Teil 2

93 10 7
                                        

Als ich mich in meinem Bett hin und der her wälzte, dachte ich mir was wir heute für einen Tag hatten. Ich richtete mich mühsam auf und suchte nach meinem Handy. Eigentlich hatte ich es auf die Kommode direkt neben meinem Bett hingestellt, doch da war es nicht! Ich dachte mir, ob ich es vielleicht doch irgendwo anders hingelegt hatte. Als ich mich auf den Weg zu der Tür meines Zimmers machen wollte, spürte ich etwas hartes an meiner Fußsohle. Ich blickte nach unten und erkannte mein Handy auf dem Boden. Kennt ihr das, euch passiert etwas, und ihr werdet daraus einfach nicht schlau? Genauso ging es mir gerade.

Der Kalender sagte mir, dass heute Sonntag war. Wenn ihr mich fragt, ist Sonntag der beste Tag in der Woche. Man muss nichts tun. Alle Läden haben hier bei uns in der kleinen Altstadt geschlossen und es sind deutlich weniger Menschen auf der Straße als sonst. Jedoch gibt es einige Straßen weiter, ungefähr 5 Minuten Fußweg, einen großen Park mit einem kleinen See, wo viele Senioren, aber auch einige Jugendliche spazierten, sei es mit dem Haustier oder mit dem ein oder anderen Enkel. Ich mochte eigentlich diesen Park . In der Natur, zwischen all den wunderbaren Gewächsen und herrlichen Blumen fühle ich mich 'frei', fast schon wie neugeboren. Muntern ging ich auf meinen, doch eher kleinen, Kleiderschrank zu und ohne groß zu überlegen schnappte ich mir eine Jogginghose und ein lässiges Shirt und zog sie auch schon im selben Augenblick an.

Ich begab mich ins Bad und betrachtete mich kurz im Spiegel. Meine Haare waren länger geworden, was ich erst jetzt bemerkte. Ohne weiter darüber nachzudenken band ich sie mir schnell zu einem Zopf und war gerade dabei meine Zähne zu putzen als ich meine Mutter "Bahar!" rufen hörte. Als ich mit den Angelegenheiten im Bad fertig war, begab ich mich ins Wohnzimmer und von dort aus in die Küche, da sich meine Mutter vermutlich dort aufhielt.

Anne: "Kizim, gehst du schnell Brötchen holen?" (Meine Tochter)

Ich: "Kann ich machen!"

Sie gab mir das Kleingeld und ich machte mich auf den Weg zum Flur. Meine Turnschuhe, die neben dem Regal standen, nahm ich zur Hand und zog sie auch schon an. Draußen herrschte eine ungewöhnliche, milde Wärme für diesen untypisch kalten Monat. Aus diesem Grund nahm ich mir eine leichte Jacke mit und begab mich nach draußen. Eine angenehm, warme Brise streichelte mein Gesicht und mir wurde bewusst, wie sehr ich die Wärme und den Frühling vermisst hatte. Allein das Zwitschern der Vögel, beruhigte mich. 

Ich bog in die Straße ein und erkannte schon von weitem einer der beliebten Bäcker hier in unserer Gegend. Der herrliche Geruch von vielen Gebäcken und feinen Spezialitäten, die es hier gab, drang sofort in meine Nase. Ich erkannte die Reihe, wo einige anstanden und stellte mich somit ganz hinten an. 

Puhh! Das dauerte aber lange! Noch einer, und dann war ich endlich dran! 

Die Verkäuferin übergab der Person vor mir das Rückgeld. Als dieser das Kleingeld in seiner Jackentasche verstauen wollte, drängelten sich drei Kinder nach vorne, um höchstwahrscheinlich an die Reihe zu kommen. Aufgebracht wollte ich meinen Mund aufmachen, und zur gleichen Sekunde fiel dem jungen Mann, wie ich bemerkte, das Kleingeld auf den Boden. 

