Vorbereitungen

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Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere auch. Vielleicht nicht ganz, da heute ihr sechzehnter Geburtstag war. Ansonsten aber war alles wie immer. Latoya lächelte. Noch nicht einmal eine einzige Vision, hatte sie bisher gehabt und dabei war es schon Nachmittag. Das war äußerst ungewöhnlich, hatte sie doch fast jeden Tag welche und das seit sie denken konnte. Allerdings war das Fehlen der Visionen heute gut denn in wenigen Stunden würden alle ihre Freunde da sein um gemeinsam mit ihr ihre Volljährigkeit zu feiern. Wie lange hatte Latoya diesen Tag herbei gesehnt! Von nun konnte Rina, ihre Mutter, ihr nicht mehr vorschreiben was sie zu tun und lassen hatte. Und das allerbeste war: Sie durfte sogar endlich alleine ohne Begleitung in die Hauptstadt. Darauf freute sie sich ganz besonders. Nun konnte sie sich alleine die Paraden und Feste ansehen und musste Rina nicht jedes Mal anflehen mit ihr hin zu gehen. Sogar heiraten war nun möglich ohne das Einverständnis ihrer Mutter...

„Latoya! Du hast Besuch!", schallte auf einmal die Stimme von Rina. Latoya runzelte die Stirn. Es war unüblich, dass die Gäste kamen ehe das Fest anfing. Sehr unüblich. Latoya seufzte leise, dann ging sie zu ihrer Mutter. „Wer...?", sie wollte noch mehr fragen, ließ es jedoch bleiben als sie sah wer da breit grinsend neben Rina stand. „Toban!", ein Freudenschrei entwich Latoya.

Toban war ihr Cousin. Der älteste von zwei Söhnen, der Schwester von Latoyas Mutter. Toban und Latoya waren gemeinsam aufgewachsen und sie beide verband eine tiefe Freundschaft. Dass er sieben Jahre älter war als sie hatte bisher niemals ein Problem dargestellt. Im Gegenteil. Wenn es etwas getan hatte, dann eher ihre Freundschaft unterstützt.

Latoya musterte ihren Cousin. Wann auch immer sie ihn sah, sah er auch jetzt überaus attraktiv aus. Seine dunkelbraunen, halblangen Locken reichten ihm bis knapp auf die Schultern. Seine grünblauen Augen funkelten Latoya übermütig, sowie auch amüsiert, an. Latoya liebte seine Augen. Sie wusste, je nachdem wie er gelaunt veränderte sich die Farbe von ihnen. Ein Umstand, der ihr es stets leichtgemacht hatte herauszufinden wie er gelaunt war. Jetzt hatte er definitiv sehr gute Laune. Aber um das zu wissen bedurfte es keiner großen Menschenkenntnis. Das würde sogar ein Blinder erkennen, dachte Latoya. Sie ließ ihren Blick weiter wandern. Auf der Uniform die er trug, war an der Schulter das Wappen von Aranica, ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf dunkelblauem Grund. Darunter angebracht waren das Rangabzeichen und das Abzeichen welches anzeigte welcher Einheit Toban angehörte. Nämlich der Stadtwache. Latoya wusste, dass Toban, trotz seiner guten Stellung noch nicht zufrieden mit sich war. Sein großes Ziel war es in der persönlichen Reitereinheit des Königs zu dienen. Latoya war sich mehr als sicher, dass er es irgendwann auch erreichen würde.

„Was ist los? Werde ich nicht von dir begrüßt?", fragte Toban Latoya neckend. Diese überbrückte nun auch die letzten paar Schritte die zwischen ihnen lagen und umarmte ihn stürmisch. „Ich hab dich so vermisst!", sagte sie vorwurfsvoll. „Ja ich weiß. Ich dich auch", meinte Toban. Er schob Latoya, nach der Umarmung, ein wenig von sich um sie besser betrachten zu können. Ihre langen, dunkelbraunen Haare hatte sie, in einem wohl verzweifelten Versuch sie zu bändigen, zusammen gebunden. Trotzdem hingen ihr gut sichtbar einige Strähnen ins Gesicht. Ihre Augen funkelten übermütig und im Moment wirkte Latoya auf ihn geradezu wie ein Leuchtfeuer. Das Kleid, welches sie gerade trug war weinrot und aus groben Leinen gewebt. Für die Feier hatte sie sich also noch nicht umgezogen. Aber wäre das der Fall gewesen, hätte ihre Mutter sie wohl auch kaum ihn treffen lassen, überlegte Toban. Ganz sicher war er sich darüber allerdings auch nicht, denn seine Freundschaft zu Latoya war schon immer, und das wusste hier jeder, besonders gewesen. Oft war es sogar so, dass sie sich auch ohne Worte verstanden und in ihren Handlungen ergänzten.

„Wie lange bleibst du dieses Mal?", riss Latoya Toban plötzlich aus seinen Gedanken. Er sah sie zerknirscht an. „Leider nur heute", Toban verzog das Gesicht. „Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein?", erkundigte Latoya obwohl sie es besser wusste. Toban seufzte. „Es tut mir Leid. Wirklich", versicherte er ihr. „Du warst das letzte Mal vor vier Monaten hier und jetzt bist du wieder da, pünktlich zu meiner Volljährigkeitsfeier aber willst nicht bleiben?", es klang bitter, wusste Latoya doch darum kümmerte sie sich nicht. Toban sollte ruhig merken, dass sie enttäuscht war.

Das Medaillon der GötterDonde viven las historias. Descúbrelo ahora