren Oktaven in die Höhe. Ich drehte mich um doch so schnell konnte ich gar nicht reagieren wurde ich von zwei Händen gepackt und mitgerissen. Sie zerrten mich hinters Haus wo eine kleine Holzscheune in einem angehauchten Strahl des Vollmondes stand, die von mir und Celi vor vielen Jahren in den buntesten Farben bemalt wurde.

Ich wusste es noch genau, denn es war an meinem sechsten Geburtstag und schlussendlich lagen wir beide lachend in der bunt befleckten Wiese mit unseren viel bunteren Oberteilen. Dies ist einer der Momente die ich nicht vergessen werde, egal was passieren wird, denn solche Momente wird es nie wieder geben und schon recht nicht mit Celi.

Als ich wieder aus meinem Tagtraum erwachte sah Ich einen rießigen Blumenstraus vor dem Eingang liegen. Schon im nächsten Moment wurde ich unsanft auf den Boden gezerrt, was jedoch nicht gewollt war, denn Nathi wurde immer so unheimlich hastig und unvorsichtig wenn sie es eilig hatte und dazu hatte sie ja anscheinend jeden Grund.
"Nathi, was ist denn bitte los mit dir? Hab ich was verpasst?" sagte ich. Doch ich bekam keine Antwort sondern nur ein übertriebenes Lächeln. Erneut ließ ich meinen Blick über den Schuppen gleiten. Doch ich sah nichts auffälliges, außer der riesige Blumenstrauß der wie gebügelt davor lag. Irgendwie passte der alte Schuppen mit den leicht abblätternden Farben nicht mit dem teuer aussehenden Blumenstrauß zusammen. Doch durch den Blumenstrauß bekam das Knarzige Teil etwas romantisches und ausergewöhliches. Auf den zweiten Blick gefiel mir die Kombi sehr gut und ich fande sogar etwas vertrautes darin, das ich nicht genau erklären konnte. Wir saßen gefühlte zehn Minuten vor dem Schuppen in der warmen Sommernacht. Nathi hat sich bereits neben mich gesetzt und saß ebenso schweigend da.

Millionen von Errinnerungen schossen mir dich den Kopf. Von Celi und Mir, als die kleine Hütte unsere Burg war und wir mit Helmen und Stöcken umher gerannt sind. Oder als wir älter wurden und es zu einer Bücherei umgebaut haben. Immer wieder erwische ich mich dabei wie ich an Celi denke. Es sind schöne Errinnerungen dabei. Ich habe sie geliebt wie eine Schwester und werde sie genauso auch immer lieben. Ich werde sie nicht mehr in den Arm nehmen können und ihr meine streng vertraulichen Geheimnisse anvertrauen. Ich werde mit ihr nicht mehr über Amy aus der Oberstufe lästern können oder über die heißen Boys schwärmen. All das wird in der Vergangeheit ruhen und so sollte es auch bleiben. Doch ohne dass ich es will wird sie immer wieder erwachen oder erweckt werden.

Mitlerweile ist es bestimmt schon nach zwölf. Ich höre wie leise die Grillen Zirpen, bis Nathi das Schweigen bricht. "Haley?" "Ja?"
"Weißt du weshalb ich dich hergeholt habe?" fragte sie mich und sah mich dabei von der Seite an. Ich ließ die Atmosphäre auf mich wirken und wartete die Antwort ab. "Du warst mit Celi oft hier". Tränen füllten meine Augen ohne dass ich es wollte. Allein schon der Name tat weh.

"Aber weißt du noch als wir unsere Puppen mit hinausgekommen haben? Oder als wir unsere Bettdecken mitnahmen und draußen schliefen? Am Morgen hat uns Papa dann gefunden und wir haben nur gelacht.". Natürlich konnte ich mich auch daran noch errinnern. Ein Lächeln glitt über meine Lippen. Ich ergänzte "Oder als wir mit Mama Streit hatten und wir uns essen und trinken mitnahmen um uns zu verstecken. Erst spät in der Nacht sind wir wieder ins Haus als wir sicher waren, dass Mama schlief." Wir fingen an zu lachen und es schallte in meinen Ohren nach.

"Doch Haley, ich wollte dir eigentlich etwas zeigen." Sie stand auf und ging zur Tür. Mit einem knarzen öffnete sie sich und die schaltet das Licht ein. Erst da begriff ich warum ich hier saß. Ich stand ebenfalls auf und lief zur Tür. Im Rahmen blieb ich stehen und die Sprache war mir verschlagen. Sie hatte überall Kissen verteilt und in der Mitte ein kleiner Tisch mit Chips, Schokolade, Tee und einem Märchenbuch. Das Licht ist gedämmt und unsere Bettdecken liegen unordentlich aufgeschüttelt auf den Kissen. Alles sieht sehr gemütlich und einladend aus. Hastig umarmte ich Nathi und drückte sie ganz fest.

Mit ihr im Arm ließ ich mich in die vielen Kissen fallen und zusammen lachten wir. Wir lachten als gäbe es kein Unheil dieser Welt. Als wäre das alles nicht passiert mit Celi und als gäbe es nie Streit zwischen Mama und Papa. Wir ließen unsere Freude aus und tollten Umher. Gleich darauf weinten wir und aßen die Schokolade. Warum wir das Taten? Wegen der alten Zeiten. Wir weiten um die alten Zeiten die zu schnell vergangen sind.

Als wir uns wieder beruhigt hatten tranken wir Tee inmitten der vielen Kissen, während wir abwechselnd Geschichten aus dem Märchenbuch laßen. Alles war zu perfekt. Als die Geschichten langweilig wurden redeten wir über Gott und die Welt. Über alles was und in den Kopf kam. Ich kann gar nicht mehr so weit zurück denken wann wir das letzte mal so einen schönen Abend hatten. Es muss schon ewig her sein.

Als wir schlafen gingen stieg schon das Morgengrauen in den Himmel. "Nathi?" "Ja?"
"Wir sollten sowas öfters machen."
"Haley? Wir sind zwar Stiefschwestern, aber du bist für mich wie eine beste Freundin." In diesem Augenblick wurde mir alles klar. Sie war für mich ebenso etwas wie eine Beste Freundin. Natürlich wird sie Celi nicht ersetzen aber ich bin mir sicher, dass wir ebenso tolle Zeiten haben werden. "Nathi? Du für mich ebenfalls". Als wir einschliefen war schon das knallige Rot am Himmel zu erkennen und die Sonne erklimmt schon den Horizont.

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