Wie jeden Morgen stand ich um sieben auf und machte mich fertig für die Schule, wobei ich darauf achtete, meine blütenzarten Stoffhandschuhe nicht auszuziehen. Mein Zimmer war schon genug eingefroren. Als ich fertig war, nahm ich mir noch meinen Rucksack, dann ging ich nach unten, nahm mein Frühstück entgegen und verschwand sofort zum Bus. Als ich mum das letzte mal umarmt hatte, hatte ich meine Handschuhe nicht an und habe sie fast getötet. Das einzige, was meine Paranormalität zurück hielt, waren meine Handschuhe und heiße Getränke. Doch heiße Getränke waren für mich eine Folter, deshalb blieb ich bei den Handschuhen. Als ich endlich im Bus saß, ließ sich ein Mädchen neben ich fallen und fragte: ,,Hey, du bist doch die neue, die seit einer Woche da ist, aber mit niemandem redet, oder?" ,,Sieht wohl so aus!", murmelte ich nur zurück und bereute es schon, sie angesprochen zu haben. ,,Wie heißt du eigentlich?", stellte sie eine weitere Frage. Ich wollte sie ignorieren, doch dann wäre ich nicht nur die stumme neue, sondern auch die unfreundliche neue, deshalb antwortete ich: ,,Freya. Und du?" ,,Ich bin Ravenna", antwortete sie fröhlich, ,,Ich weiß, der Name ist bescheuert, aber meine Eltern sind riesige Fans von Snow White and the Huntsman!" Ich konnte zwar nichts damit anfangen, doch ich lächelte tapfer. Sie redete noch die gesamte Busfahrt auf mich ein, deshalb war ich froh, als wir endlich an der Schule ankamen. Ich sprang schnell aus dem Bus und hoffte, dass diese Ravenna mich nicht einholen würde, doch leider wurden meine Hoffnungen enttäuscht. Sie lief neben mir her und fragte: ,,Und, freust du dich schon auf den Ausflug zum See?" ,,Nein", antwortete ich ehrlich, ,,Ich kann nicht ins Wasser gehen." ,,Wieso nicht?", fragte sie weiter. ,,Privat", gab ich nur knapp zurück, dann wurde ich endlich von ihr erlöst, denn ein anderes Mädel rief: ,,Venna! Kommst du nicht lieber zu uns?" Und weg war das Mädel. Ich musste erst noch ins Sekretariat, um meine Entschuldigung fürs Schwimmen abzugeben, doch als das endlich erledigt war, ging ich zurück zum Busrondelle und stieg zu den anderen in den Bus. Ich setzte mich auf den letzten freien Platz ganz hinten am Fenster und starrte die ganze Fahrt nur aus dem Fenster. Als wir am See ankamen, sprangen die anderen sofort aus dem Bus und ließen ihre Taschen auf die Wiese fallen. Ich ging als letzte und ließ meinen Rucksack abseits auf die Wiese fallen. Es war ein Fleck im Schatten, der sehr erholsam für mich war. Die anderen sprangen alle von einem tief hängenden Ast ins Wasser und unser Lehrer hatte ziemliche Schwierigkeiten, die Klasse im Auge zu behalten. ,,Hey neue!", rief plötzlich einer der Jungs, ,,Los, schwing deinen Hintern ins Wasser!" Ich antwortete nicht, sondern wandte nur meinen Blick ab. Ich legte mich nichts ahnend ins Gras und merkte erst nicht, wie ich hochgehoben wurde. Ich merkte erst, dass ich bewegt wurde, als ich im Wasser landete. Meine Handschuhe waren weg. Ich bemerkte, wie das Wasser um mich rum schnell abkühlte, weshalb ich so schnell ich konnte an die Oberfläche schwamm und mich von dort in Rekordzeit zum Ufer rettete. Ich zog mich schnaufen an Land und merkte mit Schrecken, wie ich bereits einen kleinen Teil des Ufer eingefroren hatte. Ich stand schnell auf, rannte zurück zu meinem Platz und stellte erleichtert fest, dass meine Handschuhe dort noch lagen. Ich zog sie mir schnell wieder an und bemerkte aus dem Augenwinkel, wie die Klasse panisch aus dem See rannte und beinahe im Chor rief: ,,Kalt! Meine Fresse ist das kalt!" Nur einer stand erst noch eine Weile im See, bevor er den anderen folgte. Dieser Typ kam zu mir rüber gelaufen und fragte: ,,Hey, alles klar bei dir?" Er legte mir eine Hand auf die Schulter und ich zuckte unwillkürlich zurück, denn seine Haut war ungewöhnlich heiß, doch ich antwortete schnell: ,,Ja, ja alles klar!" Er schien mir zwar nicht zu glauben, doch er machte sich vom Acker und ging zurück zu seinen Kumpels. Nur eine Minute später kam diese Ravenna angelaufen und fragte: ,,Wie hast du das gemacht?" ,,Was denn?", fragte ich nur verdutzt, denn ich hatte keine Ahnung, was sie meinte. ,,Das Max dich beachtet!", quietschte sie regelrecht. ,,ER ist zu MIR gekommen, also solltest du lieber ihn fragen!", antwortete ich nur und wurde wieder an die Berührung seiner heißen Haut erinnert. Sie runzelte die Stirn und fragte dann: ,,Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?" Die Sonne kam raus und erhellte mein wunderschönes Schattenfleckchen. Mir wurde ziemlich schnell zu heiß, weshalb ich meinen Rucksack nahm und mich unter einen schattigen Baum setzte. Ravenna sah mir zwar verständnislos nach, aber immerhin folgte sie mir nicht.
