Teil 1- Ankunft

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Vor drei Jahren ist es zum Ersten Mal passiert. Genaugenommen an meinem 13. Geburtstag. Plötzlich spürte ich an diesem so milden Tag einen merkwürdig kalten Luftzug. Dann verlor ich den Boden unter meinen Füßen und fiel. Fiel in eine scheinbar bodenlose Tiefe. Mein eigenes Schreien drang nur wie durch dicke Nebelwände zu mir. Sehen konnte ich nicht viel. Fast wirkte es als fiele ich durch eine Röhre. Eine unwirkliche Röhre mit goldenen und weißen Streifen. Ich weiß bis heute nicht wie lange ich damals fiel. Nach einer gefühlten Ewigkeit in Panik landete ich schließlich unsanft auf dem Bauch. Etwas benommen versuchte ich mich zu orientieren. Was um alles in der Welt war passiert? Wo war ich. Verwundert spuckte ich einige Sandkörner aus. Ich war in heißem, rotbraunem Wüstensand gelandet, wie es aussah. Ich beeilte mich, auf die Beine zu kommen, denn die Hitze wurde langsam schmerzhaft. Etwas benommen vom Sturz schaute ich mich um. Unter der sengenden Sonne konnte ich erkennen, dass ich auf einer hohen Düne stand. Weit und breit nur Sonne und Sand. Halt, nein. Dort hinten flimmerten die Umrisse einer Stadt. Ohne groß nachzudenken, lief ich die Düne hinunter. Gerade aus war das jedoch kein Unterfangen, das von Erfolg gekrönt sein würde. Ich versackte immer tiefer im heißen Sand. Also begann ich Slalom zu laufen. Nun rutschte ich nicht mehr so furchtbar nach unten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht realisiert, was eigentlich mit mir passiert war.

Am Fuß der Düne angekommen musste ich erst einmal inne halten und tief Luft holen. Die trockene Hitze zehrte schwer an meinen Kräften und obwohl ich noch nicht lange unterwegs war, hatte ich unglaublich Durst bekommen. Was hätte ich in dem Moment nicht für ein Glas voll kühlem, frischem Wasser gegeben. Doch es half nichts. Ich musste weiter.

Es verging eine weitere Ewigkeit ehe ich mich auf einer breiten, staubigen Straße wiederfand. In einer schmalen Gasse fand ich etwas Schatten. An eine Hauswand gelehnt glitt ich nach unten. Es war so unerträglich heiß hier. Wo zum Henker war ich gelandet? Vor allem: Wie war ich hier her gekommen? Eigentlich wartete ich darauf, aufzuwachen. Oder klingt mitten in der Wüste landen, das Gefühl haben zu Verdursten und in einer fremden Stadt allein zu sein nicht nach einem Albtraum? Ich wartete, doch nichts passierte. Statt aufzuwachen hörte ich Stimmen. Die gesprochenen Worte hörten sich eigenartig an. Definitiv nicht Deutsch. Das erschreckte mich, machte mich aber in selben Maße neugierig. Erschöpft, aber wissbegierig kroch ich so weit vor, dass ich um die Ecke schauen konnte. Was ich sah, überraschte mich. Da liefen Männer und Frauen geschäftig auf und ab. Vorhin musste ich sie vor Erschöpfung einfach übersehen haben. Einige hatten Körbe dabei, andere führten Esel, die zweirädrige Holzkarren über die grob gepflasterte Straße zogen. Was für komische Klamotten die Leute trugen! Gut, die Frauen konnten sich einiger Maßen sehen lassen. Sie trugen schlichte Kleider. Die meisten waren barfuß oder mit einfachen Sandalen aus Lederriemen unterwegs. Doch die Männer trugen gefaltete Röcke. Ich schüttelte den Kopf. Röcke! Pfff, was war das bitte für ein Traum? Doch dann erinnerte ich mich an die Bilder aus dem Geschichtsbuch. Das sah hier wirklich sehr nach einer Stadt im alten Ägypten aus. Schon ein seltsamer Traum, der schlagartig sehr echt zu werden begann. Einige Menschen standen da und zeigten aufgeregt auf mich. Bevor ich wusste wie mir geschah wurde ich von oben von zwei starken Männern gepackt und auf die Beine gezogen. Sie sagten etwas, doch ich verstand rein gar nichts. Ich konnte noch nicht einmal den Tonfall deuten. Zeit, sie genauer zu betrachten hatte ich nicht, denn sie schoben mich in ihrem eisernen Griff durch die Straßen. Die Gedanken in meinem Kopf begannen zu rasen. Was machten die jetzt mit mir? Ich musste fast wie ein Außerirdischer auf sie wirken, denn mit meiner hellen Haut und meinen modernen Klamotten stach ich ziemlich aus der Masse heraus. Wurde ich den Löwen vorgeworfen, oder den Krokodilen? Ich drehte den Kopf und stellte fest, dass die beiden Bodybuilder, die mich gepackt hatten, Speere dabei hatten und weiße Kopftücher trugen. Palastwachen vielleicht? Unser Weg führte uns durch viele Marktstände, an denen die unterschiedlichsten Waren dargeboten wurden: Lebensmittel, Gewürze, aber auch bunte Stoffe und Schmuck. Dem allen schenkten die Wachen keine Beachtung. Auch die Leute, die verwundert stehen blieben und mich anstarrten, ließen sie links liegen. Schließlich zerrten sie mich eine lange Treppe hoch und durch eine von weißen Säulen gesäumte Halle. An dessen Ende wurde eine riesige Flügeltür von zwei weiteren Männern aufgeschoben. Dahinter folgte ein monströser Saal. An dessen Ende saß eine junge Frau in einem feinen weißen Kleid mit wunderbarem schwarzem Haar auf einem goldenen Thron. Dienerinnen fächelten ihr mit großen Fächern Luft zu. Die Wachen, die mich hergebracht hatten, ließen mich los und fielen auf die Knie. Die junge, schöne Frau bedeutete ihnen mit einer gebieterischen Handbewegung, wieder aufzustehen. Sie sprachen wieder etwas in dieser merkwürdigen Sprache, worauf hin sich die Frau erhob und zu uns trat. Direkt vor mir blieb sie stehen und musterte mich von Kopf bis Fuß. Dann ließ sie ihre Finger durch meine rot-blonden glatten Haare gleiten und berührte den Stoff meines T-Shirts und meiner Jeans. Sie umrundete mich, blieb dann wieder vor mir stehen. Offensichtlich spürte sie meine Anspannung, die Angst davor, was als nächstes passieren würde. Eine Hand hob sie an mein Kinn, mit der anderen strich sie mir zärtlich über die Wange. Mit sanfter Stimme begann sie zu sprechen. Doch ich konnte sie nur fragend anschauen. Im nächsten Augenblick wurde mir schwarz vor Augen.








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