Magie liegt in der Luft

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Das Gefühl der Unruhe traf mich wie immer völlig unvorbereitet: Meine Haut kribbelte und trotz der sengenden Hitze an diesem frühsommerlichen Freitag, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ich wusste, irgendwo in der Nähe wartete sie auf mich: meine neue Aufgabe.

Forschend sah ich mich in der Menge der Passanten um. Viele nutzten den sonnigen Nachmittag, um durch die Bremer Innenstadt zu schlendern und Ausschau nach etwas Neuem und Einmaligem zu halten. Dennoch unterschieden sich die anderen von mir: Keiner von ihnen sah sich nach einem magischen Rätsel um.

›Es war wahrscheinlich nur der Wind‹, beruhigte ich mich selbst, ahnend, dass dem nicht so war. Diese innere Unruhe hatte ich schon zweimal zuvor erlebt und jedes Mal kam ein Auftrag zu mir: Weder konnte ich es herbeiholen noch verhindern.

Erneut lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, um sich im nächsten Moment in glühende Hitze zu verwandeln. Blitzschnell drehte ich mich um und durchforstete erneut die Menschenmasse. Wer auch immer meine Auftraggeberin war, sie hatte mich entdeckt. Allerdings sah ich sie nicht. Es waren einfach zu viele Leute unterwegs und dennoch spürte ich, wie ihre Blicke auf meiner Haut brannten.

Für einen Augenblick wurde ich an die Seite gedrängt. Ihr Blickkontakt brach ab und das Gefühl beobachtet zu werden verlor sich. Ich besann mich darauf, weshalb ich hergekommen war: Mein jüngerer Bruder wollte in sechs Wochen heiraten und ich war eigens nach Bremen gefahren, um für diesen Anlass ein Abendkleid und ein paar Pumps zu kaufen.

Beim nächsten Geschäft sah ich mir die Schuhe im Schaufenster an. Abermals beschlich mich das Gefühl beobachtet zu werden. Durch die Spiegelung der Schaufenster versuchte ich ihren Blick einzufangen, doch wiederum sah ich niemanden.

›Beruhige dich, da ist keiner. Reiß dich zusammen.‹ Mühsam versuchte ich Haltung zu bewahren. ›Eine neue Aufgabe ist das Letzte, was du jetzt gebrauchen kannst.‹ Schnell schob ich die Gedanken beiseite und sah mir die Angebote an.

Letztendlich entschied ich mich dafür, ein Paar nachtblaue Pumps mit schwarzen Verzierungen anzuprobieren. Die Schuhe sahen sehr gut an meinen Füßen aus. ›Und der Absatz ist auch nicht zu hoch. Darin kann ich bestimmt einen Abend lang laufen, ohne mir Blasen zu holen‹, dachte ich und sah nach dem Preis. ›Oh, runter gesetzt, aber für meinen Geschmack immer noch zu teuer‹. Seufzend stellte ich das Paar zurück.

Enttäuscht ging ich weiter. Der nächste Laden war ein größeres Bekleidungsgeschäft. Es war mir allzu bekannt: In grauer Vorzeit, noch bevor mein Leben auf qualvolle Weise in andere Bahnen gelenkt wurde, war ich regelmäßig hier, um die neuen Kreationen anzusehen.

Ehe die Erinnerungen an diese Zeit Besitz von mir ergreifen konnten, blendete ich sie aus, betrat den Laden und ging zielstrebig in die Abteilung für Abendmode. Dort entdeckte ich bald ein dunkelrotes langes Abendkleid aus Acetat. Es wurde mit zwei dünnen Trägern im Nacken festgebunden. Der obere Saum war ein bisschen gerüscht, sodass die Sicht aufs Dekolleté versperrt war. Das Kleid war oben schmal geschnitten und ging dann ab der Hüfte in einen weiten Rock über.

›Genau was ich suche: elegant, aber nicht sexy!‹ Voller Vorfreude nahm ich es und schaute mich nach einer freien Umkleidekabine um. Meine Achtsamkeit wurde jedoch von einem Cocktailkleid abgelenkt. Es war in demselben Nachtblau, wie zuvor die Schuhe.

Mana Loa ~ FamilienbandeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt