Kapitel 6

227 13 0
                                        

Nach etwa drei Stunden geht es mir schon zumindest so gut, dass ich aus meinem Zimmer gehe, um mir etwas zu trinke zu holen. In diesem Haus ist es echt schwierig etwas zu finden, da es so riesig ist. Ich stoße auf jemanden, den ich noch nicht kenne. Ich schätze er ist auch einer meiner Brüder, da er schwarze Haare wie Christian hat und grüne Augen. Vielleicht is ja der älteste Sohn. "Wer bist du? Bist du schon wieder eine neue Freundin von einem meiner Brüder?", fragt er mich etwas schroffer als benötigt. Gerade als ich antworten will, kommen die Zwillinge und schlingen jeweils einen Arm um meine Schulter und sagen: "Na, da schau her. Auch mal wieder zu Hause, Stefan? Begrüßt man so etwa seine kleine Schwester?" Stefan schaut mich an und meint: "Entschuldige. Ich wusste nicht, dass du heute kommen wolltest, sonst wäre ich zu Hause geblieben, um dich zu begrüßen. Ich dachte, du wolltest erst morgen kommen. Mir hat niemand gesagt, dass du heute hier ankommen würdest." "Kein Problem. Ich bin auch so herzlich begrüßt worden.", entgegne ich darauf hin. "Da bin ich ja froh. Und entschuldige wegen vorhin, ich wusste ja nicht, dass das du warst.", entschuldigt sich mein großer Bruder.

Nachdem alles geklärt worden ist, gehen wir gemeinsam ins Wohnzimmer, um uns alle besser kennenzulernen. Während Stefan, Thomas und ich uns unterhalten, geht Niklas die anderen holen, damit sie uns Gesellschaft leisten und auch etwas über sich erzählen können. Stefan erzählt mir, an was er gerade schreibt und ich bin erstaunt darüber, wie schnell er sich neue Geschichten ausdenken kann. Ich wäre nicht in der Lage, so schnell eine Geschichte zu schreiben, zumal ich nicht besonders gut in Geschichten schreiben bin. Gerade schreibt er an einem Roman, und ich denke, ich werde mir mal ein Buch von ihm kaufen, damit ich weiß, wie er so schreibt.
Thomas erzählt von seinen und Niklas' Beruf als Synchronsprecher. Und das sie schon seit vier Jahren Synchronsprecher sind. Was ich total bewundere, ist, dass sie bereits mit vierzehn diesen Beruf ausüben. Mit vierzehn! Normale Teenager in diesem Alter treffen sich entweder mit Freunden oder bleiben einfach daheim. Aber diese beiden sind wohl nicht so wie andere.
Gerade als Thomas fertig erzählt hat, kommen auch schon die anderen zu uns.
Auch sie erzählen was von ihrem Leben und schließlich bin ich an der Reihe.
Ich habe nicht wirklich viel zu erzählen, da sie das meiste schon wissen. Trotzdem erzähle ich ihnen alles, was mir bisher passiert ist. Als ich auf ihre Mom zu sprechen komme, dass sie mir mein Leben schwer gemacht hat, bemerkt Jan: "Ach ja, unsere Mom. Die ist schon immer etwas eigen gewesen, glaub mir, Nicki. Sie hat bis jetzt allen das Leben schwer gemacht, oder warum glaubst du sind wir alle hier? David ist doch gerade mal sieben. Eigentlich dürfte er noch gar nicht ausziehen, aber da alle hier leben, konnten wir unsere Mom dazu bringen, ihn auch bei uns wohnen zu lassen. Denn wir wollten nicht, dass er auch so viel durchmachen muss wie wir. Wir haben immer alles selber machen müssen und die Aufgaben, die eigentlich sie hätte machen müssen, haben schließlich wir übernommen. Und da haben wir uns einfach mal gedacht 'Warum ziehen wir nicht gleich alle zusammen? Nur wir Brüder. Keine Mom, die uns ihre Arbeit erledigen lässt und sowieso nie für uns da ist.' Und da sie eben nie zu Hause gewesen ist, sondern immer mit anderen Männern ausgegangen ist, ist es für sie auch kein Problem gewesen, uns alleine wohnen zu lassen." Also bin ich nicht die einzige, die so behandelt wurde. Aber trotzdem. Wie kann eine Mutter sich nur so schlecht um ihre eigenen Kinder kümmern?
Eines will ich dennoch wissen: "Habt ihr denn alle den gleichen Dad, oder habt ihr verschiedene?" Christian antwortet mir: "Nein wir haben nicht alle den gleichen Vater. Max und Julian haben den gleichen Vater. Und natürlich die Zwillinge, aber alle anderen haben unterschiedliche Väter." Ich bin entsetzt. So viele verschiedene Väter. Und ich bin nicht einmal Blutsverwandt mit ihnen! Ich bin die totale Außenseiterin hier! Ich bin doch in dieser Familie, weil mein Dad die Mutter dieser gutaussehenden Jungs geheiratet hat! Gutaussehend? Was denk ich bloß!? Ich bin die ganze Zeit ein Einzelkind gewesen und jetzt habe ich auf einmal gleich zwölf neue Geschwister! Aber das schlimmste: Ich passe gar nicht hier her. Diese Erkenntnis macht mich traurig. Anscheinend haben es auch die anderen bemerkt, denn einer meiner Brüder spricht mich darauf an: "Was ist los? Du bist auf einmal so still." Voller bedauern antworte ich: "Mir ist nur soeben klar geworden, dass ich gar nicht hier her passe. Ich bin nicht mal Blutsverwandt mit euch oder gar Verwandt. Ich bin nur durch die Heirat unserer Eltern zu eurer Schwester geworden. Ihr alle habt zwar verschiedene Väter, aber zumindest die gleiche Mutter. Und ich? Ich hab einen Vater, der nie da ist wenn ich ihn mal brauch, eine Mutter, die mich hasst und Brüder, die eigentlich nicht meine richtigen Brüder sind!?" Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich während des Redens angefangen habe zu weinen, aber jetzt spüre ich meine heißen Tränen meine Wangen herunterrinnen. Alle schauen mich besorgt an und das halte ich einfach nicht länger aus. Ich springe auf und laufe direkt in mein Zimmer und sperre meine Zimmertür zu, da ich im Moment alleine sein wollte. Obwohl ich die anderen meinen Namen rufen höre und auch Schritte, werf ich mich ins Bett und versuche sie zu ignorieren. Dezent nehme ich noch wahr, wie jemand an meine Tür klopft, aber das ist mir egal, da ich mich unter meine Decke verkrochen habe. Ich versuche alles um mich herum auszuschalten und schließlich schaffe ich es auch, einzuschlafen.


Verbotene LiebeWhere stories live. Discover now