"Du bist so lange glücklich, bis du davon erfährst."
"Pack dein Geschenk aus, Liebling", der Geruch meiner Mutter umfing mich und hüllte mich in die Behaglichkeit, die ich so sehr liebte. Mein Vater saß neben mir an dem kleinen Holztisch und lächelte mir zu. "Will nicht", sagte ich nur und verschränkte meine kurzen Arme. "Aber warum nicht, Süße? Das ist dein Geschenk. Willst du gar nicht wissen, was darin ist?", meine Mutter setzte sich mir gegenüber. "Wenn ich es auspacke, dann ist es nicht mehr so aufregend, Geburtstag zu haben", sagte ich und sah das Geschenk an. Natürlich wollte ich wissen, was darin war, aber ich wollte die Vorfreude noch genießen. "Wenn du dein Geschenk noch nicht ausgepackt hast, bekommst du kein Süßbrot", die Stimme von Papa klang streng, doch er lächelte dabei. Trotzdem funktionierte das Druckmittel und ich griff sofort nach dem Lederbündel. Beide Eltern lachten. Ich blickte sie ratlos an. Manchmal verstand ich Eltern nicht. "Pack es aus", meinte Mama nur schmunzelnd. Ich öffnete das Bündel. Darin lag eine Lederkette mit einem Anhänger. Dieser war ein kunstvoll aus Holz geschnitzter, kleiner Bär und ich wusste, dass Papa ihn gemacht hatte. "Mein Tier", meine Augen strahlten. "Mein Krafttier", meine Mutter nahm mich in den Arm. Um ihren Hals hing die hölzerne Eule. "Alles gute zum Geburtstag, mein Schatz."
Ich rannte durch den sonnenbeschienenen Garten. Das Gras kitzelte an meinen baren Füßen. Ich trug ein veilchenblaues Kleid. Meine blonden Haare flatterten hinter mir her. Ich lachte laut. Mein Vater jagte mir ebenfalls lachend hinterher. "Ich fange dich und dann wirst du sehen", rief er freudig. Ich quiekte vergnügt und drehte mich beim Rennen um. Dann stolperte ich über meine Füße und fiel schmerzhaft hin. Augenblicklich verblasste mein Lächeln und auch Papa eilte besorgt zu mir. "Alles in Ordnung?", sein besorgtes Gesicht schwebte vor meinem. Eine Träne rann meine Wange herunter. Er legte eine Hand an meine Kinnlinie. Er lächelte wieder leicht. "Jede Träne wird ein Stern am Himmel", hauchte er und blickte in meine Augen. "Pass auf, dass der Himmel nicht zu voll wird." Er musterte die Sterne in meinen Augen. "Du wirst eines Tages eine wunderschöne und starke Frau werden. Lass die Sonnen in deinen Augen niemals vergehen."
Ich erwachte mitten in der Nacht auf meinem Bett aus Stroh. Mein Herz schlug wild. In der Diele hatte ich ein Geräusch gehört. "Mama?", flüsterte ich in den leeren, dunklen Raum. "Mama?", wiederholte ich, diesmal lauter. Schritte im Flur. Ich schlug die Decke zur Seite und zog mein Nachthemd zurecht. Dann trat ich an die Tür und spähte durch den schmalen Spalt in den dunklen Flur. Dort war nichts und niemand. Ich hatte doch Schritte gehört? Mein Herz schlug höher. Ich hatte Angst und wollte zurück in mein Bett. Als ich mich gerade umdrehen wollte, legte sich von hinten eine eiskalte Hand über meinen Mund. Sie drückte so fest zu, dass mir der Atem zum Schreien fehlte. "Sei still oder deine Eltern sind tot", die kratzige Stimme drang leise an mein Ohr. Ein eiskalter Schauder überschwemmte mich. Meine Angst überwog und ich konnte mich nicht regen. Die Person hinter mir drängte mich durch den Flur aus dem Haus. Plötzlich ging im Flur Licht an. Mein Vater stand dort. Bei seinem Anblick erschrak der Fremde. Seine Hand wurde locker. "Papa!", rief ich nur verzweifelt. Papas Gesichtszüge entglissen und er rannte auf den Fremden zu. Ein Knall. Blut bespritzte die Wände. Papa ging zu Boden. Ich schrie, jedoch wurde mein Schrei augenblicklich von der Hand abgewürgt. Meine Mutter stürmte in den Flur, doch zu spät. Der Fremde drängte mich nach draußen. Er rannte ein Stück mit mir. Dann schubste er mich hin. Ich fiel in den Dreck und mein weißes Nachthemd wurde schmutzig. "Wehr dich nicht", hörte ich die rauhe Stimme nah an meinem Ohr und der Fremde beugte sich über mich. Ich spürte spitze Zähne an meinem Hals. Ich wusste, was passierte. Papa hatte mir viele Geschichten erzählt. Der Fremde zögerte, Tränen rannen über meine Wangen. Ich dachte an Mama und Papa und mein glückliches Leben. Dann biss der Fremde zu und die Tränen blieben dunkel.
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Juno
ParanormaleDie Geschichte von dem Mädchen unter den Sternen. Sie mag tragisch sein, sie mag belastend sein, doch es ist meine Geschichte. Die Geschichte von Juno, der ewigen Wandlerin unter den Sternen. Ich muss vorher erwähnen, dass viele Ideen der Geschehnis...
