- Intro -

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Ich bin grad auf dem Weg zur Straßenbahn, komme von der Arbeit und überlege, ob ich mir nicht noch vom Bäcker etwas zu essen kaufen sollte. Das Shirt, das ich mir gestern von meiner Freundin ausgeliehen habe, flattert nur so an meinem Körper, während ich mir meine Jeans hochziehe. Immer muss das dumme Teil rutschen, das gibt's ja nicht! In meinen braunen Halbstiefeln, die eigentlich Winterschuhe sind, stapfe ich an diesem halbwarmen Tag über die Pflastersteine und blicke nach links und rechts, um zu sehen, ob eine Straßenbahn kam. Es kam keine, also kann ich beruhigt über die Straße laufen. Auf der anderen Seite angekommen hole ich meinen Rucksack nach vorne und krame nach meinen Kopfhörern, stecke sie an mein Handy und lasse Musik laufen. Endlich kann ich sagen Kopf an, Welt aus. Mein Leben ist derzeit einfach perfekt, ich kann mich über nichts beschweren und die Arbeit läuft auch super. Nur ein knuffiges, kleines Hündchen bei mir in der Wohnung wäre noch süß, dann wäre alles perfekt, wie ich finde.

Gerade werfe ich einen Blick auf mein Handy und zappe etwas durch die Playlist, die ich auf Zufallsgenerator eingestellt habe, bis ich endlich bei einem Song hängen bleibe, der mir ganz gut gefällt. Es ist eine Band, die ich eigentlich so kaum höre, aber der Partybeat ist jetzt genau das, was ich brauchen kann. Ich laufe den Bürgersteig entlang, bis ich an einer Fußgängerampel und einem Zebrastreifen angekommen bin. Ein paar kleine Pakete an Freunde müssen verschickt werden, bis ich nach Hause fahren kann und genau auf der anderen Straßenseite ist die Postfiliale, in die ich rein will.

Weil ich zu langsam gehe, muss ich stehen bleiben – die Ampel zeigt gerade rot. Neben mir läuft jemand trotzdem rüber, ist ja auch nicht lange und es kommt weit und breit kein Auto. Mich nervt sowas trotzdem – und vor allem geht es mir auf den Geist, dass mich der Idiot gerade angerempelt hat.

„Hey!", brüll ich ihm nach, während ich die Kopfhörer von meinen Ohren nehme. Er dreht sich um und schaut mich durch die Gläser seiner dicken Brille skeptisch an. „Farbenblindheit ist schon scheiße, was?!", grunze ich und setze kopfschüttelnd die Kopfhörer wieder auf. Neben mir gibt jemand amüsiert einen Kommentar ab, aber ich höre ihn nicht mehr und sehe auch gar nicht hin.

Die Ampel schaltet auf grün und ich stampfe los, stakse die Treppen hoch und laufe fast gegen die automatischen Schiebetüren, die sich nicht schnell genug öffnen. Ich nehme die Kopfhörer wieder ab, weil vor mir nur eine Person an der Kasse steht und schalte die Musik auf Pause. Während ich in meinem Rucksack nach den orangen Umschlägen krame, höre ich hinter mir zwei Typen kichern. Unsicher drehe ich mich um – ich bin schon immer paranoid gewesen – und schaue einem davon in die Augen. Sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, dass sie über meinen Kommentar an der Ampel lachen.

„Warte, wir müssen da rüber.", sagt der eine jetzt zum anderen und deutet zum Stand der Bank, die auch in dem Gebäude drin ist.

Sie gehen weg und hinter ihnen steht noch ein Typ, der alleine unterwegs zu sein scheint. Irritiert blicke ich ihn an, weiß selbst nicht genau, warum eigentlich und sehe, wie er seinen Blick erst auf mein Shirt und dann auf mein Gesicht richtet. Moment, hat mir der Typ gerade an die Brust geblickt?

Ich schaue an mir hinunter, sehe den Millk-Schriftzug auf dem roten Shirt und schaue ihn wieder an. Misstrauisch verenge ich die Augen, weil ich mir jetzt sicher bin, dass mir der Trottel an den Busen gestarrt hat und sehe, wie er mich anschmunzelt. Seine Augen blitzen, als würde der Teufel persönlich darin sitzen. Er selbst trägt eine hellblaue Tight-Jeans, einen grauen Kapuzenpulli von Levis und einen Rucksack, der genau denselben Jeansstoff und dieselbe Farbe wie seine Hose hat. Die Kapuze hat er sich über den Kopf gezogen und ein welliges Büschel seiner Haare schaut hervor, während er mit seinem Dreitagesbart aussieht, als hätte er noch nie einen Rasierer gesehen.

Ein Hipster. Ich finde dieses Volk echt seltsam.

„Bitteschön.", höre ich hinter mir die Frau von der Post und als ich mich abrupt umdrehe, werfe ich einen kleinen Zeitschriftenständer um und mache erschrocken einen Satz zurück. Wenigstens hab ich den Typen nicht auch noch angesprungen, das hätte mir jetzt gefehlt.

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⏰ Last updated: Jan 24, 2016 ⏰

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RohdiamantWhere stories live. Discover now