Niemand bemerkte den Schatten der elegant über die Mauer des renovierten Schlosses sprang und danach blitzschnell im Schatten verschwand. In Ica achtete man einfach auf andere Dinge, als auf einen kühlen Luftzug der einem trotz Windstille eine Gänsehaut bekommen lies. Die Gestalt bewegte sich schnell. Zielstrebig. Und erreichte schon bald unbemerkt die Rückwand des Schlosses. Sie verharrte für einen Moment im Schatten einer großen Eiche und horchte. Horchte, ob Schritte von Patrouillen in der Nähe zu vernehmen waren. Doch nichts. Nur diese Stille die angenehm und bedrückend zugleich sein konnte. Noch einmal wurde gehorcht und noch einmal war nichts zu vernehmen.
Der Eindringling nutzte seine Chance und sprintete los. Sein Mantel wurde durch den Luftzug, der durch die rasche Bewegung entstand, nach oben geweht und die Kapuze wurde nach hinten gerissen. Für einen kurzen Moment sah man den Körper des Wesens. Dieser verschmolz fast konturenlos mit der Dunkelheit. Er war pechschwarz und schien zu pulsieren. Es schien fast so als hätte der Körper keine feste Form. Und dann beschleunigte der Schatten. Er wurde lautlos schneller und schneller. Man hatte ihm jetzt nur noch schwer mit dem menschlichen Auge folgen können.
Der Eindringling rannte direkt auf die Wand zu. Es hatte den Anschein als würde er gleich an dem harten Gestein zerschellen. Aber ein paar Meter vor der Mauer machte er drei große Schritte und sprang plötzlich senkrecht nach oben. Nach 3 Metern bekam er einen Fenstersims zu fassen und zog sich schwungvoll hoch. Er wollte schon zum nächsten Sprung ansetzen als er inne hielt. Es waren Schritte zu hören. Noch entfernt, aber in seine Richtung kommend. Er überlegte kurz, schaute nach unten und verschmolz endgültig mit der Dunkelheit - wurde eins mit der Nacht und wartete ab in der Sicherheit dass sie ihn dort niemals entdecken könnten, auch wenn sie direkt hoch zu ihm schauen würden.
Die Schritte kamen näher, bis sie direkt unter ihm waren und dann verstummten.
Er blickte, ohne seinen Kopf zu bewegen, nach unten und sah dass es zwei Soldaten waren die nun im Hof standen. Der eine Soldat schien weiblich zu sein.
Er schaute wieder regungslos gerade aus und vertraute nun voll und ganz auf sein Gehör.
"Hier ist nichts" sagte eine männliche Stimme unten im Hof.
" Komisch...Aber die Kamera hat eindeutig eine Bewegung aufgezeichnet." erwiderte nun eine zweite, weibliche, Stimme. "Weiber! Sehen überall irgendwelche Bedrohungen!" Der Mann lachte und setzte sich in Bewegung.
"Bis jetzt hat dieses sogenannte Weib immer gute Dienste geleistet. Das weißt du, Fey." widersprach die zweite Stimme schnippisch und folgte dann dem ersten Sprecher. "Jaja. Jetzt sei still. Oder willst du die Herrin wecken? Besonders heute Nacht, wo der Tag doch schon so anstrengend für sie war", mahnte der Mann. "Ich habe gehört es ist ein Junge?" fragte die Frau.
Doch die Antwort konnte die mysteriöse Schattenfigur nicht mehr hören, denn die beiden Personen hatten sich schon zu weit von ihm entfernt.
Es dauerte ein paar Minuten bis sich der Schatten wieder teilte und die Gestalt wieder Konturen bekam. Ohne dabei zu taumeln, begutachtete sie vom Fenstersims aus die obere Wand und machte schnell das Fenster ausfindig hinter dem das erste Ziel lag. Es lag ungefähr fünf Meter über dem Fenster bei dem er sich momentan fekonnt sprang er zu einem Vorsprung und stieß sich sofort ab, als die Füße diesen erreichten.
