Kapitel 1

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  Königsberg, September 1897
Auf einem Bauernhof am Rande der Stadt



„Alfred!", rief eine laute Frauenstimme. Der Angesprochene welcher in seinem Zimmer über seinen Latein Aufgaben hing zuckte erschrocken zusammen, sprang noch im selben Moment auf und stürzte aus dem Zimmer.
„Ja?", fragte er mit zittriger Stimme. Seine Ziehmutter blickte ihn fragend und leicht ungeduldig an.
„Du hast die Hühner vergessen", meinte sie trocken.
„Oh...", kam es Alfred über die Lippen und er seufzte auf.
„Muss... ich das heute noch unbedingt machen...?"
„Die Hühner rupfen sich nicht von selbst!", kam die knappe Antwort.
„Ab mit dir!" Alfred nickte ergeben, zog sich seine Jacke sowie ein paar Schuhe an und ging dann nach draußen zum Gebäude indem, die Familie der der Bauernhof gehörte, geschlachtet wurde. Alfred hasste dieses Gebäude und er hasste den Geruch nach Blut darin...
Rasch schloss er die Türe auf und ging hinein. Sofort hielt der junge Mann die Luft an und versuchte dann ruhig aus zu atmen. Auf einem Tisch lagen bereits drei kopflose Hühner die bereit zum rupfen waren. Alfred war dankbar dafür das er beim Schlachten der Hühner immerhin nur die Federn rupfen musste... Sein Ziehvater hatte einmal von ihm verlangt das er ein Huhn köpfen solle, was darin geendet hatte das Alfred das Schlachtbeil nicht einmal ansatzweise angehoben hatte, er für seine Weigerung ein paar Schläge kassierte und nichts zum Abendessen bekam. Seither hatte er einfach nur die Aufgabe den Hühnern die Federn aus zu rupfen. Seufzend setzte sich der sechzehn Jährige auf einen Schemel, nahm das erste Huhn und begann ihm sorgfältig die Federn zu entfernen. Doch eigentlich hatte er keine Zeit dazu... Morgen sollte er in der Schule einen Aufsatz auf Lateinisch abgeben, jedoch war der Aufsatz noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Doch Alfred hatte sich daran gewöhnt seine Aufgaben für die Schule auf zu schieben und irgendwann noch am Abend und in der Nacht fertig zu machen. Aber wie sollte er so eines Tages das Abitur bestehen? Der Braunhaarige schüttelte leicht den Kopf während er durch den Mund atmete und sich in Gedanken ein paar Lateinische Vokabeln abfragte. 'Irgendwie werde ich dass schon packen...', dachte er und führte seine Arbeit fort.

Abends saß er endlich wieder in seinem Zimmer, nachdem er sein Abendbrot bekommen hatte, und brütete über seinem Latein Aufsatz. Doch sein Kopf wollte und konnte einfach nicht mehr nachdenken weshalb er es schließlich aufgab und das Schulzeug im Scheine einer Kerze aufräumte. Stadtessen holte er sein Tagebuch, welches er in einer Schublade liegen hatte, hervor und setzte sich damit wieder an den Schreibtisch. Das Tagebuch hatte er noch zum sechzehnten Geburtstag geschenkt bekommen, kurz bevor seine Mutter an einer Krankheit verstorben war. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits schon tot gewesen. Er war bei der Armee und irgendwann, als Alfred 14 Jahre alt war, verstarb er bei einem Unfall in Frankreich.
Nachdenklich strich Alfred über den ledernen Einband des Buches. Er schrieb häufig hinein auch wenn die Einträge nicht immer besonders lange waren. Doch es tat ihm gut da er sonst niemanden hatte mit dem er über seine Gefühle und Probleme sprechen konnte... Probleme zum Erwachsen werden, Probleme zur Schule und Probleme mit seinen Zieheltern... all dass schrieb er immer auf und konnte seine Gefühle wenigstens so zum Ausdruck bringen...

5 September 1897


Liebes Tagebuch,
Der heutige Tag verlief soweit ohne Zwischenfälle... Nach der Schule vermied ich es noch in die Bibliothek zu gehen da mir der Rücken vom letzten mal noch immer schmerzt... So hatte mein Ziehvater wenigstens keinen Grund mich zu schlagen, als ich beim Hof ankam, da ich schließlich pünktlich von der Schule zurück war. Ich bekam ganz normal ein Mittagessen und half meiner Ziehmutter dann im Hofladen. Am Abend hatte ich eigentlich vor meinen Aufsatz für den Lateinunterricht fertig zu machen doch wurde ich davon abgehalten da ich noch die Hühner rupfen sollte... diese armen Tiere... es tut mir immer weh wenn ich ihnen ihre schönen Federn ausreißen muss... Aber was soll ich schon machen? Lieber die Federn ausreißen als Schläge zu bekommen... Wenigstens muss ich in der Nacht nicht arbeiten... Aber im großen und ganzen war der Tag heute recht gut... Ich hoffe das der morgige Tag vielleicht noch etwas besser wird allerdings... bezweifle ich dass...
Alfred


Leise erhob sich Alfred, räumte sein Tagebuch zurück und machte sich dann für die Nacht fertig...  

Alfreds Vergangenheit...Tahanan ng mga kuwento. Tumuklas ngayon