Als ich früh am Morgen aufwachte, sah ich, wie die Sonne langsam hinter den Bergen aufging. Ich gähnte und rappelte mich auf. Mit schweren Schritten tappte ich zum Bach und fing an zu trinken. Das Wasser war angenehm kühl und ich schüttelte mich zufrieden. Vorsichtig streckte ich meine schneeweißen Pfoten ins Wasser, zog sie jedoch schnell wieder heraus. Etwas zu kalt für meinen Geschmack. Ich streifte meine kühlen Pfoten am Gras ab und trottete zurück in mein Versteck. Es war nicht sonderlich groß oder schön, sondern bestand lediglich aus einer umgekippten Mülltonne, in die ich Moos und anderes weiches Zeug, das ich in den Gassen hier gefunden hatte, gelegt hatte. Ich hatte diesen Unterschlupf gewählt, weil es der letzte Ausweg gewesen war, der sich mit noch geboten hatte, alle anderen Verstecke waren entweder bewohnt oder nach wenigen Tagen wieder kaputt gewesen.
Mit einem Seufzer legte ich mich vor die Tonne und blinzelte. Die Sonne strahlte mir geradewegs ins Gesicht und blendete mich, wodurch ich meine blauen Augen fest zukneifen musste. Verärgert drehte ich mich um, sodass mein Kopf Bonn halb in meinem Versteck lag. Doch auch das war alles andere als bequem. Also stand ich wieder auf und wanderte zurück Richtung Fluss. Ich setzte mich ans Ufer und starrte hinein. Ein Schwarm von kleinen Fischen schwamm an mir vorbei und im selben Moment spürte ich den Hunger, der sich in meinem Bauch breit machte. Ob ich ein paar Fische fangen sollte? Als ich das letzte Mal versucht hatte zu fischen, war ich kläglich gescheitert. Aber der Hunger wurde immer größer, also kauerte ich mich hin und wartete auf einen Fisch. Als ich einen sah, holte ich mit der Pfote aus und schlug nach ihm. Doch ohne Erfolg, ich hatte den Fisch nicht einmal berührt. Mit einem leisen Knurren starrte ich aufs Wasser. Das musste doch klappen. Ein zweites Mal holte ich aus, streifte den Fisch jedoch nur mit meinem Krallen, sodass sich ein dünner Blutstreifen durch den Bach zog, der Fisch aber trotzdem seinen Weg fortsetzte. Ich fauchte enttäuscht auf. Wieder nichts. Langsam wurde die Wut in mir, genau in wie mein Hunger, immer größer.
Nach einer Weile schwamm mir ein riesiger Fisch entgegen, mindestens so groß wie meine beiden Pfoten zusammen.
Du gehörst mir!
Ich holte weit aus und ließ den Fisch dabei nicht aus den Augen. Doch als ich mit meiner Pfote über die nassen Schuppen des Fisch glitt, und meinen Sieg schon vor Augen hatte, fiel ich nach vorne und mit einem lauten Platscher landete ich im Wasser. Ich keuchte erschrocken auf und rang nach Luft. Mein Kopf tauchte unter, und mein gesamter Körper war von Wasser umhüllt. Voller Panik schlug ich um mich und versuchte, wieder an die Oberfläche zu gelangen, was ich jedoch nicht schaffte.
Ich werde ertrinken!
Panisch ruderte ich mit meinen Füßen herum, tauchte mit meinem Kopf aus dem Wasser und schnappte kurz nach Luft. Sogleich tauchte ich aber wieder unter.
Ich werde ertrinken! Ich werde ertrinken!
Da hörte ich in meinen Gedanken die Stimme meiner Mutter, als sie mir, als ich noch ein Junges gewesen war, immer Geschichten erzählt hatte. Geschichten von den mutigen, tapferen Katzen, die lange vor unserer Zeit gelebt hatten.
Sei stark! Das hatte meine Mutter immer gesagt. Stark wie die Helden von damals.
Wild entschlossen schwamm ich nach oben und holte tief Luft. Ich krallte mich am Schilf fest, das am Ufer stand und zog mich aus dem Bach. Erschöpft blieb ich dort liegen.
Plötzlich landete etwas mit voller Wucht auf mir. Ich schreckte hoch und sah direkt in die blitzenden, grünen Augen eines anderen Katers. Ein bedrohliches Knurren drang aus meiner Kehle, als ich einen Schritt zurück trat und mein Fell sträubte sich. Ich
„Wer bist du? Und was willst du hier?", fauchte ich. Der Kater sah mich grinsend an, „Mein Name ist Winston und ich habe dich gerade beobachtet wie du... Naja... Fische fangen wolltest ", meinte er belustigt, doch ich merkte immer noch dieses fiese Glitzern in seinen Augen. Dieser Kater hatte nichts gutes im Sinn.
„Du hast mich beobachtet, als ich gerade beinahe ertrunken bin?!", rief ich aufgebracht.
Winston nickte nur lächelnd.
Beruhige dich Simba. Er will dich nur provuzieren! Ignorier ihn einfach!
Doch meine Wut war zu groß.
„Und da kommst du nicht auf die Idee, dass du mir eventuell helfen könntest?", schrie ich ihn an.
Winston lächelte erneut und schüttelte ruhig den Kopf.
„Du egoistisches Stück Dreck", fauchte ich.
„Ach... Fällt dir denn keine bessere Beleidigung ein?", spottete Winston.
„Verzieh dich doch einfach und lass mich in Ruhe!", rief ich und funkelte ihn voller Wut aus meinem himmelblauen Augen an.