Schwang sich um einen Eisenstab der aus der Steinmauer ragte und kam auf diesem zu stehen. Er ging abermals in die Hocke und schaute sich einmal rundherum um. Aber nicht um die atemberaubende Aussicht auf die Stadt Ica mit ihren Lichtern zu genießen, sondern er hielt nach den Spähern Ausschau, die nun fast auf der selben Höhe wie er in ihren Towern saßen.
Eigentlich hatten sie die Aufgabe zu überwachen dass niemand unbefugt innerhalb dieser Mauern kam und mögliche Flugobjekte, die versuchten über die Mauer zu fliegen, zu entdecken. Dann meldeten und gegebenenfalls mit Gewalt vom Himmel holten.
Doch die Wachen schienen übermüdet zu sein und lasen entweder in irgendwelchen Zeitschriften oder spielten gelangweilt Karten.
Noch immer hockend mit dem Rücken zu Wand stieß die dunkle Gestalt sich ab, drehte sich während des Fluges zur Mauer, machte zwei Schritte an der Wand und bekam die Kante des Fensters zu greifen. Doch dort zog er sich nicht hoch, sondern zog die Knie an und presste die Fußsohlen gegen die Mauer. Diese Position ermöglichte es ihm sich sicher ohne große Anstrengung festzuhalten.
Er atmete dreimal tief ein und aus. Und ließ dann vorsichtig seinen Geist schweifen. Steuerte ihn zwanzig Zentimeter höher, um durch das Fenster in den Raum zu schauen zu können. Drinnen war es dunkel. Kein Lichtlein brannte. Und es herrschte auch dort eine bedrückende Stille. Der Raum war fast leer, nur ein einzelnes kleines Bett stand in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes.
Düster, einsam und verlassen stand es dort.
Ihm rutschte plötzlich eine Hand ab, er drohte hinabzustürzen, doch er schaffte es gerade noch rechtzeitig sich zu fangen. Die Vision war vorbei.
Diese Art Technik ist praktisch und hilfreich wenn man etwas in naher Umgebung erkunden will ohne gesehen zu werden. Jedoch ist es sehr anstrengend und es herrscht immer die Gefahr dass man die Beherrschung über den Körper verliert und dieser wie bei einer Ohnmacht, während der Geist auf Wanderschaft ist, umfällt. Es braucht eine hohe Konzentration den Körper auch in solch schwierigen und anstrengenden Positionen zu halten. Nicht viele haben die Kraft oder auch nur die nötige Erfahrung dafür.
Er gab sich noch zehn Sekunden um seine Kräfte wieder zu sammeln. Dann schwang er sich auf den Vorsprung des Fensters und öffnete es dann spielerisch leicht von außen. In dieser Höhe hatte wohl niemand mit einem Einbruch gerechnet und auch keine entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Ihm sollte das Recht sein, trotzdem war er enttäuscht. Als hätte man ihm das Spielzeug weggenommen.
Er analysierte schnell die Lage und sprang elegant in den Raum. Nun musste er sich beeilen. Er lief an der Wand entlang, damit er sich im Notfall leichter im Schatten verbergen konnte. Er erreichte das Bett und sah einen kleinen neugeborenen Jungen darin liegen, nach den Informationen seines Auftraggebers ist das Kind nur wenige Stunden alt. Und trotz allem wurde es allein gelassen.
Aber er wollte sich nicht beschweren. Er holte ein dunkelgraues Puder aus seiner Manteltasche. Dieses sah zwar noch nicht sonderlich spektakulär aus, aber als er es über den Jungen fallen ließ legte es sich wie eine zweite schimmernde Haut um ihn. Er packte den Säugling und steckte ihn unter seinen Mantel. Der Körper aus schillerndem Staub blieb zurück und schuf die Illusion das Kind läge noch an Ort und Stelle. Die Gestalt drehte sich um, sprang aus dem Fenster und breitete im freien Fall seinen Mantel aus. Verschmolzen mit der Nacht flog der Entführer unbehelligt über die Wachtürme, in Richtung Nordosten, davon.
(J)
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Das Konkordat der drei Mächte
FantasyIn seiner Geburtsnacht wird er von einer mysteriösen Gestalt entführt und damit sein gesamtes Schicksal von Grund auf verändert. Er lernt Freunde und Feinde kennen, folgt einer falschen Bestimmung und bringt das Gleichgewicht der Stadt und über sie...