"Man, könnt ihr eigentlich nicht aufpassen!" kam verärgert von ihm. Ich bückte mich, um sein Geld aufzuheben und es ihm zu geben. Als ich mich aufrichtete, guckte ich zu ihm hoch und übergab ihm sein Kleingeld. Als sich unsere Blicke trafen, schaute er mich eine Weile an.                                                   Mir wurde das langsam unangenehm und im selben Moment, als ich mich nach vorne an die Kasse wenden wollte, kam ein leises "Danke!" von ihm und schon machte er sich davon. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verlieren, machte ich mich mit den Brötchen in der Tasche auf den Weg ins Freie. 

Als ich daheim angekommen war, kam mir meine Mutter entgegen und fragte mich, warum ich denn so lange gebraucht habe. "Da waren so blöde Kinder, die kein einziges Benehmen hatten!" kam wütend von mir. "Oh Bahar, du hast bestimmt überreagiert!" Mein Mund sackte nach unten und ich merkte, dass eine Diskussion jetzt nichts bringen würde. Warum sollte ich  überreagieren? Manchmal verstand ich meine Mutter nicht.

"Bestimmt hat sie dann die Kinder verprügelt!" Ich sah nach rechts, und sah meinen Bruder, der sich gerade neben mich an den Tisch setzte, um seine Suppe zu essen. Er grinste breit und zwickte mich an der Wange. 

Furkan: "Warum schaust du so?", er grinste immer noch.

Ich: "Was soll das den jetzt heißen: 'Bestimmt hat sie dann die Kinder verprügelt?"

Furkan: "Das heißt, dass du eine Schlägertante bist! Guck dich mal an, du bist kein normales Mädchen!" Er lachte triumphierend und es war mir schon lange bewusst, dass es ihm Spaß machte, mich zu ärgern. Was soll ich den machen, wenn er mich provoziert? Genervt boxte ich ihm leicht auf den Arm. Mit vollem Mund fügte er hinzu: "Sssiehstt du, du bist richtig gewalttätig!"

Mit diesem Satz lachten alle am Tisch und ich konnte mir mein Lachen nicht verkneifen. Er war der witzigste Mensch in unsere Familie. Als ich aus meinem Augenwinkel sah, dass er immer noch zu mir schaute, drehte ich mein Kopf zu ihm und schaute ihn fragend an. Er zwinkerte mir zu und ich rollte genervt meine Augen. 

Derya: "Abla, hast du das Ladekabel irgendwo gesehen?" (Schwester)

Ich: "Ich glaube, es müsste auf meinem Schreibtisch liegen!" 

Als sie sich auf den Weg zu meinem Zimmer machte, fiel mir ein, dass morgen Montag war und die Schule wieder begann. Ich hatte noch ein Jahr vor mir und dann würden die Abitursprüfungen vor der Tür stehen.  Als ich gerade dabei war, meine Sachen für morgen zu packen, klingelte mein Handy.           Ich sah auf das Display und erkannte den Namen 'Selin'. Meine einzig gute Freundin, dachte ich mir. Mehr brauchte ich auch nicht! Ich nahm schnell ab und war froh ihre Stimme zu hören.

Ich: "Hallo canim!" (meine liebe)

Selin: "Baharim, nasilsin?" (Meine Bahar, wie geht es dir?)

Ich: "Gut und dir?"

Selin: "Mir auch. Du kommst morgen zur Schule oder?"

Mit einem Grinsen bejahte ich ihre Frage und nach langem hin und her reden legten wir auch auf. Als es schon relativ spät geworden war, und ich mich schließlich hinlegen wollte, kam mein Bruder kurz ins Zimmer und sagte in einem sarkastischen Ton: "Keine Menschen in der Schule schlagen, ok?"

"Oh Abi!", erwiderte ich mit einem breiten Lachen. "Hade tamam, tamam. Iyi geceler!" (Ok ok, gute Nacht) sagte er noch zum Abschluss und so legte ich mich letztendlich hin. 


_________________

So, ich hoffe es hat euch gefallen!  Wünsche mir von euch Feedback :)


HerzenssacheStories to obsess over. Discover now