Doch Crusher blieb einfach sitzen und lächelte sein typisch teuflisches Lächeln. Genervt starrte ich ihn an.
„Hast du denn nichts besseres zu tun als anderen auf die Nerven zu gehen?”, grummelte ich.
„Nerve ich dich etwa?”, fragte Winston gespielt überrascht.
„Tu nicht so blöd”, murmelte ich und wandte mich zum Gehen. Doch Winston ging mir hinterher.
„Was willst du eigentlich von mir?”, fauchte ich.
„Nichts”, antwortete Winston nur.
„Dann verschwinde!”, erwiderte ich angespannt.
Wie ich diesen Kater hasse...
Winston schüttelte den Kopf. Obwohl ich wusste, dass er nur darauf aus war, mich zu provozieren, merkte ich die Wut in mir.
Geh einfach, Simba. Wenn du ihn jetzt angreifst, gibst du ihm doch genau das was er will! Ignorier ihn! Geh weiter!
Doch so sehr ich mich auch davon überzeugen wollte, weiter zu gehen, es funktionierte nicht. Ich drehte mich ruckartig um und sprang ihn an. Ich sah noch Crushers entsetzten Blick, bevor wir beide nach hinten fielen. Ich fuhr blitzschnell meine Krallen aus und fuhr Crusher damit quer über sein Gesicht. Er fauchte und trat mit seiner Vorderpfote in meinen Bauch, woraufhin ich ein Stück nach hinten geschleudert wurde. Er sprang hoch und landete auf dem Rücken, als ich mich gerade wieder aufrappeln wollte. Doch Winston schaffte es nicht lange, auf meinem Rücken zu bleiben und sprang von mir, stolperte aber und landete neben mir am Boden. Ich nutzte die Chance, zerkratzte ihm den Bauch und sprang daraufhin vorsichtshalber ein Stück nach hinten. Winston jaulte kurz auf, sprang nach vorne und landete auf meiner Brust, wodurch ich mit ihm nach hinten fiel. Mit seinen Pfoten drückte er gegen meine Kehle und ich schnappte nach Luft. Winston verstärkte den Druck.
„Was zum Teufel willst du von mir?”, keuchte ich.
„Wie schon gesagt; nichts”, murmelte Crusher angestrengt, während er mir immer weiter die Luft nahm.
„Warum tust du das dann?”, knurrte ich verzweifelt, erhielt aber keine Antwort.
Ich muss atmen! Ich muss atmen!
Mühsam versuchte ich, mich von Winstons festem Griff zu befreien, doch er war stärker.
„Du hast mich doch angegriffen”, meinte er gespielt unschuldig. Ich
„Und du hast mich provoziert”, gab ich keuuchend zurück. Nun bekam ich endgültig keine Luft mehr. So fest ich konnte rammte ich Winston meine Hinterpfoten in den Bauch. Der braune Kater taumelte zurück und ehe er reagieren konnte, stieß ich ihn nach hinten. Winston fauchte kurz, dann hob er schwach den Kopf.
„Larry! Lynn!", schrie er und plötzlich traten zwei weitere Katzen aus dem Gebüsch. Der eine, ein kräftiger, rotbrauner Kater, kam bedrohlich näher, während die andere, eine hübsche, schwarze Katze, Winston stützte, der vom Kampf ziemlich erschöpft und verletzt war.
„Wen haben wir denn da?”, sagte der fremde Kater mit einer leisen, drohenden Stimme. Ich antwortete ihn nicht.
Was geht hier vor? Wer sind diese Katzen?
„Ich sagte, wen haben wir denn da?”, wiederholte der Rotbraune seine Frage und kam erneut mit bedrohlich funkelnden Augen näher.
„Simba”, erwiderte ich schließlich nur und erwiderte seinen eiskalten Blick.
„Verstehe...”, meinte er nun mit einer überraschenden Ruhe.
„Ich heiße Larry und das ", er deutete auf die schwarze Katze hinter ihm, „Ist Lynn, meine treue Stellvertreterin”.
„Warum seid ihr hier?”, fragte ich, trat einen Schritt zurück und zuckte angespannt mit den Ohren.
„Was meinst du?", schnurrte Larry belustigt. Seine Augen blitzten spöttisch.
„Das hier ist mein Territorium”, knurrte ich. Aber
„Ach, wie niedlich ", grinste Larry. Dann winkte er mit seiner Schwanzspitze in Richtung der Böschung und sofort sprang eine Schar von Katzen hervor. „Darf ich vorstellen? Meine Streunergruppe!”, rief Larry mit einem stolzem Grinsen im Gesicht. Ich wich vorsichtig einige Schritte zurück. Larry kam näher an mich heran.
„Ich verlange, dass du von hier verschwindest! Ab sofort ist dies unser Territorium!", zischte er.
„Niemals!", rief ich schockiert. „Ihr könnt mir mein Territorium nicht einfach wegnehmen!”
Larry grinste. „Und ob wir das können! Ich gebe dir bis morgen Abend Zeit, überleg' es dir gut!”
Dann drehte er sich um verschwand er mit seiner Gruppe im Gebüsch.
------------------------------------------------------
So, das war's auch schon mit dem ersten Kapitel. :3
Über Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. x3
~Mellie
ESTÁS LEYENDO
Simba - Tagebuch eines Katers
AventuraSimba ist ein Streuner, und obwohl es manchmal schwer ist, gefällt ihm sein Leben. Er liebt seine Unabhängigkeit und Freiheit. Doch eines Tages, wird all das, auf einen Schlag vernichtet. Eine Gruppe von Streunern siedelt sich auf seinem Territorium...
