PROLOG

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'Der Regen rieselt im Takt auf den Boden. Die untergehende Sonne spiegelt sich in den Tropfen wieder. Der laue Sommerwind weht durch meine kurzen, schwarzen Haare. Auf dem 6. Stock eines Hochhauses, sitze ich auf einem Balkon; von Schimmel überwuchert und Efeu ziert die durch Rost zefressenen Balkongitter. Vor mir steht lediglich ein kleiner, durchnässter Holztisch, der die besten Tage schon hinter sich hatte. Auf ihm steht das, was mein Leben erträglicher macht: Haze. Wie fast jeden Abend, drehe ich mir eine Kingsize und zünde sie an. Meine Lungen füllen sich mit dem Rauch, den ich mit der lauwarmen Sommerluft teile. Vor mir ragen riesige Hochhauskomplexe in die Luft. Alles so farblos und kalt. In den Gassen sehe ich Jugendliche, die von Weed bis Koks alles verticken. Davon leben sie. Davon müssen sie leben. Meine Lungen füllen sich immer wieder mit Haze und ich bekomme mit jedem Zug weniger von der so tristen Welt mit. Ich denke nach.
Mit 7 hat alles angefangen. Mein Vater war ein angesehener und gefährlicher Leader einer Großfamilie. Er hatte Hunderte Menschenleben auf dem Gewissen gehabt und zählte zu den mächtigsten Männern der Untergrundsszene. Meine Mutter hingegen war schwach, machtlos gegen seine Aggressionen. Machtlos gegen seine Wutausbrüche. Machtlos gegen seine Geschäfte und dennoch konnte sie ihn nicht verlassen. Sie lebte von ihm. Wir lebten von ihm. Eines Tages wurde in unserem Viertel eine große Drogenrazzia durchgeführt. Unsere Wohnung wurde vom SEK gestürmt und durchsucht. Meinen Vater haben sie mitgenommen und mit ihm Berge von Koks und Gras. Uns wurde gesagt, dass wir die Wohnung nicht mehr bewohnen dürfen, aufgrund der Spurensicherung und den Umständen. Jetzt waren wir auf uns allein gestellt. Kein Geld, kein Zuhause und nichts zuessen. Wir fanden eine neue Wohnung in einem heruntergekommenen Hochhaus. Die Wohnung war klein und eng. So kalt und verdreckt. Meine Mutter arbeitete den ganzen Tag und kam abends erschöpft nach Hause und das für einen Stundenlohn von 4,50€. Später, als alles unerträglich wurde, ging ich nicht mehr zur Schule, lernte Junkies und mit ihnen die Drogen kennen. Ich beschloss meiner Mutter was gutes zu tun und verdiente als Dealer mein eigenes Geld. Nicht viel, aber zum Überleben reichte es aus. Als ich 15 geworden bin, ging es meiner Mutter von Tag zu Tag schlechter. Sie konnte nicht mehr arbeiten und irgendwann musste ich sie täglich im Krankenhaus besuchen. 'Krebs' hallt es mir immer noch durch den Kopf. Die Worte des Chefarztes lassen mich nicht mehr los. Allein und ziellos bahne ich mir bis heute einen Weg durch das Leben. Angefangen mit verticken und vergessen. Die Zeit vergessen. 'Sie wird überleben', rang es mir stetig durch den Kopf.
Der Donner weckt mich aus meinen Gedanken. Die Sonne ist bereits untergegangen und die dunklen Wolken regieren den Nachthimmel. Der Regen bildet einen klaren Applaus auf den Häuserdächern. Die Wirkung des Hazes hat nachgelassen. Ich stehe auf, nehme mein Glas mit rein und lege mich auf das rostige, alte Metallbett. Die durchlöcherte Bettdecke, bedeckt nur den halben teil meines Körpers. '16 Jahre alt und nichts im Leben erreicht', bahnt sich der Satz durch meinem Kopf.
Meine Seele ist schwarz und voller Narben. Mein Vater war Dealer und Leader und sitzt im Hochsicherheitstrakt, meine Mutter hat Krebs, Schule mit 13 abgebrochen, stetig in Schlägereien verwickelt, fast jeden Tag am trinken oder kiffen, ständig auf der Flucht vor den Bullen und immer am aufpassen, dass einem keine miese Ratte das Geschäft versaut. In diesem Business gibt es keine Freunde, nur Bekannte. Ich muss aufpassen mit wem ich zu tun habe, auf alles achten. Darf mir keine Fehler erlauben, muss meiner Mutter helfen und sie stolz machen.
Das einzige was ich neben dem verticken noch mache, ist rappen. Ich liebe es Texte zu schreiben und aggressiv mein Leben zu beschrieben. Es gibt mir halt im Leben, den ich sonst nicht bekomme. Es gibt mir das Gefühl, etwas zu sein.
Die Blitze erhellen meine kleine Wohnung und sorgen kurze Zeit für Licht im Dunkeln. 'Ich habe das Gefühl, etwas großes rollt auf mich zu, das fühle ich', denke ich und schlafe ein.'

Livin' la Vida LocaDes histoires addictives. Découvrez maintenant