Prolog
Es war ein komisches Gefühl, welches sich in Narzissa breit machte, als sie eng umschlungen in den Armen dieser Frau erwachte. Komisch doch nicht unangenehm, nur verwirrend. Sie öffnete die Augen und betrachtete das weiche Gesicht der braunhaarigen, jungen Frau ihr gegenüber. Vorsichtig löste sie sich aus ihrer sachten Umarmung und setzte sich an den Rand des Bettes. Es war noch früh am Morgen und das Zimmer viel zu kalt. Eine Gänsehaut breitete sich über ihrem Körper aus, doch konnte Narzissa nicht mehr zuordnen ob es von der Kälte oder der sanften Berührungen an ihrem Rücken kam. Schlanke Finger steiften ihren nackten Rücken immer wieder langsam auf und ab. Narzissa schloss automatisch die Augen. Der heiße Atem der Frau hinter ihr, bewegte sich langsam nach ob bis zu ihrem Hals. Ein angenehm warmes Gefühl durchströmte dabei ihren Körper und lies die Verwirrung wie weggeblasen erscheinen. Vorsichtig legte die dunkelhaarige ihre Arme um Narzissas Bauch und umarmte sie, während sie ihr leise ins Ohr flüsterte. "Leg dich wieder zu mir. Es ist noch viel zu früh um aufzustehen." Kleine, weiche Küsse bedeckten ihren Hals, sodass sie ihn, ohne darüber nachzudenken, zur Seite legte, um der Frau hinter ihr mehr Spielraum zu geben. Immer noch waren Narzissas Augen geschlossen, bis sich die Arme um ihren Bauch lösten. Sie drehte sich um und sah in die erwartungsvollen blauen Augen, in denen sie sich verlor. Narzissa lächelte leicht und legte sich wieder zu ihr.
Kapitel 1 - Die Ankunft
"Und das du mir ja auf sie aufpasst!" Hallte es von Cygnus durch die Gänge des großen alten Hauses, als er mit Bellatrix sprach. Narzissa war bereits auf dem Weg nach oben, gefolgt von Kreacher der die Koffer der Brünetten jungen Frau hinter ihm schleppte. Louanne tat sich etwas schwer die schmalen Treppen in ihrem langen Kleid zu bezwingen. Zu solchen Anlässen, trug ihr Vater ihr auf grundsätzlich Kleider zu tragen und sich zurecht zu machen. Sie hasste es, doch wusste sie, dass sie ihm nicht widersprechen durfte. Narzissa deutete auf eines der Gästezimmer, in die Kreacher das Gepäck brachte. Die beiden Frauen standen sich gegenüber. Mit verschränkten Armen betrachtete Narzissa die schmale Frau. "Du siehst aus als könntest du etwas zu essen vertragen. Komm mit." Kam es nur knapp und fast schon unfreundlich von der Blonden, doch folgte ihr Louanne. Gemeinsam betraten sie einen weitläufigen Raum voller Bücher. Zwischen den einzelnen Regalen war gerade so Platz für ein paar Bilder der Familienmitglieder der Blacks. In der Mitte stand ein runder Holztisch, an dem vier Stühle standen. Aus der Teekanne auf dem Tisch dampfte es bereits und neben ihr lag etwas Gebäck. Der drei Uhr Tee, wurde wie jeden Tag pünktlich in die Bibliothek gebracht. Narzissa nahm sich einen Stuhl und setzte sich. Sofort goss die Teekanne ihr die Tasse voll. Das selbe geschah am Platz von Louanne, als sie sich einen Stuhl griff und sich ihr gegenüber setzte. "Für gewöhnlich sitze ich hier alleine. Andromeda und Bellatrix sind lieber unterwegs, als sich einem guten Buch zu widmen. Wie steht es mit dir? Liest du gerne?" Vorsichtig nippte Louanne am Tee, um seine Temperatur zu prüfen, bevor sie antwortete. "Ich habe viel gelesen, doch zieht es mich mehr nach draußen. Ich möchte das was ich gelesen habe, lieber selbst entdecken." Narzissa schmunzelte über ihre Naivität, doch sagte nichts weiter dazu. "Es ist lange her, seit ich dich das letzt mal gesehen habe. Es muss wohl sehr wichtig sein, wenn unsere Väter gemeinsam verreisen müssen. Töricht wie mein Vater ist, denkt er Bellatrix würde auf uns achten solange er fort ist. Doch kann sie nicht einmal auf sich selbst aufpassen. Das heißt..." Narzissa nippte noch einmal an dem Tee. "Wir werden hier die gesamten Sommerferien alleine sein, Louanne." Die dunkelhaarige stellte ihren Tee auf die Untertasse und beugte sich ein wenig über den Tisch. "Willst du mir sagen, dass ich den ganzen scheiß Sommer in dieser Bibliothek mit dir verbringen soll, Cissy? Und nenn mich nicht Louanne. Du weißt ich mag das nicht." Narzissa verdrehte dich Augen, worauf hin die Französin aufstand und aus dem Raum verschwand. "So ganz ohne Anstand, tztz." Sprach Narzissa nur noch für sich.
