Kapitel 8

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Die Fahrt war holprig und wir wurden auf den harten Holzsitzen ordentlich durchgerüttelt. Mit Erleichterung hatte ich festgestellt, dass Mara ebenfalls den Grünen zugeordnet worden war.

"Hast du gesehen welche Farben es noch gab?" flüsterte ich ihr zu.

"Ich habe noch eine rote und eine lila-farbene Tür gesehen." antwortete sie mir in dem gleichen Flüsterton und zuckte dabei mit ihren Schultern. "Sie haben uns übrigens einen Chip in den Arm gedrückt, hier fühl mal." Sie hielt mir den Arm hin und ich strich mit den Fingerspitzen über ihre Armbeuge. Ich spürte eine leichte Erhebung. Der Chip musste circa einen Durchmesser von 2mm haben und war kreisrund.

"Stimmt!" jetzt betastete ich auch meinen Arm und auch dort spürte ich die kleine Erhebung.

"Langsam bekomme ich echt Angst." Maras Stimme war nur noch ein Wispern. Sie rückte ein Stück näher an mich heran und so saßen wir den Rest der Fahrt da, froh einander zu haben.

Als der Wagen endlich zum Stehen kam wurde die Plane vor der Öffnung weggezogen und ein Soldat mit einer Waffe trat in das helle Licht, das uns plötzlich ins Gesicht schien.

"Raus hier, los los los!" bellte er mit heisere Stimme und gab jedem Mädchen, das aus dem Wagen sprang einen ungeduldigen Schubs.

Als ich an der Reihe war blieb ich einen Moment stehen um mich zu orientieren, woraufhin mich der Soldat mit einer unsanften Berührung weiterstieß. Fast wäre ich gestürzt, doch ich konnte mich gerade noch so halten und stolperte einige Schritte über den Betonboden. Um uns herum war weit und breit nichts. Eine Betonfläche und ein blauer Himmel. Nur vor uns standen einige Militärflugzeuge, in die man uns bedeutete einzusteigen. Drinnen gab es für jeden einen Sitz mit einem Gurt und eine Stimme, die aus den Lutsprechern tönte, erklärte uns wie wir uns anschnallen sollten. Dann hoben wir ab und flogen davon. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr, doch der Flug kam mir ewig vor. Nach einiger Zeit schlief ich ein und als ich aufwachte setzte das Flugzeug gerade zur Landung an.

Ich richtete mich auf und blickte zur Seite, wo Mara saß und mich mit einem Grinsen ansah.

"Na gut geschlafen?" fragte sie.

"Wie lange hab ich geschlafen?" anteortete ich mit einer Gegenfrage.

"Drei Stunden waren es bestimmt."

Ich nickte. Dann waren wir wohl ungefähr vier Stunden geflogen. Der kurze Schlaf hatte mir gut getan. Ich fühlte mich jetzt um einiges besser und ausgeruhter als zuvor.

Das Flugzeug setzte zur Landung auf und schon wenige Sekunden später öffnete sich die große Klappe. Alle Mädchen öffneten ihre Gurte und standen auf. Ich strich mein Kleid glatt und folgte ihnen nach draußen. Diesmal empfang uns kühle Luft. Ein Wind wehte und ließ uns frösteln.

Ich blickte auf und sah, dass wir uns vor einem großem Berg befanden. Nur wenige hundert Meter weiter befand sich ein großer Bogen, hinter dem sich ein großes Loch im Bergmassiv befand. Es war durch große Eisentüren gesichert, welche jetzt jedoch weit geöffnet waren. Mit einem kurzen Blick über die Schulter sah ich einen großen Stacheldrahtzaun, der soweit das Auge reichte um den Berg herumführte. Überall standen Soldaten in Uniformen, die bis an die Zähne bewaffnet waren.

"Willkommen Grüne!" tönte plötzlich eine Stimme aus dem Nichts. Einige zuckten zusammen, denn niemand hatte den kleinen, dickbäuchigen Offizier gesehen, der nun an unsere kleine Gruppe herangetreten war. Trotz seiner geringen Größe hatte er eine laute Stimme.

"Ihr seid hier um dem System Dienst zu leisten. Dazu wurden sie vorhin in Gruppen eingeteilt. Wie sie bestimmt breits bemerkt haben, tragen sie alle eine grüne Makierung. Das bedeutet Garten- und versorgungsarbeit." Die letzten beiden Worte spuckte er verächtlich aus. "Ihre genauen Anweisungen erhalten sie morgen früh nach Sonnenaufgang. Für heute sind sie freigestellt und nun bitte ich sie mir zu folgen, damit ich Ihnen ihre Unterbringung zeigen kann."

Mit einem Ruck drehte er sich um und maschierte auf den Eingang im Berg zu. Ein Murmeln wurde unter den Mädchen laut und eine Stimme fragte: "Verpflegung für wen?"

Der Offizier drehte sich um und ließ seinen Blick über die Menge schweifen. Seine Argusaugen betrachteten jede einzelne, bevor er antwortete: "Für die Soldaten natürlich, wen sonst. Mehr Soldaten, mehr Hilfskräfte."

Und plötzlich verstand ich. Panisch drehte ich mich zu Mara um. "Die Jungs!" flüsterte ich ihr heiser zu. "Sie werden zu Soldaten gemacht!" Maras Augen weiteten sich als sie begriff.

"Aber warum aus Area 7?" fragte ich. Es gab noch so viele andere Areas, warum dann ausgerechnet aus den höher gestellten Areas? Oder wurden diese schon eingezogen? Das würde eine riesige Armee ergeben. Wozu brauchten sie so viele Soldaten? Die Gedanken kreisten in meinem Kopf, während ich wie automatisch dem Offizier folgte.

Er brachte uns in einen Schlafsaal in dem viele Betten nebeneinander standen. Mara und ich suchten uns zwei Betten aus, die im hinteren Teil des Raumes standen und nebeneinander lagen. Auf jedem Bett lag ein Kopfkissen und eine Decke, die Bezüge lagen auf dem Nachttisch daneben. Ich legte meinen Leinensack auf das Bettende und setzte mich daneben. 


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⏰ Last updated: Oct 15, 2015 ⏰

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