Freya
Ding Dong
Ich hatte riesigen Hunger und war froh das es endlich etwas zu essen gab. Ich setzte mich neben Damon ans Ende eines der weißen Metalltische. Sowohl der Metallstuhl und der Tisch waren kalt. Das Essen sah wie gewohnt wie Matsche aus, doch dort waren wohl viele Nährstoffe und Vitamine drin. Zumindest sagte man uns das. Es war laut, denn alle redeten durcheinander. Manche stritten sich, doch keiner der Soldaten griff ein. Warum auch, wir waren ja nur Abschaum. Ich aß ein, zwei Gabeln von meinem Matsch und versank in Gedanken.
Was dachten die Soldaten, wenn wir uns wie Tiere verhielten? Wahrscheinlich gar nichts. Sie hatten es ja so gelernt. Wir waren minderwertig. Ich war so mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, dass ich ihn beinahe nicht gesehen hätte.
Er ging mit strammen Schritten durch den Raum. Mein Herz stolperte. Seine eisblauen Augen suchten meinen Blick. Als wir uns ansahen mussten wir beide leicht lächeln. Mir stieg die Röte ins Gesicht. Er war so schön. Seine muskulöse Statur. Seine eisblauen Augen. Die kurzen dunkelblonden, schimmernden Haare. Er war der einzige Mensch der mich gut behandelte. Er war einfach unglaublich und er hatte ein gutes Herz. Das wusste ich.
Ich hatte solch ein Glück. Ich liebte ihn und er liebte mich. Doch es gab ein Hindernis. Unsere Liebe war verboten. Er, Jaxon, war ein Mensch und ich, Freya, war nur ein Hybrid. Wir würden nie akzeptiert werden. Wenn unsere Beziehung herauskäme, wären wir schneller Tod als wir gucken konnten. Mensch und Hybrid. Nein, das ging nicht.
Hier war es nicht leicht, dennoch gab es diese kurzen Momente, die mich am Leben hielten. Das Leben hier war Kräfte zehrend, doch Jaxon baute mich auf. In den Augenblicken wenn niemand hinsah und er mein Gesicht nahm, mich auf die Stirn küsste und mir sagte, dass alles gut würde, die Augenblicke wenn er mich flüchtig küsste... Ich liebte ihn.
„Iss jetzt!"
Ich zuckte zusammen und sah in das grimmige Gesicht von Damon.
„Wenn du jetzt nicht isst, esse ich deine Matsche".
Damon war offensichtlich schlecht gelaunt und ich aß eine Gabel voll mit dem grauen Zeug.
„Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
Er wendete denBlick ab. War er wütend auf mich? Ich konnte mich nicht erinnern irgend etwas getan zu haben, um ihn zu verärgern. Ich wunderte mich und aß weiter.
Eigentlich war Damon mein bester Freund, doch er war wohl heute mit dem falschen Fuß aufgestanden.
Aber er hatte recht. Ich musste dringend etwas essen. Ich hatte gestern nur die Hälfte von meinem Matsch gegessen, aber ein kleines Mädchen hatte geweint, da die Älteren ihr das Essen weggenommen hatten. Sie musste ja noch wachsen. Der Zug war bei mir leider schon abgefahren. Ich wa rwirklich nicht besonders groß. Na ja, ich hatte ihr die Hälfte von meinem Essen gegeben und zum Dank hatte sie mich umarmt. Das war es wert gewesen. Dies war nicht das erste mal, das ich den Kleinen etwas abgab. Damon hasste und liebte mich gleichzeitig dafür. Als ich noch klein war, wurde mir auch ständig alles weggenommen, bis ich Damon traf. Er meinte, das es toll wäre, das ich teilte, doch er machte sich wie immer Sorgen um mich. So war Damon nun einmal.
Damon sprach gerade mit einem Jungen aus unserer Etage, als ein schmalschultriger Junge sich neben mich setzte. Er war dünn und hatte fettiges Haar.
„Gib mir deinEssen".
Ich guckte ihn verdutzt an.
„Wie bitte?"
Er flüsterte mir bedrohlich zu: „Bist du schwerhörig? Gib mir dein Essen!"
Bevor ich reagieren konnte, zog er ein selbstgemachte Waffe.
Ich hielt die Luft an. Tränen sammelten sich in meinen Augen.
„Du sollst nicht heulen, sondern mir das Essen rüberschieben!"
Meine Hand zitterte, als ich vorsichtig meine Schüssel zu ihm schob. Er nahm mein Essen mit seinen knochigen Fingern.