Louanne begab sich in ihr Zimmer und verschloss die Türe. Ihre Kleider waren bereits feinsäuberlich in den Schrank geräumt, doch war es auch nicht das was die junge Frau suchte. Schnell zog sie ihren Koffer der unter dem Bett war. Sie hob ihren Zauberstab und tippte ihn zweimal an während sie ein paar Worte vor sich her murmelte. Als sie den vermeintlich leeren Koffer öffnete, kamen allerlei Kleidungsstücke zum Vorschein, die sie vor ihrem Vater verstecken musste. Von schicken Hemden über Krawatten bis Hosen. Dinge die sie so normal nie tragen durfte. Mit Genugtuung entledigte sie sich ihres Kleides und zog sich eine schwarze Hose und ihr schwarzes Lieblings Hemd an. Aus ihren fein säuberlich zusammen gesteckten Haaren, löste sie jede einzelne Klammer. Mit beiden Händen fuhr sie durch ihre leicht gewellten, knapp über die Schulter reichenden, braunen Haare. "Viel besser." Sie griff nach einer Weste und verschloss die Knöpfe. Schnell zog sie die schwarzen Lederstiefel an und stand vor dem Spiegel um sich noch einmal zu betrachten. Lächelnd nickte sie sich selbst an und erkannte sich endlich wieder. Gerade als sie die Türe Aufriss stand Narzissa davor, die ihre Hand bereits hob, um daran zu klopfen. Mit offenem Mund starrte sie Louanne erneut von oben bis unten an. "Wie siehst du denn aus, Louanne?" Narzissa hatte sie zuvor immer nur zu offiziellen Anlässen gesehen, zu denen sie zurecht gemacht, geschminkt und im Kleid vor ihr stand. "DAS bin ich und nicht irgend ein Püppchen im Kleid. Und nenn mich bitte Lou. Darum hatte ich dich vorhin schon gebeten." Narzissa hob die Augenbrauen und musterte die Französin gegenüber noch einmal. "Diese Kleidung passt wirklich besser zu dir." Kam es von ihr in einem etwas höhnischen Ton. "Dann können wir ja jetzt gehen." Lou griff nach ihrem Umhang und warf ihn über ihre Schulter. "Gehen? Wohin?" Fragte Narzissa verwundert. "In die Stadt, ein wenig Spaß haben." Fast wurde Narzissa von ihr überrumpelt, als sie sich an der Tür an ihr vorbei drängelte. "Worauf wartest du?" Immer noch stand die blonde Frau in der Tür und starrte sie verdutzt an. "Und wie? Mein Vater ist mit unserer Kutsche weggefahren und hat zuvor einen Zauber über unsere Kamine gelegt. Es ist viel zu weit um in die Stadt zu laufen." Diesmal sah Louanne sie verwundert an. "Na mit dem Besen natürlich. Vor eurem Haus habe ich doch genug gesehen." Noch nie war Narzissa auf einem Besen geritten. Den Unterricht umging sie stets mit geschickten Ausreden oder legte sich bewusst andere Kurse auf diesen Termin. Keiner sollte heraus finden, dass sie Angst davor hatte. Doch nun wusste sie nicht, wie sie sich aus der Situation winden sollte. "Was hast du?" Händeringend suchte sie nach einer Ausrede. "Mit einem Kleid kann ich nicht auf einem Besen fliegen." Schoss es aus ihr heraus. "Das ist das kleinste Problem." Louanne packte sie am Arm und zog sie mit sich, in ihr Gästezimmer. Schnell wühlte sie aus dem Koffer ein paar passende Kleidungsstücke für Narzissa hervor. "Die dürften dir passen." Mit verzogenen Mundwinkeln hielt die blonde eine dunkle Jeanshose und einen, grauen engen Pullover in die Höhe. "Das kann ich nicht anziehen." Kam es schnippisch von ihr. "Dann musst du eben mit dem Kleid auf den Besen." Narzissa konnte es nicht länger verheimlichen. "Ich bin noch nie auf einem Besen geflogen, Lou." Ein seufzendes Geräusch kam von der