15. Scherben

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Ich war unglaublich erleichtert wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein und ungeniert ein Glas Blut vor mir auf dem Tisch stehen zu haben. Zusammen gerollt und vertieft in ein Buch saß ich auf dem Sofa, als es schellte.

Mit Kaspar hatte ich jeden Tag Kontakt gehabt und ich hatte ihn gerade noch angerufen um zu sagen dass ich gut angekommen war also erwartete ich nicht dass er es war.

Ich hatte echt keine Ahnung. Ich stellte schnell das Glas voll Blut hinten in den Kühlschrank.

Ich schaute durch den Türspion und sah Jesse.

“Hé, wie schön! Woher wusstest du dass ich zurück bin?“

“Du hast mir deine Pläne für Weihnachten erzählt und mein Gedächtnis tut es noch.“

Er drehte mit einem Finger Kreise vor seiner Schläfe.

“Komm rein. Ich kann dir leider nicht viel anbieten, ich bin gerade erst nach Hause gekommen. Kaffee, Tee, Bessenjenever?“

“Ich brauche nichts.“

Ich war erleichtert, dann brauchte ich auch nichts trinken. Die Pflichthappen der letzten Tage lagen mir immer noch schwer auf dem Magen. Ich lief vor ihm aus zum Wohnzimmer und blieb unschlüssig im Türrahmen stehen. Er blieb neben mir stehen und sah mich an. Sofort war da wieder dieser unsichtbare Faden der uns verband. Wir standen sicher eine halbe Minute bevor er seine Hand hob und auf meine Wange legte. Als ich ihn weiterhin ansah glitt auch seine andere Hand über mein Gesicht und mein Kopf ruhte in seinen Händen. Ich hatte das Gefühl dass meine Wangen glühten, obwohl ich wusste, dass sie sich eiskalt zwischen seinen Fingern anfühlten. Nervös wartete ich auf eine Reaktion. Würde er meine eisige Haut bemerken? Ich konnte keine Reaktion in seinen Augen entdecken.

Ganz langsam beugte er sich vorüber und berührte sanft mit seinen Lippen meinen Mundwinkel. Ich schloss, mich ergebend und auf mehr wartend, meine Augen. Ich wollte seine Lippen auf den meinen fühlen. Wollte fühlen wie er langsam, mit seiner Zunge tastend, den Weg erkunden würde, aber es kam nichts. Als ich endlich meine Lider hoch zog sah Jesse mich lächelnd an und küsste mich wieder, dieses Mal kräftiger und mit einem Seufzer schob ich mich dichter an ihn ran. Ich ließ meine Hände seinen warmen Rücken hoch gleiten. Sogar durch den Stoff seiner dicken Winterjacke fühlte ich seine Körperwärme strahlen. Ich packte ihn bei seinen Schultern und zog ihn noch näher an mich ran. Die Energien schienen jetzt noch ungebremster zu fließen und ich fühlte wie mir Schwindelig wurde. Jesse ließ mein Gesicht los und legte seine Arme um mich. Seine Wärme strömte in meinen Körper. Ich fragte mich ob meine Körperwärme tatsächlich aning zu steigen, oder dass ich mir das nur einbildete. Unsere Münder ließen einander los um noch dichter zusammen kriechen zu können. Es war als ob wir beide in diesem Moment das selbe fühlten. Eine Welle von Erleichterung, dass dieser wichtige Schritt genommen war und die Sicherheit dass es gut war, schwappte über mich. Jesse festigte seinen Griff und ich tat das selbe.

Ich drückte mein Gesicht in seinen Nacken und schnof seinen betäubenden Geruch auf. Er strich mit seinen Händen in langsamen Bewegungen über meinen Rücken und ich genoss intensiv die Hitze die er ausstrahlte. Ich ließ meine Zunge federleicht von der Kuhle zwischen seinen Schlüsselbeinen über seinen Nacken in Richtung Ohr gleiten. Ein sanftes Stöhnen entsprang Jesse. Sanft knabberte ich an seinem Ohrläppchen.

Wie ein Blitz traf mich der unbezwingbare Drang um zu zu beißen. Ich schmeckte frisches Blut auf meiner Zungenspitze. Mit unglaublicher Willenskraft und tatsächlich unmenschlichem Tempo sprang ich aus seinen Armen und klatschte mit meinem Rücken gegen die gegenüberliegende Mauer. Schwer atmend blieb ich zusammengesunken stehen, noch immer den süssen Geschmack von seinem Blut auf den Lippen, während die schwere Pafumluft, die ich noch von meiner ersten Begegnung mit seinem Blut so gut kannte, das Zimmer füllte. Es war leckerer als das Leckerste was ich jemals in meinem Menschenleben gegessen hatte.

Öfter mal was neuesWhere stories live. Discover now