Flammensplitter

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„Mensch Per, was soll das?" Entsetzt stemmte ich die Füße mit aller Gewalt in den Boden. Wie ein Hund, der von einem duftenden Mauseloch nicht wegwollte. Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter und meine Augen weiteten sich immer mehr in der Hoffnung, die Fata Morgana vor mir zu enttarnen. „Das da ist ein Friedhof!", kreischte ich schockiert.

Per war größer, stärker als ich, und zog, besser schleifte mich trotz meines Protests hinter sich her.

„Es dämmert schon!" Meine Hand schmerzte unter seinem festen Griff und rutschte trotz meines ausbrechenden Angstschweißes nicht aus seiner. Panisch sah ich mich um.

Wir waren mutterseelenallein mitten im Nirgendwo. „Was willst du denn hier!" Wie ein bockiges Kind versuchte ich, mich ihm zu entwinden. Mit meiner freien Hand einfach seine Finger von meinen zu lösen, eher wegzubiegen. „Ich laufe kein Stück weiter!", jammerte ich immer lauter und verlagerte mein Gewicht noch weiter nach hinten.

Erfolglos.

Wir hatten den Friedhofseingang erreicht und er schob das quietschende Eisentor langsam auf. Rost hatte sich überall auf den schwarzen Sprossen ausgebreitet und es sah so aus, als ob es beim nächsten Windstoß aus den altersschwachen Angeln kippen würde. Doch Per musste kräftig schieben, bis er es soweit geöffnet hatte, dass er mich hinterherziehen konnte, so dass mein erster Eindruck Lügen gestraft wurde. Zweifelnd sah ich die Gitterstäbe an, verwarf den Gedanken, mich daran festzukrallen aber dennoch.

Zehn Schritte weit hatte mich Per schon auf den geweihten Ort gezerrt. Die Sonne wärmte mit letzter Kraft meinen Rücken, für Mitte Februar bereits erstaunlich stark, und strahlte mit ihren rotgoldenen Strahlen das Felsmassiv vor uns an, an dessen Fuße dieser kleine Bergfriedhof angelegt worden war. Alles war so surreal.

Wie ein Traum.

Ein Alptraum.

„Jetzt sei doch nicht so negativ." Endlich stoppte der Mann, den ich zu kennen und zu lieben glaubte, drehte sich zu mir um und grinste schief. Der Mann, der von mir Freiheit einforderte, die ich nicht zu geben bereit war. Und es trotzdem tat. Das Piercing in seinem Ohr warf unschuldig blinkend das letzte Licht der untergehenden Sonne zurück. „Einfach locker bleiben! Lass es auf dich zukommen!" Verschmitzt zog er eine Augenbraue nach oben. „Überraschen lassen."

Wie ich diese Geste an ihm liebte! Doch danach war mir im Moment als Letztes zumute. „Per! Meine Begeisterung hält sich echt in Grenzen. Ich habe keinen Bock dadrauf, den Abend mit einer Horde Zombies zu verbringen." Wut und Gänsehaut ließen meinen Körper in einem heiß-kalten Wechselbad erschauern. Mein Magen klumpte zu einem riesigen Wackerstein zusammen und rutschte immer tiefer. Genauso mein Mut. Und in einer halben Stunde würde es dunkel sein.

Per hatte mich mittlerweile weiter über den halben Friedhof gezerrt. Vorbei an verfallenen Grabsteinen, umgefallenen Engeln und erodierten Grabeinfassungen. Es roch muffig, modrig und nach feuchter Erde.

„Ich will da nicht hin. Wo auch immer du hinwillst, ich will da nicht hin!" Weinerlich klang meine Stimme, zittrig und dünn. Ich wollte Per anbrüllen, ihn anschreien, ihm eine kleben, doch irgendwie traute ich mich nicht mehr, meine Stimme oder sonst irgendetwas zu erheben. Es war ein Friedhof. Ein Ort der Ruhe. Der Trauer. Des Abschieds. Hier war man nicht laut. Obwohl die Toten bestimmt nicht aufwachen würden.

Oder etwa doch?

„Es ist nicht mehr weit." Per blieb stehen und zog mich sanft an seinen Körper. Seine muskulösen Arme umfingen mich mit einem warmen Gefühl der Geborgenheit. Umgeben von seinem Duft und seiner Stärke fühlte ich mich sicher. Ich vergrub meinen Kopf an seiner Brust und schloss die Augen. Nichts von dieser unwirklichen Umgebung wollte ich sehen. Einfach Per spüren. Mich in seiner Wärme verlieren.

FlammensplitterOù les histoires vivent. Découvrez maintenant