Purple Sky

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Wieder ein Mal einer solcher Tage, wo ich flüchten will, in eine andere Welt. Am besten ohne Wiederkehr. Ich hasse es, meine schlechte Laune genau so wie den Druck, meiner Eltern und der Schule.
Lustlos warf ich meinen Schulranzen auf mein Sofa, nachdem ich eine CD-Hülle hinausgenommen hatte, und schmiss die Tür zu. Sofort war ein genervtes "Layna!" von unten zu hören. Ignorierend tappte ich zu meinem mahagonifarbenden Schreibtisch und schaltete den Rechner sowie den Bildschirm an. Es war Freitagabend und es folgte ein verlängertes Wochenende. Da meine beste Freundin übers Wochenende in Urlaub fahren würde, blieb mir nichts anderes übrig, als mich in meinem Zimmer einzuschließen. Ein plötzliches Kribbeln überfiel meine Hände. Ein Kribbeln von Vorfreude. Der Rechner war inzwischen hochgefahren, der Controller schon bereit gelegt. Ich stellte nur noch schnell einen Energie neben den Flachbildschirm und dann war ich auch schon in meinen geliebten Schreibtischstuhl gefallen. Nervös befreite ich die Disk aus ihrer Hülle und legte sie vorsichtig in das CD-Fach meines PCs. Die Füße auf die Ecke des Tisches abgelegt und mit Headset auf drückte ich aufgeregt den Startbutton von dem neuen Favoriten Game. Purple Sky. Das heiß erwartete Spiel vom Top-Entwickler. Mit vielen Features wie: Sprachsteuerung oder fotorealistischer Grafik und vielen weiteren. Ich hatte Glück, dass der Stiefvater meiner Cousine immer schnell an die neuen Spiele rankam, da er Verbindungen und Kontakte hatte. So kam es, dass ich eine der ersten Tester sein durfte. Nach der Schule war ich sofort mit dem Rad zu meiner Cousine gefahren. Leider wollte sich ihr Stiefvater noch mit mir über die neuen angekündigten Spiele und DLCs unterhalten. Aber ich hatte es am Ende doch noch geschafft, rechtzeitig zu Hause zu sein. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen bei der Erinnerung wie ich mich mit Ausreden verabschiedet hatte. Gerade konnte ich ein Aufjuchzen vor Freude unterdrücken, als mein alter PC tatsächlich doch noch das Spiel ludt. Fantasy-Musik erklang über die Kopfhörer. Nach kurzem Austesten ob alle Einstellungen stimmten kehrte ich zum aufgeploppten Charaktermenü zurück. Es gab schier unendliche Möglichkeiten den Charakter anzupassen. Dazu 8 spielbare Klassen die mit liebevollen Details ausgearbeitet waren. Nach fast einer Stunde war ich dann doch mal zufrieden und betrachtete mein Werk. Die Hände hinterm Kopf verschränkt gönnte ich mir eine Pause und beschaute mir die Fotos, welche an der Pinnwand beim Schreibtisch hingen. Ein energisches Klopfen an der Tür, welches ich allerdings zu spät realisierte um eine Antwort geben zu können, kündigte Ärger an. Schon wurde die Tür fast aus den Angeln gerissen als meine Mutter wutentbrannt in mein Zimmer stürmte. Erschrocken drehte ich mich in meinem Stuhl um.
Mein kabelloses Headset mit den Katzenohren war mir beim Zusammenzucken vom Kopf gerutscht und lag nun um meinen Hals. Herzschläge verstrichen, dann wurde sie noch wütender. "Ach am PC sitzt du auch schon wieder?!" Ich verstand noch nie was sie so schlimm daran fand. Ich meine, meine Noten waren in Ordnung, genauso wie mein Zimmer. "Was denkst du eigentlich wer dir das erlaubt hat?" Wild schnaufend und mit gewaltigem Stampfen kam sie auf mich zu gerauscht. In Schockstarre beobachtete ich wie sie mir den Controller aus der Hand riss und zurück zu der immer noch offenen Tür marschierte. Kurz bevor sie diese erreichte erwachte ich aus meiner Starre. Ich sprang auf und rannte wenige Schritte hinter her. "Hey, was soll das?", rief ich empört. "Was denkst du denn?", kam sofort die patzige Antwort. "Ich nehm dir das was du so liebst!" "Wofür denn bitte?!" Nun war ich an der Reihe wütend zu werden. Als Bestrafung konnte ich so was ja noch verstehen, aber ich war mir keiner Schuld bewusst. Mein Vater schrie von unten irgendetwas für mich unverständliches. "Ach dann behalt doch den Scheiß!" Jetzt schrie sie mich an, warf den Controller nach mir und riss noch im selben Moment die Tür zu. Ich sah meinen elektrisch-blauen Controller auf mich zu fliegen. Unvorbereitet traf er mich am Kopf und ich stolperte rückwärts. Auf ein Mal hatte ich das Gefühl rücklinks eingesogen zu werden und die Musik erklang wieder lauter.

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