Ich schaute mich um. Konnte mir denn keiner helfen? Es sah nicht danach aus, dass jemand den Vorfall bemerkt hatte. Ich wollte aufstehen. Ich konnte vielleicht schnell davon gehen, er hatte ja was er wollte. Doch der Junge räusperte sich und deutete mir mich wieder hinzusetzten. Was wollte er von mir? Ich hatte ihn doch gegeben was er wollte. Mein Herz klopfte. Ich saß wieder, als er anfing zu reden.
„Das Leben ist nicht einfach als Hybrid, nicht wahr?"
Ich schaute auf meine Hände.
„Antworte mir!", seine Stimme wurde lauter.
Ich nickte. Ich wollte reden, doch ich bekam keinen Ton raus.
Er seufzte. Seine Hände strichen über die spiegelnde Klinge. Es sah wie ein Stück Spiegel aus. Er hielt es fest in der Hand und erst jetzt bemerkte ich das rote, tropfende Blut. Die Scherbe schnitt in sein Fleisch. EinTropfen fiel auf sein weißes Shirt und verfärbte es.
„Weißt du.. Ich lebe hier seit ich zwei Jahre alt war. Ich kann nicht mehr. Seit ich die Wahrheit kenne, weiß ich auch, das es keinen Sinn hat. Tut mir Leid, Kleines"
Ich hörte seine Worte, aber verstand nicht was er von mir wollte.
Doch dann plötzlich riss er mich an sich und hielt mir die Waffe an den Hals. In sekundenschnelle waren zwölf Gewehre auf uns gerichtet.
Ich hörte auf zuatmen. Meine Lunge hörte auf zu arbeiten und mein Herz auf zu pumpen. Ein Soldat schrie:
„Messer runter, sonst erschießen wir dich!"
Ich blickte zu Damon. Die Angst war in seinen Augen abzulesen. Er sah mich an und danach den Verrückten. Er knirschte mit den Zähnen und sah so aus, als ob er ihn gleich anfallen würde. Ich betete dafür, dass er die Beine still hielt. Die Soldaten fänden dies wahrscheinlich nicht lustig und würde Damon erschießen, da sich bedroht fühlen würden. Oder so.
„Oh Gott", war alles was ich herausbrachte.
„Der kann dir nicht mehr helfen, Kleines".
Ich erschauderte. Warum tat Jemand so etwas? Seine Worte hallten in meinem Kopf wieder.
Nun sah ich Jaxon an. Er war auf den Verrückten fokussiert. Er sah entschlossen aus, diesen Jungen zu erschießen. Ein Soldat rief:
„Wir erschießen dich, selbst wenn das Mädchen dabei drauf geht!"
Was?! Sie wollten mich auch erschießen? Ich sah zu dem fast vor Wut explodierenden Damon. Ich fing an zu weinen.
„Vergiss meine Worte nicht, Kleines".
Ich verstand nicht.Ich wollte mein Gesicht zu seinem drehen, doch ich hörte den lauten Knall einer Pistole, der mich zusammenzucken ließ. Ich kniff die Augen zusammen. Ich spürte wie der Körper, der mich umschloss, schlaff wurde und zu Boden viel.
Ich öffnete die Augen. Ich sah ein Loch mitten in der Stirn, von dem Verrückten. Ich sah zu den Soldaten. Manche von ihnen klopften Jaxon auf dieSchulter.
Die Augen des Jungen waren offen. Seine Augen waren leer.
Bevor ich nur etwas sagen oder tun konnte, schlang Damon seine Arme um mich und zerquetschte mich fast.
„Gott sei Dank , Freya! Ich hab mir fast in die Hosen gemacht, als ich die Waffe sah und dann.. Glaub mir, wenn nicht geschossen worden wäre.. Ich hätte ihn kalt gemacht".
„Ich weiß".
Er drückte mich noch fester. Unwillkürlich wanderte mein Blick wieder zum Jungen.Was hatte er nur gemeint?
Als wir uns von einander lösten, sah ich zu Jaxon. Er formte stumm mit seinen Lippen das Wort „Treffen". Ich nickte. Danach sagte er noch stumm „Ich liebe dich".
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Dead End
FantasyIch weiß was ich bin. Sie wissen was ich bin und sie werden mich nicht aus Güte am leben lassen. Sie werden kommen und mich töten. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber irgendwann wird der Tag kommen an dem sie mich beseitigen...
