Der Sommer war beinahe vorbei.
Marie packte alles, auch das Surfbrett, in den Landcruiser, flocht ihre langen braunen Haare zu einem Zopf, den sie dann abschnitt und sagte auf Wiedersehen zu den Großstadtlichtern von Sydney.
Das Praktikum hatte sie hinter sich, die große weite Welt lag vor ihr, Deutschland war auf der anderen Seite der Erde und der Landcruiser eine Legende. Das beste Auto der Welt. Alt, aber eben ein Landcruiser. Der Langhaarige hatte ihr Geld angenommen, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht war es ein bißchen naiv gewesen, so viel zu bezahlen, aber eine Legende hat eben ihren Preis. Außerdem hatte in ihrem Traum so ein Wagen vor der Haustür gestanden.
Natürlich bedeutete dieses Auto nur Ärger. Die Temperaturanzeige stand ständig auf ROT und Marie fragte sich, was das zu bedeuten hatte. Vielleicht war sie ja kaputt.
An der ersten Tankstelle nach Dubbo hielt sie an. Der Zapfer in der Bar, der gleichzeitig der Tankwart und der Mechaniker und der Besitzer war, schaute ungläubig auf das Auto. Aus der geschlossenen Motorhaube kochte das Kühlwasser. Es kochte heftig. Aus jeder Öffnung blubberte Kühlflüssigkeit und es hörte gar nicht mehr auf. "Laß das Ding erst mal abkühlen! Vorher verbrennt man sich ja die Finger dran!" sagte er und zeigte auf einen Gartenschlauch, der tatsächlich angeschlossen war. Mit kostbarem kaltem Wasser, na ja, wirklich kalt war es nicht, aber im Vergleich zu der Kühlflüssigkeit dann doch, spritzte Marie den Kühler an, bis das Blubbern aufhörte.Der Tankwart schlug ihr vor, nach Dubbo zurückzufahren und eine Werkstatt zu konsultieren. Marie wollte aber lieber nach Cobar weiterfahren, vielleicht da mal sehen, was kaputt war.
Es war zweiundvierzig Grad im Schatten.
(Welcher Schatten?)
Kurz darauf gab der Cruiser seinen Geist auf.
Ein kleiner dicker Mann und seine große dicke Frau waren die ersten, die anhielten, als Marie im Auto mit geöffneter Motorhaube am Straßenrand saß und eine Zigarette rauchte. Mit laufendem Motor rollte deren nagelneuer Maverick neben Maries Fahrerseite und die dicke Frau vergewisserte sich zunächst, dass Marie allein und ungefährlich war. Wer allerdings konnte so etwas schon auf den ersten Blick sagen? Es geschahen genug üble Wegelagereien im Outback. Das seltsame Paar entschied aber, dass hier ein ernsthafter Notfall vorlag. Der Mann warf einen Blick unter die Motorhaube.
"Das ist das erste Mal, dass ich etwas SO heftig kochen sehe! Wie lange blubbert das denn schon so?" Marie zuckte nur mit den Schultern. Der Mann schüttelte den kleinen Kopf, der sich auf dem fleischigen Hals kaum bewegte. "Es sieht ganz so aus als hätte da schon mal jemand dran herumgepfuscht! Da ist ja SO EIN TEIL abgefallen, und das hier ist geschmolzen, und WAS IST DAS DENN HIER? das habe ich ja so noch nie gesehen, oh Mädel, das ist hoffentlich nicht DEIN Auto, sonst hast du ein echtes Problem, es könnte sein, dass da GAR NIX mehr mit los ist...Mit so einem Ding fährt eine Frau doch nicht alleine rum!"
Sie schleppten den Cruiser nach Cobar ab.
Marie verbrachte eine Woche damit, in einer Werkstatt schwitzenden Mechanikern bei der Arbeit zuzuschauen. Ihre Freunde erwarteten sie wohl schon in Broken Hill, aber anrufen klappte irgendwie nie.
Ausserdem war es hier auch schön.
"Mensch, ist der HÄSSLICH! Das muss der hässlichste Landcruiser sein, den ich je gesehen habe! Nicht nur das Modell, und dann ist es auch nicht diese kackbraun-beige zweiteilige Lackierung, es ist auch nicht nur diese unglaubliche STOSSSTANGE mit dem Bullbar, nein, an diesem ganz speziellen Fahrzeug ist irgendetwas, oder auch einfach ALLES, was mir nur ein Wort in den Kopf schießen läßt: UGLY!"
Das hatte der Obermechaniker gesagt, bevor er sich an die Reparatur begeben hatte. Und damit hatte Ugly seinen Namen bekommen.
Marie war sonnenverbrannt bloß von der Sonne, die durch das geöffnete Werkstatttor schien. Fühlte sich beinehe australisch. Glaubte sie zumindest. Wie fühlt man sich australisch? Ihr gingen Gedanken durch den Kopf wie
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Marie
AdventureMarie reist auf eigene Faust durch Australien und gerät dabei von einem Abenteuer ins nächste. Ein bißchen autobiografisch, wie ich zugeben muss. Diese Geschichte habe ich vor mehr als 20 Jahren zu schreiben begonnen, es gab also noch nicht diese Sm...
