Ich warf mir meinen Schal um, nahm die Schlüssel und lief den Hausflur runter zu meinem Auto.
Es war so weit, ich würde meinen neuen Arbeitgeber kennenlernen. Ich war ein wenig nervös aber auch ziemlich zuversichtlich, da mich neue Leute meistens ziemlich schnell ins Herz schlossen.
Ich stellte mein iphone auf laut, gab die Adresse in mein Handynavi ein und fuhr los.
Dass der Verkehr hier anders war, als in Deutschland, machte mich halb verrückt. Ständig dachte ich, ich würde auf der falschen Seite fahren. Als ich von weitem einen McDonalds erkennen konnte atmete ich erleichtert auf, ein Kaffee war jetzt genau das richtige!
Ich fuhr durch den McDrive und hielt kurz auf dem zugehörigen Parkplatz um mir Milch in meinen Kaffee zu schütten. Als ich den ersten Schluck genommen hatte fühlte ich mich schon gleich viel besser.
Ich beschloss, eine kleine Pause zu machen. Ich hatte noch eine halbe Stunde Zeit und mein Navi zeigte mir eine Restfahrzeit von 10 Minuten an. Zeit, um nochmal in Ruhe durchzuatmen und mein Makeup im Rückspiegel zu überprüfen.
Als mein Kaffee dann schließlich leer war, startete ich erneut mein kleines Auto und fuhr runter vom sicheren McDonalds Parkplatz, raus in die gefährliche Welt des englischen Verkehrs.
Wie ich so durch die Straßen fuhr, fiel mir auf, dass die Häuser immer nobler und schicker wurden.
Hoffentlich nicht so ein herablassender Schnösel, schoss es mir durch den Kopf.
Ich hatte keinerlei Infos über die Person, die mich jetzt erwarten würde, nur die Adresse. Das war alles.
Das Navi zeigte noch 5 Minuten an und mit jeder Minute die verging, wurde ich nervöser. Als ich das Haus schließlich erreichte, verschlug es mir regelrecht die Sprache.
Es war groß. Sehr groß. Atemberaubend groß. Zudem weiß, umgeben von einer hohen Mauer und einem Tor. Ein letzter prüfender Blick in den Rückspiegel und ich stieg aus dem Auto. Mein Auto wirkte in dieser noblen Straße irgendwie fehl am Platz und ich runzelte die Stirn. Ich wollte mir nicht so arm und klein vorkommen und wer auch immer in diesem Haus wohnen würde, sollte sich nicht einbilden, mich behandeln zu können wie er wollte. Aufrecht stolzierte ich zum Tor. Durch das Gitter erkannte man die Einfahrt und einen langen gepflasterten Weg, welcher sich zum Eingang erstreckte. Rechts und links ein gepflegter Rasen mit ein paar Bäumchen, die allerdings alle ihre Blätter verloren hatten. Es war ja auch Winter. Eigentlich ganz nett, dachte ich, nicht wirklich so protzig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Keine komischen Statuen von Löwen und nackten Engeln. Ich schmunzelte über meine voreingenommene Denkweise und machte mich auf die Suche nach der Klingel.
Es gab keine.
Plötzlich hörte ich ein lautes Surren und das Tor öffnete sich langsam. Verwirrt trat ich ein. Als ich den langen Weg bis zur Eingangstür entlanglief hörte ich, wie sich das Tor langsam wieder hinter mir schloss. Ich verdrehte die Augen. Doch ein Prolet.
Als ich schließlich an der Eingangstür angekommen war stellte ich mich brav davor und wartete darauf, dass sich auch diese öffnete.
Nach einigen Sekunden tat sie dies auch und ein blonder Junge stand im Türrahmen und schaute mich neugierig an.
"Meine neue Putzfrau?", fragte er lächelnd.
"Mila", erwiederte ich und gab ihm die Hand. Das fing ja schonmal gut an.
"Ich bin Niall"
Er öffnete die Tür und deutete mir, einzutreten.
Das Haus war von innen genauso imposant wie von draußen, jedoch sehr angenehm und verhältsnismäßig 'normal' eingerichtet. Ich folgte Niall in den Wohnbereich und wartete darauf, dass er irgendetwas sagte. Ich hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch und fühlte mich irgendwie fehl am Platz, wie er einfach nur dastand und mich mit blauen Augen interessiert musterte.
