Kapitel 1

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Weg.

Weg!

WEG!

Endlich bin ich weg!

Endlich kann ich mein eigenes Leben anfangen!

Endlich hab ich mein eigenes Zuhause!

Endlich bin ich von niemandem mehr abhängig!

Endlich kann ich mein eigenes Leben leben!

Ich muss es meinen Eltern nicht mehr recht machen. Sie können mir kein schlechtes Gewissen mehr machen, denn ich habe jetzt mein eigenes Zuhause.
Zwar habe ich Ihnen zu verdanken, dass ich die Chance habe, in Dublin zu studieren, doch trotzdem habe ich die Stipendien alle allein erarbeitet. Ich habe schon seit ich 10 bin darauf hingearbeitet, irgendwann eine gute Ausbildung weit weg zu bekommen, um meinen Eltern zu entkommen.
Ihr Drang nach Perfektion ist unausstehlich. Man muss so sein wie sie es wollen oder sie zerstören dich. Mich haben sie auch versucht zu zerstören, doch ich habe angefangen sie zu täuschen.
Es ist so leicht sie zu beeindrucken. Ein paar gute Noten, oberflächliche Unterhaltungen mit wichtigen Leuten, Golfen, Tennis spielen,... und das halt perfekt. Anfangs war es sehr schwer für mich ihnen gerecht zu werden, da meine Schwester perfekt ist. Doch irgendwann hat man den Dreh raus.
Sie zu überschatten habe ich nie versucht und ich hätte es auch nicht geschafft. Sie ist wunderschön, intelligent und gehorsam - die perfekte Tochter. Ich bin gegen sie ein Lappen. Hässlich bin ich nicht. Nein, auf keinen Fall. Ich fand mich noch nie hässlich, doch meine Eltern waren nicht so zufrieden mit mir. Es kann ja nicht jeder blaue Augen und goldenes Haar haben, das einem wie ein Wasserfall über die Schultern fällt. Meine braunen Locken sind halt ein bisschen eigenwillig. Um meine dunkelbraunen Augen wurde ich hingegen oft beneidet, doch natürlich passen sie nicht zum Familienbild der zu Schulte, weswegen ich seit meinem 14. Lebensjahr blaue Kontaktlinsen tragen musste.
Sie waren das erste gewesen, was ich in einem Mülleimer versenkte, als ich endlich durch die Sicherheitskontrolle geschritten war und meine Familie hinter mir gelassen habe.

Es war kein schwerer Abschied gewesen. Was hatte ich denn in Deutschland?

Eine Familie? - und was für eine!

Freunde? - Ne.

Freund? - Wer will schon eine Annemarie-Sophie Hilderose zu Schulte?

In Irland wird alles besser. Ich fange mein neues Leben an.

Mit Freunden, Spaß, Liebe und Hoffnung.

Ohne Vorurteile, Perfektion und Familie.

Ich kann schon langsam Land erkennen, dass immer näher kommt. Dieses Land verschafft mir so viel Hoffnung auf Besserung. Hoffentlich erwarte ich nicht zu viel.

Ich möchte nicht schon wieder enttäuscht werden!

Ich möchte doch nur einmal glücklich sein!

Far awayWhere stories live. Discover now