Prolog

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Ich war 14 als meine damals noch heile Welt in sich zusammenbrach. Von heute auf morgen wurde mein Leben komplett umgekrempelt. Eine 180 Grad Wende, die ein verstandsraubendes Gefühlschaos mit sich einher brachte.
Um es kurz zumachen: Mein Erzeuger ließ meine Mutter und mich ohne ein Wort der Erklärung sitzen. Abgesehen von dem gelben Post-It mit den Worten „ Ich bin weg", den er auf dem Küchentresen hinterlassen hatte. Er hatte kaum etwas mitgenommen, kam eines Tages einfach nicht mehr von der Arbeit nachhause.

Seitdem schien er wie vom Erdboden verschluckt. Er war weder über seine privaten, noch über seine dienstlichen Telefonnummern zu erreichen. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Sogar in der Kanzlei, bei der er mittlerweile Partner war, hatte er alles geschmissen und war nie wieder gesehen worden.

Den Rattenschwanz, den sein Verschwinden mit sich zog, war ellenlang.
Natürlich gab sich meine Mutter dem Sog der Verzweiflung und des Selbstmitleides hin, ließ sich in ein tiefes schwarzes Loch hinunter ziehen und verkapselte sich und ihre innersten Empfindungen dort unten, wo sie niemand erreichen konnte.
Vier elende Jahre, Milliarden von Tränen, tausende Weinflaschen und Krankheitstage später, raffte sie sich wieder zusammen und wurde zu genau der männerverschleißenden Nymphomanin, die sie heute nun mal ist.

Zu dieser Zeit, wie nicht anders anzunehmen, wurde ich dazu gezwungen schleunigst selbstständig zu werden. Es dauerte nicht lange und ich war diejenige, die im Hause die Führsorgepflicht übernahm.
Neben der Schule, sorgte ich dafür, dass das Haus einigermaßen in vorzeigbarem Zustand blieb, dass Rechnungen bezahlt wurden, der Kühlschrank mehr als nur Wein und Essiggurken zu bieten hatte und nebenbei wischte ich dem Wrack von Mutter auch noch das Erbrochene aus Gesicht und Haar. Dinge wie Shoppen, die neusten Trends, Feiern gehen, Jungs, eben all die Dinge die ein Mädchen in meinem Alter eben so beschäftigen sollten, all das war mir nicht vergönnt.

Heute stehe ich kurz vor meinen Abschlussprüfungen, manchmal frage ich mich selbst, wie mir das gelungen ist.

La. La. La.Where stories live. Discover now