dunkelhaarigen. "Dann ist es höchste Zeit dies nachzuholen!" Grinste sie Narzissa an und zog sie erneut mit sich. Vor dem Haus angekommen, griff Lou nach einem der Besen und stieg auf. "Na komm schon Cissy. Steig auf!" Mit ängstlicher Mine stieg sie auf den Besen. Louanne entging nicht das leichte Zittern der Frau hinter ihr. "Halt dich einfach an mir fest, dann passiert dir schon nichts." Blickte sie nach hinten und zwinkerte Narzissa zu. Diese legte die Arme leicht um den schlanken Körper vor sich. Erst jetzt bemerkte sie den angenehmen Geruch, der von Louanne ausging. Sie versuchte es einzuordnen, doch konnte sich an nichts vergleichbar angenehmes entsinnen. Ihre Gedanken wurden jäh gestört, als sich die Französin vom Boden abstieß und beide in der Luft schwebten. Fester umklammerte Narzissa die Frau vor sich und legte ihren Kopf an ihren Rücken. "Können wir? Fragte sie noch einmal nach." Ein gequältes: 'Ich denke schon' kam von der Blonden, gefolgt von einem Schrei als sie los flogen. Louanne genoss die Freiheit auf dem Besen. Über alles hinweg sehen zu können. Frei zu sein. Nur fiel es ihr in diesem Moment schwerer, da ihr Narzissa fast die Luft abdrückte. Seit dem Moment, als sie starteten, hatte ihre Begleiterin die Augen geschlossen, was Louanne erst bemerkte, als sie über ihre Schulter sah. "Öffne die Augen Cissy. Sieh dir diese fantastische Aussicht an." Schrie sie gegen den Flugwind zu ihr. In diesem Moment flogen sie über einige Gebirge an einem Waldrand entlang. "Du weißt garnicht was dir entgeht." Nur langsam öffnete sie die Augen und erblickte unter sich die weite Landschaft. Louanne spürte wie sich der Griff um sie etwas lockerte, als Narzissa mit weit aufgerissen Augen und offenem Mund nach unten sah. "Es ist wunderschön..." kam es gerade so laut von ihr, dass die Besenreiterin es vernehmen konnte. "Halt dich noch einmal gut fest!" In diesem Moment fing Louanne an schneller zu fliegen. Schnurstracks auf einen Berg zu. Nur knapp streiften sie über den Baumwipfeln den Berg entlang bis sie an der Spitze ankamen und sogleich wieder nach unten stürzten. Ein freudiger Schrei kam aus Louannes Kehle, als sie den Berg in Richtung eines kleinen Sees überflog, der im Sonnenuntergang rot schimmerte. Der Griff Narzissas wurde wieder fester, was die dunkelhaarige bemerkte. Sie wurden wieder etwas langsamer und die Blonde versuchte erneut die Augen vorsichtig zu öffnen. "Ich hoffe das war nicht zu stürmisch für den Anfang." Grinste die Französin vorsichtig nach hinten. Narzissas Gesicht war noch blasser als sonst, so entschied sie nach einem geeigneten Platz zum landen zu suchen. Dieser war glücklicherweise schnell gefunden. Direkt auf dem See befand sich eine kleine Insel, auf dem sich ein einzelner großer Baum befand. Schnell steuerte Lou den Boden an und legte eine vorsichtige Landung hin. Sofort sprang Narzissa vom Besen und setzte sich in das Gras. "Es tut mir leid, ich wollte nicht..." Narzissa hob die Hand um sie zu unterbrechen. Immernoch schnaufte sie tief und sah dabei auf den Boden und dann langsam zu Louanne. "Das war wahnsinnig aufregend! Nur vielleicht etwas zu viel für den Anfang." Langsam bekam Narzissa wieder etwas Farbe in ihrem Gesicht und fing an zu lachen. Sofort stieg Lou ein und reichte ihr die Hand zum Aufstehen. "Danke dir, Lou." Die Französin lief zu dem hohen Baum in der Mitte der kleinen Insel und suchte sich einen großen Ast, an dem sie hinauf steigen konnte. "Schnell Cissy, sonst verpassen wir den Sonnenuntergang." Erneut sah sie verwirrt zu ihr hoch, während ihr die Hand aufgehalten wurde. Keine weitere Sekunde dachte Narzissa nach und kletterte zu ihr auf den Ast, auf den sie gemeinsam saßen und zusahen, wie die Sonne im Wasser unter ging. "Es ist schön hier." Stellte die Blonde fest, während eine gewisse Ruhe in ihr einkehrte, die sie so nicht kannte. Eine leichte Sommerbrise wehte durch die Haare der Frauen und Narzissa schüttelte es. Lou rückte etwas näher zu ihr und legte ihren Umhang um sie. Dies geschah so natürlich, dass sie garnicht bemerkte, dass ihr Arm dabei um Narzissas Schultern liegen blieb, bis die Sonne gänzlich am Horizont verschwand. Narzissa schloss den Abstand zu ihr und rückte näher, um sich an sie zu lehnen. Langsam dämmerte es Louanne in welche Situation sie sich mit der Frau neben ihr befand. Am liebsten wäre sie vor Schreck aufgesprungen, doch hielt sie ein anderes Gefühl, welches sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht zuordnen konnte, auf. Sie löste die Umarmung, was Narzissa dazu bewegte sich wieder aufrecht hin zu setzen und zu ihr zu sehen. "Wir sollten gehen." Sprach Louanne zu der Blonden, die sie mit großen Augen ansah. Sie nickte. "Ja, das sollten wir." Doch bewegte sich keiner der beiden vom Fleck. Im zarten Licht des aufgegangen Mondes, konnte Louanne deutlich das Gesicht ihrer gegenüber sehen. Ihre weiße Haut, genauso wie ihre blauen Augen, strahlte förmlich aus der Dunkelheit hervor. Zunächst zögerlich, legte sie die Hand auf Narzissas Wange. Es erfolgte keine Widerrede, stattdessen spürte sie die Hand der anderen, in ihrer. Louanne zitterte vor Aufregung und fing an vor sich her zu stottern. "Ich möchte... ich würde gerne... Cissy darf ich..." Bevor sie den Satz zusammen stammeln konnte, beugte sich Narzissa zu ihr und küsste sie sanft auf den Mund. Ganz langsam lösten sich ihre Lippen wieder voneinander und beide öffneten die Augen. Louanne atmete tief ein. "Wow..." ein schmales Grinsen zog sich über Narzissas Gesicht. "Ich denke wir sollten nach Hause. Das war genug Spannung für einen Tag für mich." Brachte die Blonde leise hervor.
Auf dem Rückweg flog Lou um einiges langsamer als zuvor. Einerseits, dass Narzissa ihre Gesichtsfarbe behalten würde, andererseits um länger in der Umarmung der Hexe hinter sich zu liegen. Den gesamten weg hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen. Zu Hause angekommen, trennten sich ihre Wege im Flur. "Gute Nacht, Cissy." Narzissa sah sie an und ging einen Schritt auf sie zu und zupfte mit ihren Fingern an den Ärmeln ihres Kleides herum. "Danke für den schönen Ausflug, Lou. Schlaf gut." Narzissa drehte sich um und musste in sich hinein grinsen. Auch Louanne öffnete grinsend die Türe zu ihrem Gästezimmer. Ohne sich umzuziehen, lies sie sich rückwärts auf das Bett fallen und begann vor sich her zu grinsen, während sie die eben passierten Geschehnisse noch einmal durch ihren Kopf gingen lies.
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Ars armandi
FanfictionNicht mehr lange und Narzissa Black würde Hogwarts hinter sich lassen können. Ihre letzten Sommerferien waren angebrochen und sie bekam unerwarteten Besuch aus Frankreich. Die Tochter eines Geschäftspartners ihres Vaters, sollte nun über den Ferien...