Als der "Ausflug" endlich vorbei war, war zum Glück auch schon die Schule zu Ende. Ich sprang sofort in den richtigen Bus nach Hause, doch leider setzte sich diese Ravenna schon wieder neben mich. Ich ignorierte sie jedoch und starrte stur aus dem Fenster. Ich war erleichtert, als ich endlich zu Hause ankam. Als ich durch die Tür kam, wollte mum mich wieder umarmen, doch ich hob nur meine Hände und wollte schon oben in meinem Zimmer verschwinden, doch mum rief mir hinterher: ,,Heute isst du aber mit uns hier unten Freya, wir bekommen nämlich Besuch!" ,,Mum, als wir das letzte mal Besuch hatten, hab ich den Braten eingefroren, der dadurch ungenießbar wurde!", versuchte ich mich aus der Sache rauszureden. ,,Diese Gäste bringen im übrigen auch ihren Sohn mit, der in deinem Alter ist!", sprach mum das Machtwort. Also ging ich nur kurz nach oben, ließ meinen Rucksack auf meinen halb vereisten Schreibtisch fallen und rannte dann wieder die Treppe nach unten, wobei ich aus Versehen mal wieder die unterste Stufe gefrieren ließ. ,,Ach, da ist Freya ja schon!", hörte ich mum sagen. Sie wollte mir ihre Hand auf den Rücken legen, doch ich sagte nur: ,,Bitte mach das nicht mum!" ,,Tut mir leid Liebling, ich vergesse es manchmal!", gab sie nur lachend zurück, doch ich fand es kein Bisschen witzig. Immerhin hatte ich schon mal fast ihr Herz eingefroren! Die Gäste wollten mir die Hand geben, doch ich hob nur abwehrend meine Hände und ging schon mal vor ins Esszimmer. Als die Gäste rein kamen, erkannte ich hinter ihnen Max, den merkwürdigen Typen aus der Schule. Ich ließ mich immer ans Kopfende unterm Fenster fallen, weil dort der meiste Schatten war, während sich Max neben mir niederließ. Er strahlte eine gewaltige Hitze aus. Das war nicht mehr normal! Für mich waren alle anderen Menschen ja schon Heißblütig, aber bisher war keiner so warm wie er. Ich war abwesend und merkte nicht, wie ich mit meinem Arm gegen den Tisch stieß. Ich merkte es erst, als der Tisch anfing, zu gefrieren. Die Erwachsenen bemerkten es nicht, doch Max bemerkte es. Ich riss schnell meine Arme vom Tisch weg und hatte endlich mal Glück, denn das Eis verschwand wieder. ,,Wo ist denn das Bad?", fragte Max meine Mutter. ,,Das einzige benutzbare Bad ist hier vorne die Treppe hoch und durch Freyas Zimmer in ihr Bad." Ich nickte nur und schon war Max verschwunden. ,,Mum, ich will doch lieber nach oben gehen", sagte ich schnell. Mum seufzte, doch sie murmelte schließlich: ,,Also gut. Aber mach mal das Fenster auf!" Also ging ich hoch und schmiss fast die Tür zu meinem Zimmer auf. Als ich gerade zum Fenster gehen wollte, fiel mir etwas auf. Jemand lag auf dem Boden. Max.
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Paranormal
FantasyAllein. Eine Außenseiterin. Das ist Freyas Leben. Doch noch weiß niemand etwas von ihrem Geheimnis, welches niemals entdeckt werden darf. Doch was passiert, wenn das Geheimnis raus kommt? Wie drastisch wird sich Freyas Leben verändern?
