Kapitel 1

56 2 3
                                        


SOPHIA 

Es ist ein regnerischer, grauer Montagmorgen. Gelangweilt sitze ich im Geschichtsunterricht. Ich höre der Lehrerin - Frau Müller - schon lange nicht mehr zu. Sie redet da vorn völlig begeistert über den zweiten Weltkrieg, als hätte dieser Spaß gemacht und wäre eines dieser dämlichen Ballerspiele, die die Jungen aus meiner Klasse immer spielen. Ich sitze nur da und kritzel irgendwelche Fantasiewesen in mein Heft, während Emily durch das Geschichtsbuch blättert und immer wieder zur Uhr schielt, wann der Unterricht vorbei ist. Noch 20 Minuten. Emily ist übrigens meine beste Freundin und Banknachbarin in jedem Fach. Wir kennen uns seit der fünften Klasse und sind unzertrennlich. Sie ist ebenfalls 16 und mindestens genauso verrückt wie ich. 

Aber nun mal etwas zu mir. Ich bin Sophia, 16 Jahre alt und besuche die einzige Oberschule in unserem recht kleinen Dorf. Dieses liegt etwas abgeschieden. Im Umkreis von 30km gibt es keine Stadt, nur einige kleine Dörfer, von denen die Hälfte Ghosttowns sind. Die nächste große Stadt ist ca. 50km weit weg. Immerhin gibt es in unserem Dorf einen Supermarkt. So müssen wir nicht immer zum einkaufen weit weg fahren. Es gibt sogar einen kleinen Laden für Zeichnerbedarf und Bastelkrams, was ich sehr praktisch finde. Da ich gerne zeichne und kreativ bin, ist es gut  Zugang zu neuem Material zu haben. 

Aber jetzt sollte ich euch wohl erklären, was es mit den Ghosttowns auf sich hat. Ghosttowns waren ursprünglich mal ganz normale Städte und Dörfer. Nach und nach sind dort leider im Verlauf der Jahre aus unerfindlichen Gründen alle Bewohner gestorben oder verschwunden. Die Gebäude stehen seit Jahren leer und gammeln vor sich hin. Niemand darf diese betreten. Denn alle diese Gebiete sind Sperrzonen. Nur die Regierung weiß warum. Alles was wir wissen , ist, dass hohe Strafen drohen, wenn man sich dem widersetzt. Ein alter Mann aus unserem Dorf hat es mal versucht. Er sitzt nun seitdem im Gefängnis. Das ganze ist 10 Jahre schon her. Das merkwürdige ist, dass immer mehr Orte ausrotten. Man sagt, dass es in den Ghosttowns spucken soll , weil die verstorbenen Bewohner als Geister in diesen umherwandeln. Außerdem munkelt man, dass nur selten Eindringlinge zurück kehren, da die Geister sie fressen. Bewiesen ist dies - selbstverständlich - nicht. Einige, die heimlich die Sperrzonen besuchten und zurück kamen, berichteten von Geistern. Sie wurden in Irrenhäuser gebracht. Manche Personen waren eh völlig verstört, als sie zurückkehrten. Andere schwiegen nur noch, als hätten sie die Sprache verloren. Ihr fragt euch sicher, warum bei diesen Gerüchten und Geschichten noch jemand freiwillig die Ghosttowns besucht, oder? Nunja, manche suchen natürlich nach Schätzen, um sie teuer zu verkaufen. Manche suchen einfach nach Lebensmitteln oder anderem nützlichen, zurückgebliebenem Zeug. Manche suchen nach Tagebüchern um einen Hinweis auf den Grund der Ausrottung zu finden. Wieder andere...nunja, sind Abenteurer und suchen sozusagen die Gefahr. Es ist das Mysteriöse und Verbotene , was sie dorthin lockt. Genau wie mich. 

Ich starre aus dem Fenster. Draußen fällt der Regen in dicken Tropfen und platscht laut gegen die Fensterscheiben. Die Straße scheint schon regelrecht zu schwimmen. Die Bäume schwanken stark im Wind. Es hängt Dunst in der Luft und die umliegenden Gebäude sind nur schwer zu erkennen. 'Ob unser Städtchen auch mal zur Ghosttown wird?' , frage ich mich unwillkürlich, wenn ich sehe, wie unser Dorf im Regen verschwimmt. Ich frage mich gerade, ob es in unserer Nähe, auch schon verlassene Gebäude gibt, als mich meine Freundin Emily anstupst und leise, aber drängend flüstert: "Hey! Pass auf, die Müller hat dich was gefragt?". "Was!?", frage ich verwirrt. Die Klasse kichert. "Ähm...entschuldigen Sie, Frau Müller, aber könnten Sie die Frage wiederholen?", fragte ich meine Lehrerin schuldbewusst. Sie bedachte mich mit einem strengen Blick. "Wie viele Jahre dauerte der zweite Weltkrieg?", fragte sie. Fieberhaft dachte ich nach. 'Mist....ich habe keine Ahnung...' . Zögerlich wagte ich einen Versuch: "Ähm...10?", antwortete ich unsicher. Die Klasse lachte. "Mann, ist die hohl." und "Die hat von nix Ahnung" , murmelten meine Klassenkameraden und ich blickte nur verschämt zu Boden. Es war schon ein wenig peinlich. "Nicht ganz...", murmelte nur Emily und lächelte mir aufmunternd zu. Ich sah sie dankbar an. "Mensch, Sophia!", schimpfte Frau Müller derweile, "Wenn du bestehen willst, solltest du aufhören Löcher in die Luft zu starren und öfter mal aufmerksam zu hören! Der zweite Weltkrieg dauerte 6 Jahre!", aber ich hörte ihr schon gar nicht mehr zu. Geschichte interessierte mich einfach nicht besonders. Zumindest nicht die, die schon über 100 Jahre her ist. Ich wöllte lieber wissen, warum Ghosttowns zu Ghosttowns wurden ...was war die Ursache davon? 

Und wieder starrte ich aus dem Fenster und sah mir die Welt an, die immer mehr im Regen unterging.


____________________________________________________________________________________


Worte zum Abschluss: 
Hallo und Herzlich Willkommen zu unserer ersten gemeinsamen Story von mir und meiner anderen Hälfte des MundMTeams. :) Die Idee hinter der Story ist mehr oder weniger beim rumspinnen entstanden, während wir telefonierten. Erwartet also bitte nicht, dass alle Kapitel schon super durchdacht sind. Wir arbeiten noch an einigen Details. 

Ich hoffe, bis hierhin hat euch das erste Kapitel schon mal gefallen und die Grundidee der Story ist überzeugend. ;) Es wäre lieb, wenn ihr ein paar Kommentare da lasst mit Kritik oder Vorschlägen und Ideen. Darüber freuen wir uns immer sehr. Ansonsten freuen wir uns auch über Sternchen. ;) 

LG Meli vom MundMTeam 

Ghosttown *slow updates*Where stories live. Discover now