Erwachen

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In meinem Kopf drehte sich alles. Langsam versuchte ich meine Augen zu öffnen. Sie waren verklebt und nur mit Mühe hoben sich meine Augenlider. Ich befand mich in einem dunklen Raum. In dem Schummerlicht erkannte ich einen Tisch mit zwei Stühlen, ein kleines Waschbecken und ein zweites Bett. Mein Kopf dröhnte. Stöhnend richtete ich mich auf. Die Matratze war nicht sonderlich bequem. Noch etwas verwirrt strich ich mir durch meine roten Haare. Dabei schmerzte mein Arm. Ich betrachtete ihn. Er war mit Spinnenseide verbunden und leicht rot gefärbt.

Was war bloß passiert?

Ich hatte keine Erinnerung mehr. Mein Blick heftete sich plötzlich auf die merkwürdige Tür. Sie war rund und mit weißen Blüten verziert. Auch die Wände waren beim näheren Betrachten nicht aus Stein sondern aus festgestampfter Erde.

Wo war ich hier?

Ich versuchte aufzustehen, als ich Stimmen hörte. Zuerst waren sie nur schwer zu verstehen, bis sie immer näher kamen und sich schließlich die Tür öffnete. Eine merkwürdige Frau in einem grünen Kleid aus Palmenblättern, auf denen tausende Blumen mich anlachten, trat in den Raum und schob einen Sichtschutz hoch, sodass plötzlich eine Lampe, in denen lauter Glühwürmchen tanzten, den Raum erhellte.

Ich starrte auf die leuchtenden Insekten.

„ Du bist endlich wach. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass die Verbrennungen zu heftig gewesen waren." erzählte die Frau und kontrollierte meine Verbände an Armen, Beinen und an der Seite. Etwas irritiert und benommen ließ ich sie gewähren.

Als ich weitere Schritte hinter der Tür hörte, sah ich auf.

Es trat eine Person in den Raum, die all meine Erinnerungen wieder wach rüttelte.

Das Feuer, die Flammenkrieger, diese unwirklichen Wolken. Lucy.

Was war mit Lucy passiert?

Nachdem ich über diesen brennenden Stamm gefallen war, konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Aber an einen erinnerte ich mich nur zu gut.

Diese Person mit ihren schwarzen strubbeligen Haaren, den schwarzen Klamotten und diesen stechend gelben Augen. Ijos.

„ Was machst du hier? Wo sind wir und was ist mit Lucy?" Ijos sah mich stumm aus seinen gelben Augen an. „ Hey! Rede mit mir!"

„ Lucy...wir können ihr nicht mehr helfen. Und auf die Frage wo wir sind und was wir hier machen, kannst du sie fragen." Er deutete auf die Frau, die vor mir kniete und den Verband an meinem rechten Bein erneuerte.

Bei Ijos' Worten sah sie auf. Sie seufzte. „ Ich habe euch aus den Flammen gerettet. Dein Freund", „ Er ist nicht mein Freund." unterbrach ich sie mürrisch. Sie sah mich nur schweigend an und fuhr dann fort „ Er war schwer an der Schulter und am Bein verletzt und du bist beinahe verbrannt. Ich bin der Geist des Waldes. Ihr könnt mich Flora nennen. Mithilfe unterirdischer Tunnel und meinen lieben Efeuranken habe ich euch zu mir gebracht. Leider konnte ich die anderen beiden nicht retten. Was mit ihnen passiert ist, weiß ich nicht. Er redet ständig davon, dass sie verloren sei." Sie zuckte dabei mit den Schultern und sah zu Ijos, der den Blick abwandte.

Ich spürte Wut in mir aufkeimen. „ Was hast du mit ihr gemacht?" fragte ich in einem düsteren Ton. Er wirbelte herum. Seine Augen funkelten. „ Ich habe gar nichts getan! Das ist nicht mehr mein Werk..." „ Und wessen ist es dann?"

Ich starrte ihn durchdringlich an. Er wich nicht zurück. Eigentlich wusste ich, wen er meinte. Und er wusste es auch.

Flora durchbrach das Schweigen. „ Kommt, jetzt wo du wach bist, musst du was essen."

Feuerfeder - KriegWhere stories live. Discover now