Das Twa-Volk

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Tief verborgen im undurchdringbaren tropischen Regenwald im Herzen Ruandas lebte einst ein kleiner Junge namens Raja in einem kleinen Twa-Dorf namens Bwiza.
Er und seine Familie gehörten dem Twa- Stamm an. Sie waren somit ein Teil des Volkes der Pygmäen.
Pygmäen ist eine Bezeichnung für Waldvölker, die die zentralafrikanischen Länder bewohnen. Aus dem Altgriechischen wird "Pygmäen" mit "Fäustling" übersetzt.
Weitere Völker der Pygmäen wie: Aka, Baka, Mbuti, Batwa und Mbendjele leben verstreut in Ruanda, Uganda, Kamerun und den beiden Kongo- Republiken.
Die Twa unter ihnen sind traditionelle Wanderjäger.
Ihr ganzes Leben richtet sich nach der Natur, mit der sie sich tief verbunden fühlen.
Sie ziehen daher immer in kleinen Gruppen durch Wälder.
Die Aufgabe der Männer besteht dabei darin, Tiere wie Antilopen oder Affen mit Armbrust und Giftpfeilen zu erlegen, während die Frauen Kräuter, Früchte und Medizinpflanzen sammeln.
Doch egal wie unterschiedlich die Lebensweise und Sprache innerhalb der verschiedenen Stämme der Pygmäen sind, haben sie doch eine Gemeinsamkeit:
Das Wort 'Jengi' ist bei allen dasselbe und steht für den heiligen Geist des Waldes, der sie beschützt.
Einen Häuptling oder Anführer gibt es bei den Pygmäen nicht, Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
Die Twa- Männer, Frauen und Kinder leben in halbrunden Hütten aus gebogenen Zweigen und Blattwerk, welche manchmal so groß sind, dass 30 Mann Platz darin finden.
Die Twa kennzeichnet eine kleine Körpergröße von höchstens 1,50m, wodurch sie stets von anderen diskriminiert werden. Doch das war nicht immer so.
Früher konnten sie ihre Fähigkeiten des Jagens und Sammelns an ihre Kinder weitergeben, heute spricht man schon von Wunder, wenn die Twa überhaupt ihrer Tradition nachgehen können.
Denn sie werden bedroht.
Bedroht von der modernen Welt, die Regenwälder zerstört, um neue Flächen für zum Beispiel Ölplantagen zu schaffen, rodet, um neue Weideflächen für Rinder zu besitzen, dessen Fleisch dann an Industrieländer verkauft wird, abholzt, um neue, beliebte und hochqualitative Mahagoni- Möbel herzustellen, oder aber beschlagnahmt, um aus ihnen Nationalparks zu gewinnen. An die indigenen Völker, die schon seit tausenden von Jahren dort leben, denkt in diesem Sinne keiner.
Durch teilweise illegale Machenschaften bei der Abholzung des Regenwaldes der mächtigen Länder, wird nicht nur ein wichtiger Teil des Ökosystems zerstört, sondern auch die Heimat vieler Waldmenschen.
Doch dadurch, dass sie keine Rechte besitzen und in manchen Gebieten nicht einmal als 'indigenes Volk' anerkannt werden, können sie sich nicht wehren und müssen gnadenlos zusehen, wie sie ihrer Natur immer mehr beraubt werden.

Doch zu der Zeit, wo der kleine, fünfjährige Raja lebte, war das Ausmaß der Beraubung an die Natur noch nicht so gewaltig, wie sie es heute ist.
Zu seiner Zeit waren bereits 2% des beständigen Regenwaldes abgeholzt, heute sind es schon 7%.
Doch das bedeutet nicht, dass Raja von der Einnahme der Fläche des Regenwaldes nichts mitbekam.
Nein, auch an ihm ging die schamlose Ausbeutung der Natur nicht spurlos vorbei.
Und dies ist seine Geschichte.

No EscapeWhere stories live. Discover now