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Es war ein stürmischer, regnerischer Tag.
Der dreizehnjährige Mello schaute betrübt aus dem Fenster, hinter ihm der kleine Near.Wie immer saß er da, in seiner typischen Position: ein Bein hoch zum Kinn gezogen, das andere hing locker daneben. Ebenfalls leicht betrübt ließ er einen Würfel aus seiner Hand kullern. Eine kleine, winzige, fast unsichtbare Träne rollte seine Wange herunter, doch er wischte sie schnell mit seinem weißen Ärmel weg, als ob sie nie da gewesen wäre.
Mello saß immer noch am Fenster und schaute ziellos ins Gewitter, in Gedanken sah er seine Mutter ( jedenfalls so, wie er sie sich vorstellte), die einen Arm um ihn legte. Ihm kam ein Anzeichen von einem Lächeln ins Gesicht, doch es verblasste, als Lawliet ins Zimmer kam:
,, Jungs, Watari hat das Abendessen bereits auf den Tisch gestellt."
Einen letzten Blick ließ er aus dem Fenster schweifen, als er sich umdrehte und Near den Flur entlang ins Esszimmer folgte.
Am Tisch wartete der gleichgültige, jedoch warmherzige Watari mit einem Tablet gehäuft mit allen möglichen Gemüsearten, gekocht natürlich. Zwischen den gewürfelten Paprika und Möhren konnte man kleine Käsestreifen erkennen. Er hatte mal wieder Gemüseauflauf gemacht, der eigentlich ganz appetitlich aussah, jedoch überhaupt nicht Mellos Geschmack widerspiegelte. Genauso wie L schaute er angewiedert auf das Silbertablet, aber anscheinend würde das Watari nicht besonders interessieren:
,, Los, setzt euch, sonst wird das Essen noch kalt! Und keiner isst freiwillig gern kalte Zucchini, ehrlich."
Near schien die Mahlzeit nicht wirklich zu stören, sobald er einen Spielzeugroboter neben seinen Teller gestellt hatte.
L stocherte ebenso wie Mello nur wahllos auf dem Teller herum und musste sich Wataris Rede über gesunde und nahrhafte Ernährung anhören.
Verstohlen blickte er zu der schmalen Kommode rechts neben ihm, denn er und leider auch Watari wussten, was dessen Inhalt war. Aber zu seinem Pech hatte Watari seinen Blick bemerkt und machte ihn darauf aufmerksam, dass er die Kommode geleert hatte, und den Inhalt an einen anderen Ort verfrachtet hatte. Das machte den Jungen traurig und gleichzeitig auch wütend, doch er behielt die Konrolle über seine Gefühle.
So schnell wie möglich schlang er den Klumpatsch von Watari herunter, nur um den Ekel nicht schmecken zu müssen. Endlich waren diese Qualen vorbei und nun konnte er sich auf die Suche nach dem Schatz begeben.
Near hopste von seinem Stuhl und verließ ohne viel Geste den Raum.
Auch Lawliet machte sich gekrümmt auf den Weg zu seinem geliebten Laptop. Wahrscheinlich würde er jetzt das tun, was er immer tat: Kuchen essen.
Und mit dieser Vermutung lag Mello nicht falsch, denn im nächsten Augenblick sah er Watari erneut in die Küche verschwinden. Der Geruch von frischen Erdbeeren und Kuchenteig kroch ihm förmlich in die Nase.
Weiter hinten konnte man etwas zerfallen hören, bestimmt wieder Nears Würfel. Doch das war jetzt komplett egal, das einzige, was jetzt zählte, war den Schatz zu finden!
'Aber warte, vielleicht hatte Watari die Kommode ja gar nicht gelehrt!'
Und tatsächlich: in der vierten Schublade von oben lag noch eine letzte Tafel Schokolade. Er verspürte große Freude, versteckte den Schatz aber rasch unter seinem schwarzen Pullover und rannte so schnell wie nur möglich auf sein Zimmer, als er Schritte hörte.
,, Meinte Watari nicht, dass du keine Schokolade mehr essen sollst?"
fragte Near, ohne Mello auch nur anzusehen.
,,Hmpf"
Er hatte bereits in sein Lieblingsessen gebissen und genoss jeden Moment.