Der König

32 2 3
                                        


Als ich kurz davor war das Haus zu verlassen, blickte ich noch einmal in den Spiegel. Ich musste lächeln. Meine roten langen Haare lagen mal wieder kreuz und quer. Ich nahm mir schnell die Bürste, welche auf der Komode unter dem Spiegel lag und bürstete mir durch meine rote Mähne. Ich grinste zufrieden und griff zur Tür.

Ich öffnete diese und trat in den warmen Sommermorgen ein. Die Sonne schien mir in mein Gesicht, sodass ich kurz meine Augen schloss und die Wärme genoss. Als ich die Tür hinter mir schloss und durch den kleinen Vorgarten spazierte, sah ich wieder die zwei Eichhörnchen auf dem gegenüberliegenden Baum hochklettern. Ich nannte sie Stacy und Trixie. Sie waren schon lange hier und ich sah sie fast jeden Morgen. Sie trauten sich manchmal an das Haus heran, aber immer mit etwas Abstand. Manchmal stellte ich ihnen auch etwas zu knabbern nach draußen und beobachtete sie mit einem Lächeln, wenn sie es sich dann holten.

Ich ging wieder einmal durch unser kleines Dorf und bewunderte die kleine Burg in der Ferne. Auch wenn ich dessen Bewohner nicht leiden konnte, so mochte ich doch sein Heim. Ich kannte ihn vom Hören und seinen Taten und einmal hatte ich ihn sogar gesehen. Er sah zwar nicht schlecht aus, doch sein Charakter war nicht, wie ich ihn mir bei meinem Traummann ausmalte. Auch wenn er der junge König war, so würde ich ihn doch nie anhimmeln. Ich respektierte ihn nicht. Seine Herrschaft war schlecht und die meisten seiner Untertanen waren unzufrieden mit ihm und es mussten viele leiden.

Jeder hier beneidete die Menschen in unserem Nachbarkönigreich. Nach Erzählungen ging es ihnen sehr gut und der junge König dort sollte einfach wunderbar sein.

Manchmal träumte ich, so unwahrscheinlich es auch klang, dass ich irgendwann einmal mit allem glücklich sein werde. Ich denke, dass ich auf jeden Fall in der Liebe glücklich sein werde. Zumindest gebe ich diesen Gedanken nicht auf.

Als ich meinen Gedanken weiter nachhing und weiterging, bemerkte ich erst spät, dass ich von Wachen umgeben war. Auf einmal hatte ich ein ungutes Gefühl. Ich wollte umdrehen und wieder nach Hause gehen, aber ein Wachmann stellte sich mir in den Weg.

"Miss, der König will Sie auf seiner Burg haben. Bitte kommen Sie mit", sagte er mit einem monotonen Ausdruck in der Stimme.

"Was? Mich? Warum?", erwiderte ich schockiert.

"Er ist Ihnen sehr angetan und möchte sie heiraten."

Ich fiel aus allen Wolken, als diese Worte seinen Mund verließen. "WAS?!", schrie ich, "Er kennt mich doch nicht! Und ich will ihn nicht heiraten!"

"Miss, kommen Sie jetzt mit, sonst müssen wir Sie mit Gewalt mitnehmen." Ich sah mich panisch um. Die anderen Wachmänner kamen immer näher und ich wusste, dass ich keine Chance hatte. Ich sackte etwas in mich zusammen und bestätigte, dass ich mitkommen würde. Doch insgeheim würde ich nicht so leicht aufgeben...

RunningStories to obsess over. Discover now