Der Bruch

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Verdammt,Lucifer!" Michael war außer sich über seinen großen Bruder."Wie konntest du das alles nur tun? Hast du jemals daran gedacht, was du Vater und uns- ja der ganzen Schöpfung damit antust?" Michael blickte seinen Bruder an. In seinem Inneren kämpften Abscheu über die Taten Lucifers mit seiner unermesslichen Liebe zu ihm. Er wusste nicht, welche Emotion am Ende die Oberhand gewinnen würde, aber er wusste, dass der Ausgang seines inneren Kampfes sein Verhältnis zu seinem Bruder auf ewig und unwiederrufbar ändern würde. Dann würde es nie wieder ein Zurück geben und das machte ihm Angst. Es machte ihm Angst? Er war der Befehlshaber der Himmlischen Streitkräfte. Er war der größte Kämpfer von allen. Jeder Engel folgte seinen Befehlen ohne auch nur zu zweifeln oder eine Frage zu stellen. Aber jetzt stand er hier seinem Bruder gegenüber und zweifelte, ja verzweifelte schier. Er fragte sich , ob die Gerüchte über Lucifer stimmten. Hatte er wirklich das Böse in die Welt gebracht und die Schöpfung gar verdorben? Er wollte, nein er konnte es nicht glauben.NICHT LUCIFER! Und doch, auch wenn er sich dagegen wehrte- tief in seinem Inneren wusste er, dass es die Wahrheit war.


Bruder,bitte..." Lucifer klang flehend. Sein Gesicht spiegelte die Qual,die Michael im Herzen trug. „Hör mir zu Bruder, bitte." Hier stand er, der Lichtbringer-der Verderber der Welt und bettelte seinen Bruder um Gehör an.

Luci,es gibt nur noch eine Möglichkeit für dich- für uns. Komm mit und bitte Vater um Vergebung. Wenn er sie dir gewährt, kann alles wieder werden wie früher:" Ein schwacher Hoffnungsfunken glomm in Michaels Augen auf . Durfte er noch hoffen?

Michael.Du weißt dass ich das nicht kann. Ich habe nichts falsches getan, es war Dad. Er hat den Kampf angefangen in dem wir treu an seiner Seite gekämpft haben. Er gab mir dieses Mal dass seitdem in meiner Seele brennt und mir Qualen bereitet. Es ist alles seine Schuld. Und jetzt soll ich noch um Vergebung dafür betteln? Niemals Michael. Sieh es doch ein. Er engte mich ein, wie er dich eingeengt hat. Er zügelt unsere Macht, da er Angst hat, wir könnten mit ihrer Hilfe nach Freiheit verlangen. Aber weißt du was? Er hat Recht. Und ich werde jetzt für meinen freien Willen kämpfen. Ich wünsche mir nur, nicht allein zu sein. Bitte komm mit mir mit. Wir zwei zusammen, wir könnten es schaffen. Du und ich gegen die Welt. Nichts könnte uns aufhalten."


Michael sah betrübt zu Boden. Er liebte seinen Bruder über alle Maßen.Aber er verlangte etwas, vor dem er aus tiefster Seele zurückschreckte.UNGEHORSAM? Die schwerste Sünde des Himmels. Ersollte seinen Vater verraten? Wen liebte er mehr? Wie konnte sein geliebter Lucifer ihn nur vor so eine Wahl stellen?


Luci,ich weiß du warst immer für mich da . Ich bin der Anführer der göttlichen Armee, und doch warst du es, der mich immer verteidigt hat. Aber ich kann nicht gehen. Ich habe meine Pflichten hier und ich werde gebraucht. Ich kann und werde Vater nicht verlassen. Aber ich bitte dich, vergiss was war und komm zurück."


Bruder,das kann ich nicht. Ich kann keine brave und gehorsame Marionette des Himmels sein. Wenn du nicht mitkommst, dann werde ich eben allein gehen müssen. Aber ich werde mein Herz hier lassen, denn dort wo ich hingehe, werde ich es nicht mehr gebrauchen können."Und nun senkte auch Lucifer seinen Blick und starrte wie sein Bruder zu Boden. So schienen sie eine Ewigkeit zu stehen, der eine der nicht bleiben konnte aber auch nicht gehen wollte, und der andere, der nicht folgen konnte, aber auch gehen wollte.


Irgendwann ging Lucifer dann zwei Schritte nach vorne, legte seine Arme um seinen kleinen Bruder und drückte ihn an sich. „Lebe wohl Michael." Mit diesen Worten drehte sich der Erzengel um und verließ den Himmel. Michael aber stand da, die Augen geschlossen und kämpfte mit den Tränen. Sein Herz zerriss, sein Körper fühlte sich an, als ob er in tausend Stücke gesprengt wurde und er war sich sicher, dass die ganze Welt mittlerweile in Schutt und Asche gefallen sein musste.Wie könnte sie auch nicht, da seine Welt in Trümmern lag?


Schlussendlich zwang er sich, die Augen wieder zu öffnen. Er sah seinen Bruder als Schemen am Horizont verschwinden. Die Welt war heil, es war nur sein Herz, dass in Scherben lag. Mit schweren Schritten drehte er sich um und ging, und mit jedem Schritt den er tat, entfernte er sich immer weiter von seinem Bruder.



Von Aurea







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⏰ Last updated: Jan 15, 2016 ⏰

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