Dunkle Schatten zogen sich über die Wurzeln einer knorrigen Eiche, die am Rand eines Waldes stand. Die Äste ranken sich nach oben, um den Schtten des Waldes zu entfliehen und zitterten leicht im kalten Herbstwind. Das schwarze Nichts umhüllte den Wald wie Rauch und verschluckte das Mondlicht fast gänzlich.
Innerhalb des Waldes bewegte sich etwas. Hektisches Keuchen, nervöse Schritte im Unterholz durchzuckten die zuvor ungestörte Stille und schreckten ein paar Vögel auf, die sich in den dunklen Nachthimmel flüchteten. Die Gestalt machte zögernd ein paar Schritte hinaus auf eine Lichtung, die von der Dunkelheit verschont blieb und blickte hoch in das helle Mondlicht. Die Person - ein Mädchen mit rabenschwarzen Haaren und dunkelblauen Augen - fuhr herum, als sie hinter sich einen weiteren Schatten wahrnahm, der gebückt aus dem Schatten trat. Sie erkannte nicht, wer ihr Verfolger war, aber allein die gelben Augen, die sie unentwegt anstarrten, ließen das Mädchen ein paar Schritte zurückweichen. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken und hinterließ nichts als Angst, die sich wie Blut in den Adern im ganzen Körper ausbreitete. Plötzlich sprang der Schatten aus dem Gebüsch und knurrte sie bedrohlich an. Ein grauer Löwe funkelte sie an und öffnete sein Maul aus dem der Speichel troff. Beim gehen berührten sich seine Beine und es hörte sich an als würde Stein gegen Stein schaben. Vorsichtig machte das Mädchen einen Schritt auf das Untier zu und sah es fasziniert an. Ihr Angst ging in Übermut über und sie streckte zaghaft die Hand nach vorne, um den Löwen zu berühren. Dieser wirkte kurz überrascht und in seine Augen zeigten für einen Moment etwas, dass nicht einem Tier gehörte - etwas menschliches. Doch so plötzlich, wie es gekommen war, machte dieses Etwas platz für die Härte und Grausamkeit, die das Mädchen eben schon zu spüren bekommen hatte. Diese bemerkte es zuerst nicht und streckte voller Verlangen ihre Finger aus, um die makellose graue Haut zu fühlen. Ihr Finger strichen über die raue Haut, die ebenso nicht zu dem Tier zu gehören schien, wie der Ausdruck in seinem Gesicht. Kleine Steinchen lösten sich aus der ebenfalls steinernen Haut des Tiers und er erwachte aus seiner Erstarrung. Wütend brüllend machte er einen Satz nach vorne, grub sekne grauen Zähne in die Hand des Mädchens, welches versuchte sie hilflos wegzuziehen und riss sie mit einem Ruck zu sich. Ein stechender Schmerz schoss durch ihre Hand, in ihren Arm und sie schrie laut auf. Er raubte ihr den Atem und ließ sie alles um sie herum vergessen. Das Blut floss herunter und bildete auf dem Laub einen dunkelroten See, der immer weiter anschwoll. Erst als der Löwe von ihr abließ und sie zu Boden sank, wurde ihr wieder bewusst wo sie sich befand. Das war kein Traum! Alles echt!
Vor ihren Augen tanzten schwarte Punkte, die ihr die Sicht vernebelten und sie betete, dass sie sich nicht im Gebüsch übergeben müsste.
Das Monster zog nun ungerührt Kreise um sein verwundetes Opfer und zeigte seine blutverschmierten Zähne. Die Wut, die sich aufs Neue in ihr entfachte verging schnell, als eine weitere Welle des Schmerzes ihren Körper durchzog und sie fast in die Ohnmacht zwang. Der Löwe setzte zum Sprung an, doch zögerte. Verwirrt blieb er stehen und schnaufte laut. Es schien, als würde er gegen etwas ankämpfen. Angst, Wut und Verwirrung spiegelten sich in seinen bernsteinfarbenen Augen wieder und jedes Gefühl schien die anderen ausschalten zu wollen, um an die Oberhand zu gelangen. Sein Opfer wollte nicht warten, um herauszufinden welche Emotion siegen würde und kämpfte sich auf allen Vieren vorwärts. Hinter sich hörte sie den Löwen knurren, der sich wohl jetzt entschieden hatte ihr zu folgen, als sie sich unter tief hängenden Ästen hindurchzwang. Das Tier blieb jedoch hartnäckig und folgte ihr immer weiter durchs Unterholz. Ihr Hand hielt sie dicht an sich gedrückt und ignorierte das Blut, welches sich langsam in ihrem T-shirt vollsog.
Sie war schon fast am Rande des Waldes angekommen, als sie plötzlich an einem Dornenbusch festhing, dessen Dornen sich durch ihre Kleidung schmerzhaft in die Haut bohrten. Verzweifelt versuchte sie sich zu befreien und vemerkte erst im letzten Moment den Löwen, der drohend über ihr stand. Sie roch seinen fauligen atem, spürte ihn in ihrem Nacken und drehte sich langsam um. Sie wollte sich losreißen, weglaufen, doch ihre Muskeln gehorchten ihr nicht mehr. Und so saß sie einfach nur da, den Blick angsterfüllt zu dem Untier aufgerichet. Der Löwe nutzte ihre Starre und stellte unbarmherzig eine Pranke auf die Brust und drückte ihr so die Luft aus der Lunge, die vor Kälte brannte. Die rasiermesser scharfen Zähne des Löwen beugten sich zu ihr runter und am Rande der Ohnmacht spürte sie, wie diese sich tief in ihre Schulter gruben. Wo war er, dachte sie.
Sie wollte schreien, weinen, den Löwen geschubsen, doch stattdessen ließ sie ihren Kopf kraftlos zu Boden sinken.
"Jake....", flüsterte sie lautlos in die Nacht. Um sie herum sickerte das Blut in den trockenen Boden und färbte das Gras rot.
Das Mädchen atmete schon nicht mehr, als der Löwe von ihr abließ und im Wald verschwand.
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Herz aus Stein
FantasyNeues Haus, neue Stadt, neue Schule. Besser kann es ja echt nicht laufen! Als neuer hat es Josh echt nicht leicht, vor allem da Jake, der Anführer der bekanntesten Clique an der Schule es auf ihn abgesehen hat. Was will er von Josh und was hat es m...
