Die Hölle

83 1 2
                                        

Es war finsterste Nacht. Nur wenige schwache Lichtbündel fielen durch das kleine Fenster in ihre winzige Kammer. Am Himmel war der Vollmond zwar noch zu erkennen, doch die vielen dunklen Wolken schienen fast sein gesamtes Licht zu verschlucken. Sie sah in die kalte Nacht hinaus, niemand war auf den Straßen zu erkennen, alles war totenstill. Schon seit Wochen konnte sie kein Auge mehr zu tun, ihr Verlust beschäftigte sie einfach viel zu sehr und dann waren da noch ihre eigenen Schuldgefühle. War sie an allem schuld? An ihrem Leid und dem ihrer Familie? Irgendwie schaffte sie es dann doch einzuschlafen, auch wenn sie wieder einer ihrer Alpträume hatte, und war so wenigstens einigermaßen für den ihr bevorstehenden Tag ausgeschlafen.

„Sara! Sara, steh auf du Taugenichts! Für was gebe ich dir eine Unterkunft, wenn du es nicht einmal schaffst mir morgens mein Frühstück zu machen und Holz nachzulegen?", erklang die tiefe, zornige Stimme ihres Meisters. Sie schreckte hoch, zog sich rasch an und verließ ihre Kammer. „Da bist du ja! Eins sage ich dir, das war das erste und letzte Mal, dass so etwas vorkommt! Oder willst du etwa, dass ich dich weiterverkaufe?" Sie traute sich nicht ihm in die Augen zu sehen, zitternd vor Angst konnte sie nur vorsichtig mit dem Kopf schütteln. Er wurde immer wütender: „Antworte mir gefälligst! Egal was du tust, vergiss niemals, dass ich deine Kaution zu jeder Zeit verkaufen, oder wenn es dir lieber ist vor deinen Augen verbrennen kann. Einfach so, keine Sekunde später ist es weg und du hast nichts mehr!" Während er sprach ließ er mit einem helmmischen Grinsen im Gesicht ein kleines Amulett zwischen seinen Fingern hervorblitzen. Es hatte ihrer Mutter gehört und war gleichzeitig alles was sie noch von ihrer Familie hatte, ihr ganzer Stolz und Besitz. Er wusste das und nutzte das um sie zu versklaven.

Denn er war niemand anderes als Peter Daystone, ein bekannter Großgrundbesitzer von gutem Hause, einer der seine Diener schlimmer als Sklaven behandelte und dennoch zu den bestangesehensten Männern des Landes gehörte. Er war der grausamste Mensch den sie kannte, eine Bestie, hinterhältig und skrupellos und dennoch war er ihr Onkel. Sie konnte nie verstehen warum er sie so behandelte. Ihr Vater bat ihn vor vielen Jahren sich um sie zu kümmern, als er in die Schlacht ziehen musste und bis heute nicht mehr heimkehrte. Seitdem war sie ihm ausgeliefert. Er entwürdigte sie des Namens Daystone, damit sein Sohn nicht nur seine, sondern auch die Besitztümer ihres Vaters erben konnte. Von da an war sie nur noch auf der Welt um zu dienen, durfte ihren eigenen Onkel nur noch mit Meister ansprechen und war nichts anderes als eine Sklavin.

„Es tut mir so unglaublich leid, Meister. Ich verspreche Euch, es wird nie wieder vorkommen." „Ha, das Versprechen eines nutzlosen Geschöpfs, was zählt das schon? Geh mir aus den Augen und zur Strafe, darfst du heute Nacht im Keller bei den Gaunern schlafen, die werden sich bestimmt über deine Anwesenheit freuen!" „Bitte Meister, ich, ich ...", flehte sie, doch er hatte schon ausgeholt und gab ihr eine kräftige Ohrfeige. „Habe ich dir etwa erlaubt zu sprechen? Ich habe jetzt wirklich genug von dir. Du hast doch keine Ahnung, was ich schon alles für dich getan habe, du undankbares Kind! Ich werde schauen, ob ich einen Käufer für dich finden kann, hoffentlich muss ich nicht noch was für dich bezahlen. Viel zu lange habe ich mich mit dir herumgeärgert, alles nur wegen meinem Bruder, möge er in Frieden ruhen. Aber wie konnte er mir nur so etwas wie dich zumuten? "

Er sperrte sie in einen Kerker. Dort saß sie nun für mehrere Wochen. Schlafen musste sie auf dem kalten Boden, zu essen bekam sie fast gar nichts, geschweige denn zu trinken. Sie magerte ab, war schon bald zu schwach um sich zu bewegen. Ihr braunes langes Haar war total verfilzt, ihr Kleid war nur noch ein Lumpen und ihr Gesicht mit ihren traurigen braunen Augen ähnelte schon bald dem einer Leiche. Am Anfang störten sie die stichelnden Bemerkungen der Banditen, doch mit der Zeit hörte sie sie schon gar nicht mehr. Täglich bekam sie Schläge, sobald eine ihrer Wunden heilen konnte, hätte sie bereits ein Dutzend neue. Sie wusste nicht wie lange das noch so weitergehen sollte oder ob sie je wieder ihren Kerker verlassen dürfte, doch eines war sicher: Lange würde sie das nicht mehr überleben.




Danke für's Lesen ;) Gefällt Euch die Idee? Bitte schreibt Kommentare, auch gerne Kritik. Liebe Grüße Eure Smileykitty27.

SlaveStories to obsess over. Discover now