Als ich nach Hause komme läuft das Radio immer noch.
Leise ziehe ich meine Schuhe aus und räume meine Schlüssel auf. Im Wohnzimmer brennt, allerdings gedimmt, das Licht der Wandlampe. Auf unserer riesigen Sofa Landschaft entdecke ich ein Knäuel aus Armen und Beinen.
Sanft lege ich meine Hand auf die Schulter meiner besten Freundin, ich vermute zumindest dass es ihre ist und versuche sie zu wecken.
Keine Reaktion.
„Linn?" versuche ich es nochmal. Diesmal kommt Leben in ihren Körper. Verschlafen blinzelt sie mir entgegen.
„Warum bist du schon da?" Verschlafen reibt sie sich die Augen und gähnt herzhaft. „Was heißt hier schon? Wir haben halb zwölf." Erkläre ich ihr lachend.
Linn ist mit einem Schlag wach. Ihr Kopf schnellte in Richtung der Person neben ihr. „Verdammt! Benji muss morgen arbeiten." Ich fahre mir durch die Haare und muss Lächeln. „Nehm es mir nicht übel, aber ich bin am Ende." Linn nickt mir lächelnd zu. „Gute Nacht." Mit halbem Ohr bekomme ich noch mit wie Linn Benji zurück in die Wirklichkeit holt, dann bin ich im Bad und verschließe die Tür hinter mir.
Im Spiegel sieht mir ein total kaputtes Ich entgegen. Frustriert stoße ich ein Stöhnen aus und beginne mir mein Make-Up aus dem Gesicht zu reiben.
Draußen fällt die Haustür ins Schloss. Also ist Benji auf dem Weg in seine eigenen vier Wände. Schön dass er dort auch mal vorbei schaut. Ich mag ihn, keine Frage, aber ihn zwanzig Stunden am Tag in der Wohnung zu haben ist dann doch etwas zu viel des Guten.
Benji und Linn haben sich vor zwei Jahren, als wir noch in der Nähe von New Orleans gewohnt hatten, kennen gelernt. Mittlerweile sind sie seit einem Jahr zusammen. Nach unserem Umzug in den kleinen Vorort von New York, wo wir jetzt leben, stand ihre Beziehung ein wenig auf der Kippe. Benji wohnte mitten in New Orleans und wollte seine Wohnung nur ungern aufgeben. Was ich ehrlich gesagt auch ziemlich gut verstehen konnte. Sie hat die Perfekte Lage, Größe und die Miete ist auch mehr als in Ordnung, wenn man bedachte, dass sie mitten in der Stadt liegt. Nach zwei Monaten, in denen wir schon bei New York lebten, stritten sich die beiden oft per Telefon, gesehen hatten sie sich nur über Skype. Mittlerweile wohnen wir seid vier Monaten hier und Benji ist uns tatsächlich hinter her gezogen. Er konnte seine Schwester überreden die Wohnung für zwei Jahre zu übernehmen, damit er sie nicht verlor und in seinem Betrieb hatte er sich für die Zeit eine Stelle in New York geben lassen, was anscheinend kein Problem war wenn man in einem Millionenbetrieb arbeitet.
Für Linn und mich hat sich ein Lebenstraum erfüllt hier her zu ziehen. Seit der 10. Klasse hegen wir den Traum aus zu wandern. Zwei Jahre New Orleans, auf Wunsch von Linn und zwei Jahre nach New York, was mein Traum ist. Mit 24 und 25 Jahren hatten wir uns, vor etwas mehr als zwei Jahren, den Traum endlich erfüllt. Mein Leben kann momentan nicht besser sein. Ich liebe das Leben hier! Linn ist glücklich, Ich bin glücklich, besser hätte es gar nicht kommen können.
„Maje?" Sachtes Klopfen an der Tür reist mich aus meinen Gedanken. Schnell ziehe ich mein viel zu großes Adidas T- Shirt über und schließe die Tür auf. „Kann ich?"
Ohne eine Antwort abzuwarten schiebt sich Linn an mir vorbei in das Badezimmer. Ich schließe die Tür hinter ihr und setze mich auf den Klodeckel. „Alles klar zwischen dir und Benji?"Linn lächelt sofort selig. Eigentlich ist ein Blick in ihr Gesicht schon Antwort genug. „Könnte nicht besser sein. Am Wochenende will Benji mit mir in ein Musical am Broadway."
Ich seufze verträumt. „Das will ich auch noch machen. Ich glaube gerade spielen sie Aladdin."
Ich liebe Aladdin. Aladdin ist mein absolutes Lieblingsmärchen, seit ich denken kann liebe ich die Kleider die Prinzessin Yasmin trägt und den verrückten blauen Dschinn. „Komm doch mit?" Linn sieht mich durch den Spiegel aufgeregt mit ihren Teddybraunen Augen an und grinst breit während sie sich ihre Ohrringe aus den Ohren fummelt.
„Quatsch. Benji hat dich eingeladen und ihr sollt euch einen schönen Tag machen. Ich würde mich eh nur überflüssig fühlen." Jetzt dreht sich Linn zu mir um und sieht mich eindringlich an.
„Du liebst Aladdin seit ich dich kenne und glaub mir, dass ist schon ziemlich lang. Jetzt hast du die Chance in dieses Musical zu gehen von dem du seit Monaten schwärmst und sagst Nein?" Ich zucke mit den Schultern.
„Ich würde echt gerne mit kommen aber Benji hat dich gefragt und will sich mit dir einen schönen Abend machen. Ich denke nicht, dass er begeistert wäre wenn ich mit komme." Meine ich und zupfe mein Shirt zurecht.
„Ich frage ihn trotzdem." Ich lache geschlagen auf. Wenn sich Linn einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann hat man sowieso leine Chance mehr. „Also gut. Ich kann dich eh nicht davon abhalten aber wenn er nur einen Mucks macht von wegen, dass er will mit dir da alleine hin will, dann sag mir das." Ich sehe Linn durchdringend an.
Sie grinst mich hingegen nur breit an. "Wird gemacht!"
ESTÁS LEYENDO
Seelen Schatten
Romance"Maje?" Mein verwirrter Blick wandert von meinen Händen, Finn hat immer noch die Hände auf meinen liegen, zu einem großen Typen der neben unserem Tisch steht. Ich brauche etwas um die Meerblauen Augen einzuordnen, die auf mich herunter sehen. Aid...
