Kapitel 1 ~ Bena

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Es war ein ganz normaler Morgen im April. Ich wachte wie immer auf meiner viel zu harten Matraze auf, woraufhin meine alten Knochen anfingen sich auf höchst unangenehme Art und Weise bemerkbar zu machen. Früher hätte ich darüber geklagt und furchtbar schlechte Laune verbreitet, aber das hatte ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt! Ja, es war tatsächlich viel Zeit vergangen, seit ich hier auf der Burg angekommen war. Ich war alt. Ich ging schwer auf die siebzig zu und die Leute fragten sich bereits wie lange ich denn noch leben wolle, aber ich dachte noch nicht daran zu sterben. Ich hatte noch viel zu viel zu tun...
Ein seltsam klickendes Geräusch riss mich aus meinen Gedanken. Ich wusste genau wo es herkam. Genervt öffnete ich das Fenster und verscheuchte das Eichhörnchen, das sich dort gerade noch an meinen Nüssen zu schaffen gemacht hatte. Es sprang geschickt auf den Baum, der direkt neben meinem Fenster in die Höhe schoss und war wenige Sekunden später in den hohen Ästen verschwunden. Ich schloss das Fenster wieder und machte mich an meinen Schränken zu schaffen. Dort fand ich noch etwas Schinken, Kartoffeln und einen kleinen Käse, jedoch hatte ich das letzte Stück Brot gestern zum Abendessen verspeist. Nicht schlimm! Ich musste eh noch zur Burgküche um einen Krug Ziegenmilch zu holen, bevor ich frühstücken könnte.
Ich trat hinaus auf den sonnenbeschienenen Burghof. Wie immer war ich überrascht wie groß die Burg eigentlich war. Allein in den Hof hätte man ein ganzes Dorf stellen können und etwa so war es ja auch. Überall standen Hütten, in denen Schreiner, Schmiede, und andere Handwerker ihre Arbeit verrichteten. Daneben standen die zahlreichen Gebäude, in denen die Diener und Arbeiter der Burg ihre Kammern hatten. Außerdem fand man hier Ställe, die große Burgküche und Verwaltungsgebäude. Außerhalb der Burgmauern lebten die Hirten und Bauern, die ebenso zur Burggemeinschaft gehörten.
Der letzte Winter war besonders lang gewesen. Alles schien aus einem tiefen schlaf zu erwachen. Auf den Wiesen standen noch die letzten Schneeglöckchen und nicht wie sonst im April die Tulpen, die ich so liebte. Ich seufzte. Meine Kammer könnte wirklich ein wenig Farbe gebrauchen! Ich beschloss, dass es keinen Sinn hatte sich darüber den Kopf zu zerbrechen und wollte gerade meinen Weg zur Burgküche fortsetzen, als ich den Burgverwalter Nedo auf mich zugestürmen sah.
"Bena! Hast du gerade einen Moment Zeit? Es gibt etwas, das ich mit dir besprechen muss!"
Nedo war ein guter, fleißiger Mann und ich war der Meinung, dass man nirgendwo im ganzen Reich einen besseren Burgverwalter finden könnte, aber jetzt gerade hatte ich wirklich besseres zu tun!
"Nedo, ich habe noch nicht einmal gefrühstückt! Ein gutes Frühstück ist der Schlüssel zu einem langen Leben! Außerdem..."
"Tut mir Leid, Bena",unterbrach Nedo mich. "Ich glaube es wird dich interessieren! Die Waisen sind abgekommen und ich glaube, ich habe schon eine gute Schülerin für dich gefunden."

RattenherzWhere stories live. Discover now