Kapitel 1.

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,,Bitte, lass mich in Ruhe!" Der Junge scheint verzweifelt, aber das Mädchen grinst nur. ,, Ich denke nicht daran!
"Mit diesen Worten spannt sie ihren Bogen und schießt ab. Der Junge fällt zu Boden, kein Schrei. Wenig später ertönt das schlimmste Geräusch: Die Kanone. Vom Kommentator kommt nur ein einziger Kommentar. Mehr nicht.
"Naja, was hat man von einem 14-jährigen erwartet?!" Die Kamera schwenkt noch einmal auf den blutbefleckten Platz.

Schreiend wache ich auf. Ich habe es schon wieder geträumt. Der Tot meines Bruders liegt nur ein Jahr hinter mir. Er war der einzige für mich gewesen, bis er letztes Jahr ausgewählt wurde. Ausgewählt um in den sicheren Tod zu ziehen.

Wenn ich nicht schon sitzen würde, würde ich wahrscheinlich wie sonst auch immer zusammensacken. Langsam fange ich an zu weinen. Die Tränen fallen schwer über meine zarten Wangen und wo sie fließen, spüre ich Schmerz, Sehnsucht nach meinem Bruder. Diese Trauer ist mir schon so vertraut, ja gar schon mit mir befreundet. Oder verfeindet? Ich weiß es nicht. Es müssen Stunden sein, wie ich so Elend hier auf meinem Bett sitze.

Langsam schlage ich die Decke zurück und ein Hauch von Kälte überflutet mich. Ich beginne zu Zittern. Zwar sind wir hier in diesem Distrikt nicht die Ärmsten, jedoch können wir uns kein Heizholz besorgen, da meine Eltern nach dem Tod meines Bruders in schwere Trinksucht geraten sind und ihr ganzes Geld für Alkohol abgeben.
Ich habe schon gelernt, in allem das Gute zu sehen. Ich wohne nicht in Distrikt 12, was schon mal aufmunternd ist. Außerdem hat man hier in Distrik 8 ja genug Kleider, da wir für die Textilien verantwortlich sind. Essen kann man sich zum Glück auch noch irgentwie beschaffen und wenn nicht? Naja dann hungert man halt mal ein bisschen.

Ich fange an mein blondes Haar zu kämmen. Wo es grade noch verzwirrt herumhing, ist es jetzt ordentlich gekämmt. Ich mache mir einen schönen aufwendigen Zopf. Aus meinem Schrank nehme Ich das edelste Kleid. Zwar ist edel noch kein Begriff zu den Kleidern, die man in Distrikt 1 oder 2 trägt, aber es ist in Ordnung. Nach dem, was ich in Distrikt 12 gesehen habe, auf jeden Fall.

Das Kleid ist hell-blau mit Rüschchen. Um den Bauch hängt ein schlichter, schwarzer Gürtel. Ich ziehe das Kleid an, wobei ich darauf achte, dass meine Frisur nicht verrutscht.

Meine dürren Beine gehen leise die Treppe herunter. Je näher die Stunde kommt, desto mehr bekomme ich Angst. Heute ist schließlich meine zweite Ernte, und weil ich dreizehn bin, gibt es auch 2 Zettel. Das sind immer noch wenig, meine Cousine Antonella hat schon 14, weil sie Essen gebraucht haben. Weniger ausgemuntert geh ich in die Küche, wo meine Mutter noch wartet. Unter ihren hübschen Augen seh ich schwarze Schatten und ihr sonst so schöner Mund ist kreidebleich. ,"Schatz?" Sie scheint nüchtern zu sein, weil sie mich nur dann so liebevoll Schatz nennt.
"Ja Mama?"
,,Viel Glück heute bei der Ernte..."
Ich renne zu ihr und umarme sie. Ich spüre wie sie zittert, sie hat schließlich höllische Angst, noch ein Kind zu verlieren. Plötzlich spüre ich, wie sich noch eine Person der Umarmung anschließt. Hätte man uns jetzt gesehen, erwartet man gar nicht, dass meine Eltern sonst die unfreundlichsten Eltern der Welt sind, aber heute sind sie nüchtern. Man könnte sogar denken, wir wären eine heile Familie.

Ich kann nichts essen und auch meine Mutter stochert nur in ihrem Essen herum. Ich gucke in ihre Augen. Sie könnte so schön sein, aber sie macht sich alles kaputt. Ich stehe auf und räume ab.

Als ich gerade fertig bin, ertönt das Signal. Meine Mutter rennt zu mir, umarmt mich und fängt an zu weinen. Mein Vater steht nur daneben und schaut schweigend zu. Ich zittere und packe meine Eltern an die Hand. Wir machen uns auf den Weg zur Ernte.

Tribute Von Panem- Die 71. HungerspieleStories to obsess over. Discover now