Flashback

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"Jungs, habt ihr alles?" Fragte Niels, als er gerade unsere Koffer verstaute. Heute würde es endlich in den lang ersehnten Bandurlaub nach Schweden gehen. Wir mussten dringend unser neues Album fertigstellen, doch uns gingen die Ideen für neue Songs aus. Und wie kam man am besten an neue Ideen? Genau, in einem Bandurlaub. Das war zumindest Kris' Vorschlag. Auch wenn wir alle wussten, dass Kris das ganze nur vorgeschlagen hat, um mal wieder ordentlich die Sau rauszulassen, willigten wir ein, in der Hoffnung, wirklich eine neue Inspiration zu finden, auch wenn ich aus gewissen Gründen trotzdem noch nicht sehr begeistert war.
Ich setzte mich schonmal auf die Rückbank und steckte meine Kopfhörer an meinem Handy ein. So wie ich die Jungs kannte, brauchtwn siw noch ein Weilchen, bis qir loskonnten. Außerdem wollte Kris sowieso zuerst fahren, in der Hoffnung danach saufen zu können, da wir ausgemacht hatten, dass jeder mal fährt. Also würde der witzige Teil erst kommen, wenn Kris Beifahrer war, denn, auch wenn man es Kris am wenigsten zutraute, war er doch bei fahren immer sehr konzentriert und gab so gut wie keinen Ton von sich.
"Kann ich zu dir nach hinten?" Fragte Johannes. "Klar" antwortete ich ihm, auch wenn es mir nicht ganz so recht war und setzte ein Grinsen auf. Im stillen hatte ich gehofft, neben Niels zu sitzen, was mir weitaus weniger Probleme beschehren würde.
Klar war Johannes mein bester Kumpel. Aber zu meinem bedauern nicht mehr und nicht weniger.
Ich meine, ich wusste dass ich keine Chancen habe bei ihm, doch tat es immer aufs neue weh, wenn er auf Konzerten scherzte, dass wir uns liebten, bald heiraten werden, er mir ein Küsschen auf die Backe gab oder sonstiges. Er oder die anderen wussten nichts von meinen heimlichen Gefühlen, sie fanden es lediglich komisch, dass jemand wie ich keine Freundin habe.
Den schlimmste Teil hatte ich erst letzte Woche hinter mich gebracht: Ein Fotoshooting für die GQ gegen Homophobie. An sich eine echt gute Aktion, dass sich gleichgeschlechtliche Künstler vor laufender Kamera küssten - blöd nur, dass ausgerechnet ich mit Johannes dort teilgenommen habe. Dank purer Selbstbeherrschung habe ich es fast die ganze Zeit geschafft, mich zurückzuhalten und nicht über meinen besten Freund herzufallen. Aber Johannes war ein sehr guten Küsser, wenn ich meine Augen schloss, konnte ich immernoch seine Lippen gefühlvoll auf meinen spüren und -
Stopp Jakob, das reicht! Mit solchen Gedanken würde ich es nicht schaffen, ganze drei Wochen mit Johannes um mich herum zu überstehen. In letzter Zeit war es sogar schwer, es überhaupt zwei Stunden mit ihm in einem Raum auszuhalten, ohne dass meine Gefühle verrückt spielten. Es reichte, wenn ich ihn einmal anschaute und es kribbelte in meinem Bauch, ich war diesem Typen einfach hoffnungslos verfallen. Und ich konnte es ihm nichtmal sagen, weil sonst unsere Jahrelange Freundschaft auch gleich dahin wäre.
Ganz meinen Gedanken hinterherhängend, bekam ich nichteinal mit, dass wir bereits losgefahren sind.

"Ey, Jay!" Gröhlte Kris bester Laune und weckte mich damit auf. "Was gibts?" murmelte ich und rieb mir die Augen. "Von was hast'en geträumt?"
Fragend sah ich ihn an, und versuchte zu überlegen, was ich denn geträumt hatte. Ich zuckte mit den Schultern. "Deinem Gestöhne nach dürfte der Traum ja sehr gut gewesen sein!" Lachte er. "Meinem... Was?!" Fragte ich entsetzt und starrte Kris an. "Ja, hast dauernd Johannes' Namen gestöhnt!" Grinste er und wackelte mich der Augenbraue.
Ich hatte das Gefühl, dass das Blut in meinen Adern gefrieren würde. Mein Gesicht wurde kreidebleich und mir wurde schlecht. Hatte ich gerade echt mein größtes Geheimnis verraten? Fassungslos starrte ich abwechselnd in Kris' und Johannes' Gesichter und begann irgendetwas zu stammeln, um mich aus dieser peinlichen Situation herauszureden. Johannes' Gesicht verzog sich immer mehr zu einem Grinsen, bevor er sich vor lachen nichtmehr halten konnte. "Mensch Kris! Versetz dem Armen doch nicht so einen Schock!" Lachte er und schlug Kris auf die Schulter, der nun auch lauthals loslachte. Verständnislos sah ich Johannes an, ich hatte gerade echt Angst bekommen, dass das echt pasdiert war. Für einen Augenblick meinte ich einen besorgten Blick von Jojannes zu erkennen, doch ich murmelte nur etwas und drehte mich zum Fenster um.

"Ähm Jungs..." hörte ich nach ein paar Minuten Niels' Stimme panisch klingen. "Das Auto hat den Geist aufgegeben!" "Hast bstimmt nur vergessen zu tanken" murrte ich. "Nein, der Tank ist noch halb voll!" Wir stiegen aus und suchten, ob wir das Problem selbst kurz beheben konnten, was nicht der Fall war.
"Und jetzt?" Fragte Johannes und blickte fragend in die Runde.

"Is doch klar!" Freute sich Kris, "wir trampen!"

Sommer in Schweden | KurzgeschichteStories to obsess over. Discover now