One Shot

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Ich liege im Wasser, sehe nach Oben und sehe, wie die Sonne auf das Wasser scheint. Je länger ich diesen Feuerball ansehe, desto leichter tu ich mir, den Fleck zu begutachten, auf den er am intensivsten scheint. Die Gedanken, sie fließen um meinen Körper herum, sie umgeben mich, wie die Säulen eines großen Palasts. Je tiefer ich sinke, umso weiter ich mich vom Meeresspiegel entferne, desto höher werden diese Pfeiler, desto mehr Erinnerungen schießen durch mein Haupt. Die braunen Augen sehen viel schönes, Sachen, wie Weihnachtsfeiern, schöne Tage mit Freunden, Feste, bei denen ich teil hatte, lustige und auch lehrreiche Unterrichtsstunden und was am wichtigsten ist, was mich am glücklichsten macht, dieses Gesicht. Das Gesicht einer jungen Dame, etwas Jünger, als ich, jedoch trotzdem so betäubend, so frei, zum Verlieben. Grinsend blinzle ich, während mein Körper immer weiter nach unten gleitet. Doch mein Lächeln verschwindet, als ich aus den Obelisken auch die schlechten Erinnerungen kriechen sehe. Meine Wenigkeit wurde in diesen Bildern, die ich sah getreten, geschlagen, angespuckt und ausgelacht. Ich durfte einen Wutausbruch wieder durchleben, einen Nervenzusammenbruch, einen verzweifelten Versuch von jemanden geliebt zu werden mitansehen, meinen Suizidversuch, meine Trauer, meine Wut und meinen Zweifel. Die Säulen brechen ineinander zusammen, die gebrochenen Steine rasen direkt auf meine lebendige Hülle zu und drohen mich in die Tiefe zu reißen, ich beginne wild zu zappeln, kann nicht mehr atmen, meine Lunge füllt sich mit Wasser, ich kneife meine Augen zusammen, jedoch als ich sie mit schweren Lieder wieder öffne sehe ich eine Hand, die nach mir reicht, sie kann mich aber nicht erreichen, noch nicht. Ich sehe dieses Lebewesen ganz oben an der Oberfläche, ich bin mir nicht sicher, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Meine Arme schwimmen hinter meinen Rücken, meine Beine gehen auch nach hinten. Das Phantom kommt näher, es kommt weiter auf mich zu. Ich halte durch, schließe meinen Mund, öffne meine Augen und starre nun nicht mehr in die Sonne oder auf die Trümmer der Säulen, welche mir langsam die Sicht verdecken. „Dieses etwas, welches sich nähert, kann die Stützen, die mich begraben werden nicht beseitigen.", denke ich, während ich hoffnungslos darauf warte zerquetscht zu werden. Kurz bevor sich eine Decke aus weißen Bestandteilen der Pfeiler ergibt, sehe ich noch, durch die kleinen Löcher ein grelles Licht steigen. Meine Augen ziehen sich aber nicht von der Helligkeit dieses Lichtes zu, nein, sie ertragen sie, es ist sogar sehr angenehm. Die Stäbe bestehend aus Licht, welche nach unten scheinen werden immer, dünner und dürrer. Ich finde es schade, dass es schon vorbei ist. Ich freute mich über dieses schöne Licht, wollte ihre Quelle erfahren, jedoch kurz bevor die Stöcke ganz verschwanden, wirbelten die Teile der Obelisken zur Seite, in alle Richtungen, Weg von mir. Ich blicke hoch und ich sehe wie dieser angenehme Schein, von dem Wesen ausgeht, welches sich mir nähert. Ich fühle seitdem ich in dieses Licht sehe, keinen Mangel an Sauerstoff mehr. Ich traue meinen Augen kaum, als ich mitansehe, wie ich andere Objekte ins Wasser springen sehe. Ich weiß, dass es kein Fallen ist, es ist ein freiwilliger Sprung in die Tiefe. Ich sehe, dass es alles Menschen sind, alles Leute aus meinen Umfeld, Freunde, Familie, ja auch Menschen mit denen ich mich nur unterhalte, weil ich es muss. Lehrer oder andere Leute aus der Stadt zum Beispiel, sie alle sind da. Sie bewegen sich viel Schneller, als die Person, welche das Licht erzeugt. Alle umgeben sie mich, sehen mich an, sehen auf die lebende Leiche, die in diesem Gewässer dahinsinkt und nehmen mich bei den Armen und Beinen. Der Rest legt ihre Handflächen auf meinen Rücken. Während die eine Hälfte mich versucht hinaufzuziehen und die andere mich an die Oberfläche zu drücken, sehe ich, dass eine von all den Leuten fehlt, die mir doch ach so wichtig sind. Ich sehe weiter in das Licht, was sich nähert und kann nun langes schönes Haar erkennen. Mir fällt auf, dass wir uns nach unten bewegen, sie alle versuchen mich nach oben zu bekommen, gehen aber mit mir unter. Ich versuche mich so leicht wie möglich zu machen, um den anderen zu helfen. Das erinnert mich an einen Spruch. „Einer für alle und alle für Einen." Es bringt nichts, sie sollen mich loslassen und Luft holen, mich in Frieden lassen, ich will nicht, dass sie sich wegen mir opfern, jedoch hat es keinen Sinn, egal wie sehr ich mich zur Wehr setze, sie bleiben an meiner Seite. Ich bin so dankbar, trotzdem wünsche ich mir, im Stich gelassen zu werden. Ich sehe nochmal zu dem Individuum mit den langen, schönen, braunen Haaren. Ich kann nun eine Proportion erkennen, sie ist ungefähr gleich groß wie ich, ein schöner Körper, nicht zu massig und zu stark, jedoch auch nicht zu zerbrechlich und dünn. Je länger ich über ihr Aussehen nachdenke, desto näher kommt das Mädchen. Ich sehe ihr Lächeln, Zahnklammern. Sie stechen sehr hervor, für andere sind Zahnklammern etwas, was sie in ihrer Schönheit einschränkt, bei ihr unterstreicht es ihre Zierlichkeit. Ihre Augen, ein schönes Grün, in der Mitte überdeckt, von einem klaren, wundervollen Braun. Sie sehen mich groß an diese Augen und plötzlich weiß ich, dass diese junge Schönheit, das Mädel ist, was noch fehlte. Sie hob meinen Kopf an, mir fehlte der Atem. Ein Kuss auf meiner Stirn und sie ging ungefähr 30 Zentimeter zurück. Plötzlich bekam ich Auftrieb, mein Körper schoss mit den anderen in die Höhe, sie inklusive. Als ich aus den Wasser geschossen komme, drehe ich mich um 360 Grad und sehe dann zu meine Retter, welche mit den halben Körper aus den Wasser zu sehen sind. Ich suche mit meinen Augen, schiele wie Wild hin und her, plötzlich finden meine Augen ihr Ziel. Das Mädchen, welches von Anfang an unter tauchte. Sie sah lächelnd zu mir, ihr Lächeln schien heller als die Sonne. Ich schwebte langsam wieder nach unten, bis ich im Wasser aufkam und wieder auftauchte. Land war schon sehr nahe am Horizont zu sehen.

Sinken und SteigenWhere stories live. Discover now