Mit Mühe hatte ich mich am frühen Morgen nach Hause geschleppt. Das Auto fahren viel mir sichtlich schwer, aber in mir wuchs mehr und mehr der Drang einfach nur weit weg von hier zu kommen. Seit dem ich mich übergeben hatte, war die Kraft die der Trank auf mich eingewirkt hatte verloren gegangen. Meine Gedankenwelt war nun wieder klar, was die Situation aber nicht besser machte. Im Gegenteil, es bereitete mir Sorgen, dass so ein einfach Trank solche Gefühle in mir hervorwecken konnte. War es möglich das tief in mir das Böse schlummerte und nur darauf wartete das endlich ein Dämon in mich fuhr, damit es seine Fantasien ausleben konnte. Wütend auf mich selbst umfasste ich das Lenkrad bis mir die Hände schmerzten. Ich fuhr viel zu schnell über die Straßen, doch im Moment war mir das alles egal.
Einige Stunden später erreichte müde unser Haus. Es war bereits 10.00 Uhr und die Welt war bereits erwacht. Ich parkte unser Auto vor der Garage und streckte meine leicht verkrampften Glieder, dabei viel mein Blick wieder auf das Nachbarhaus, in das die neuen Nachbarn gezogen waren. Vor dem Haus stand sie. Eine junge Frau, wahrscheinlich in meinem Alter mit wirklich langem blonden Haar. Wie ein Engel, dachte ich für einen Moment. Als ich verstand was ich gerade gedacht hatte strich ich mir über das Gesicht. Ich war eindeutig viel zu müde. Ich drehte mich von ihr, erstarrte jedoch als ihre helle warme Stimme ertönte "Hey Nachbar!", rief sie. Mit hochgezogener Augenbraue drehte ich mich um. "Was?", fragte ich kalt. Die junge Frau war unbeeindruckt und kam langsam auf mich zu "Ich bin Kelly, wir sind hier vor ein paar Tage eingezogen.", erklärte sie überflüssigerweise und reichte mir ihre Hand. Argwöhnisch blickte ich auf ihre Hand, bewegte mich jedoch nicht, sondern sah wieder in ihr wirklich hübsches Gesicht. Sie ließ ihre Hand sinken, verlor aber nicht das Lächeln aus ihrem Gesicht. "Wie heißt du?", fragte Kelly noch immer fröhlich, während ich innerlich seufzte. Eine Freundschaft mit ihr würde ihren Tod bedeuten. Mein Vater würde es nie akzeptieren und würde mein Bruder herausbekommen das es etwas gab, dass mir etwas wirklich bedeutete würde er sie zerstören. Kelly sah mich erwartungsvoll an "Hat es dir die Sprache verschlagen?", hakte sie nach und ich seufzte "Tut mir leid Kelly, aber ich bin kein Nachbarschaftstyp.", antwortete ich und drehte mich um, um zu gehen. Kelly lachte leise "Muss ich jetzt Angst haben verflucht zu werden?", fragte sie amüsiert. Überrascht drehte ich mich zu ihr um "Wie kommst du darauf?", fragte ich und versuchte möglichst unbehelligt zu wirken. Kelly grinste "Oh bitte, ihr habt zwar Schutzschilde aufgestellt, aber wirklich Mühe sie unsichtbar zu machen gebt ihr nicht.", erklärte sie. Sofort wusste ich was ich vor mir hatte. "Du bist eine Hexe?", fragte ich nun weniger überrascht. Kelly nickte "Und du ein Hexer... wir stammen aus der selben Familie ab.", meinte sie fröhlich. Nun war ich derjenige der lachte, aber es war ein eher freudloses Lachen. "Wärst du in unserer Familie, wüssten wir bereits alles über euch.", sagte ich und ging nun diesmal endgültig.
Im Haus angekommen erwaretete mein Vater mich bereits "Wer ist sie Eric?", fragte mein Vater. "Nur unsere neue Nachbarin, sie wollte sich vorstellen... Du kennst doch die Sterblichen und ihre Gewohnheite.", sagte ich und ging zur Treppe um auf mein Zimmer zu gehen. Ich verschwieg mit Absicht das Kelly eine Hexe war. Sie konnte nur eine weiße Hexe sein, was bedeutete das sie unser Gegner, ja sogar unser Feind war. Ich wollte sie schützen, wollte nicht das meine Familie ihr etwas tat. "Wie war eigentlich der Sabbat mein Junge?", rief mein Vater mir noch hinterher. "Aufregend!", antwortete ich und zog mich in mein Zimmer zurück. In meinem Zimmer warf ich mich auf mein Bett und betrachtete die weiß gestrichene Decke. Mir war bewusst, dass Kelly noch einmal Kontakt mit mir aufnehmen würde. Einerseits freute mich das, andererseits fürchtete ich mich vor den Konsequenzen. Selbst wenn ich es vor meiner Familie geheimhalten konnte. Was würde nach meiner Hexenweihe passieren? Es könnte passieren das ich dann die Gefahr für sie darstellte. Nachdenklich und erschöpft schlief ich auf die Decke starrend ein, wobei ich mir einbildete das Gesicht von Kelly in dem Muster der Rauhfasertapete zu erkennen.
Ich verschlief den ganzen Tag und erwachte erst als sich die Welt verdunkelte und sich von seiner schönen Seite zeigte. Die Nacht war eine sehr angenehme Tageszeit. Wie ich so im Sand lag, hörte ich ein leises klimpern neben mir. Ich blickte mich nach rechts um und sah Kelly auf mich zu kommen. Sie trug ein langes weißes Strandkleid und an ihrem rechten Bein klimperte ein kleines Glöckchen das an einer zarten Kette hing. Kelly wirkte auf mich wie ein Engel in der Nacht, ein Licht in der Dunkelheit die mich umgab, während ich hingegen mit meinen dunklen Klamotten mit der Schwärze verschmolz. Auf einmal kam mir alles um mich herum so schrecklich dunkel vor, nur sie leuchtete in der Nacht. "Hallo Unbekannter...", grüßte sie mich freundlich, obwohl ich sie doch erst heute morgen hatte stehen lassen. Ich rieb mir die Augen und sah zu ihr auf "Was machst du hier mitten in der Nacht?", fragte ich ruhig und setzte mich auf. Kelly setzte sich neben mich und grinste "Das selbe könnte ich dich fragen." Ich verdrehte die Augen und wollte aufstehen um zu gehen, da spürte ich einen sanften Druck auf meinem rechten Unterarm. Verwirrt sah ich zu Kelly. Sie blickte mir tief in die Augen. "Wieso flüchtest du schon wieder vor mir?", fragte sie. In ihrem Blick lag soviel Sanftmut das es mir einfach die Sprache verschlug. Ich merkte immer mehr wie sie sich in meine Seele schlich, doch es durfte nicht sein. Kelly steht auf der falschen Seite oder ich, aber es gab keinen Weg für mich auf ihre Seite zu kommen. Das Böse steckt in mir, steckt in meiner Familie und mein Dämon würde sie töten, täte es niemand anderes.
"Wovor fürchtest du dich? Vor Freundschaft, vor Gefühlen?", bohrte sie weiter. Ich schüttelte ihre Hand von meinem Arm. "Du solltest dich eher vor mir fürchten.", sagte ich doch meine Drohung klang schwach. Kelly grinste zu meiner Bestätigung. Ich seufzte leise "Kelly bitte...", setzte ich an, stockte jedoch als sie zu Lächeln aufhörte als ich ihren Namen aussprach. Ich fühlte mich so seltsam. Mein Magen drehte sich, aber mir war nicht schlecht. Mich überkam der Drang Kelly in die Arme zu schließen, sie einfach nur zu berühren. Schnell unterdrückte ich den Drang und entfernte mich rückwärts von ihr. Drehte mich erst nach einigen Schritten um, nur um dann rennend zum Haus zurück zukehren.
Zügig schloss ich die Haustür und lehnte mich gegen sie. Dann spürte ich einen Luftzug und einen brennenden Schmerz auf meiner Wange. Leicht zuckte ich zusammen und sah mich nach dem Verursacher um. Mein Vater stand vor mir, mit gerötetem Gesicht und einer verdammten Wut im Bauch. "Wo bist du gewesen?", schrie er. "Darf ich nicht mal mehr ohne Erlaubnis vor die Tür?", protestierte ich. Sofort bekam ich die nächste Ohrfeige. "Beantworte meine Frage Eric!", brüllte er schon fast. "Ich war am Strand spazieren.", murmelte ich mürrisch. Mein Vater ging einige Schritte auf und ab "Casu erzählte mir das du dich gesundheitlich nicht in der Lage gefühlt hast, den Sabbat zu beenden, ist das korrekt?", fragte er weiter, doch er wusste die Antwort bereits. "Ja Vater...", gab ich monoton zurück. Mein Vater hob die Hände über den Kopf und fluchte wild umher "Bei allen Dämonen dieses Universums schaffst du es nicht einmal dich zusammen zu reißen?! Ich habe deine Ausrede gedeckt um die Ehre unserer Familie zu schützen, aber ich warne dich Eric, noch ein Verstoß gegen meine Regeln und Aufträge und ich werde dich für ein Jahr in den Fuchsbau verfrachten! Habe ich mich da klar ausgedrückt?!", brüllte er noch immer. "Ja Vater...", antwortete ich. Nach diesem Gespräch durfte ich in mein Zimmer zurückkehren und setzte mich dort auf den breiten Fenstersims. Von hier aus konnte ich auf den Strand und das Meer sehen. Als ich den noch klebenden Sand an mir bemerkte ertappte ich mich dabei darüber nachzudenken wie es sein würde mit Kelly zusammen zu sein. Würde sie mich akzeptieren wie ich war?
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Black Magic - Mein böses Ich
FantasyEric wächst in einer schwarzmagischen Familie auf, deren größter Genuss es ist andere zu foltern, zu quälen und zu töten. Seine Familie ist ein alter Hexenclan, der dem Herrn der Unterwelt dient. Mit seinem 21. Lebensjahr soll Eric offiziell in den...
