Prolog: Is it my End?

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Wunderschön, wie kleine Kristalle, zerstreuten sich die glitzernden Lichtpunkte in alle Himmelsrichtungen, als der tobende Himmel langsam den frohlockenden Sonnenstrahlen wich, welche den braunhaarigen Jungen in ihr warmes Licht hüllten.
Eine lange Schwertspitze ragte aus Makkuros Rücken empor und ganz allmählich sog sich das, einst so helle, weiß seines Hemdes mit dunkelroter Farbe voll.
Dumpfe, weit entfernt scheinende Schmerzen pulsierten durch seine Glieder, seinen Adern. Nur sickernd nahm er die Schönheit des Sieges wahr - realisierte kaum, dass es schon vorbei war. Denn tiefe, ja unendlich tiefe Schwärze flackerte ständig vor seinen müden Augen auf. Die Dunkelheit versuchte den Jungen in ihr undurchdringliches Tuch einzuwickeln, wollte ihn gar nie wieder freigeben - und irgendwo, im hintersten Eck seines Bewusstseins wisperte sie mit liebreizender, honigsüßer Stimme auf ihn ein, "Lass dich fallen... Fall... Lass dich... Fallen." Das Wispern wurde immer dichter, immer verwirrender, glich einem unregelmäßigen Summen - bis sich letztlich eine weitere und doch glasklare Stimme einmischte, die meinte, dass sie diese Höllenschmerzen lindere - die quälende Gelähmtheit verpuffen ließe. Und so fiel er in die zittrigen Knie, beugte sich erschöpft nach vorne und stützte sich mit seinen aufgeschürften Handflächen in dunkelroter Flüssigkeit ab. Und auch wenn Makkuro dem lieblichen Stimmchen in seinem Kopf nur allzu gerne nachgegeben hätte, so schloss er seine bleischweren Augenlider nicht.
Er konnte einfach nicht.
Er wollte auch nicht.
Er wusste nämlich genau was dann passieren würde! Stattdessen starrte der Junge in ein Bild herab, das wohl sein eigenes, schmutziges Anlitz projizieren sollte. Doch er vormochte sich kaum darin wiederzuerkennen. Nur ein von Schmerzen geplagtes Gesicht - mit unends verzerrter Grimasse - stach ihm in seine himmelblauen Äuglein. Unzählige, dünne Rinnsale seines Lebenssaftes liefen die verschmutzte Haut des gequälten Anlitzes entlang. Zuhauf sammelten sie sich an der Nasenspitze - dem Kinn, den mit Blut benetzten Lippen und formten sich langsam. Ganz gemächlich, wie der unschuldige Tau von den Blättern, perlten dann dicke Blutstropfen ab. Mit einem kaum wahrnehmbaren plätschern landeten die Tropfen schlussendlich in der Blutlache über die Makkuro sich gebeugt hielt - sie ließen das schreckliche Bild, in das er fortwährend starrte, einen Moment lang verschwimmen, nur damit es sich neu bildete, um kurz darauf wieder zerstört zu werden. Alles um den Jungen herum schien sich zu drehen, während alles in seinem Körper leise vor sich hin brannte, ja, alles schien so falsch und surreal. Ständiges Keuchen entwich seiner heißeren, trockenen Kehle. Die Luft schien ihm immer knapper und knapper zu werden, obwohl sich unmengen davon um ihn herum befand. Und die Dunkelheit wollte immer noch Besitz von ihm ergreifen, versuchte gewaltsam die rastlose Seele in seinem Innern herauszuzerren, damit sie ihren Frieden fand. Er ballte beider seiner Hände zu Fäusten. "Lass mich... Lass mich in Ruhe...!", nur geflüstert und doch voller Entschlossenheit kamen ihm diese Worte über die Lippen. Er hoffte inständig, dass die Finsternis verschwand - was sie natürlich nicht tat. Doch plötzlich erhallten in seinen trüben Gedanken einzelne Wortfetzen, "...Verfluche dich... Ich werde wieder...", er konnte die Worte im ersten Moment niemandem zuteilen - bis sich vor seinem inneren Auge das Abbild des Mannes bildete, der an dieser Apokalypse schuld trug. Der Mann lachte. Lachte laut und inbrünstig. Lachte voller Hohn über den unschuldigen Jungen. Dann sah Makkuro sich selbst und wie sie sich gegenseitig das Schwert in die Brust jagten. Mit einem Mal kehrte sein Verstand wieder, doch mit dieser Rückkehr nahm er all die Schmerzen war - so klar und deutlich wie sie es noch nie zuvor gewesen waren. Der Braunhaarige krümmte sich vor Elend. Das Feuer in seinem Innern wurde geschürt, explodierte im Moment darauf zu meterhohen, knisternden Flammen, die schadenfroh seinen ganzen Leib zu verbrennen schienen. Das Schwert! Es steckte immer noch tief in ihm. Und doch wagte Makkuro kaum, sich zu bewegen.

Als das Feuer in ihm - nach kurzem ausharren - einigermaßen erträglich wurde, löste sich die rechte Hand des Kindes zitternd vom blutgetränkten Grund. Er bewegte sie hoch - in Richtung Brust. Doch ehe er den Schwertgriff umfassen konnte, glitten schwarze Schatten aus der Waffe - sprangen wie ein kleiner Blitz auf seinen bebenden Arm über und fraßen seine Handschuhe weg, nur um sich danach an seinem Fleisch laben zu können. Wieder brach das tosende Feuer aus - fuhr durch seinen ganzen Arm und entfaltete sich anschließend in seinem ganzen Körper. Der Junge schrie schmerzverzerrt und stöhnte laut auf.

"Ich bin bereit...", brachte der Braunhaarige dann zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
"Bereit zu sterben!", brüllte er es schließlich aus sich heraus, als die Schatten einen wichtigen Nerv in seinem Arm erwischten und erbarmungslos zerfraßen.
Im Sonnenlicht glitzernde Tränen schossen aus seinen Augenwinkeln und tausende, schwarze Punkte sprangen wieder in seinem Sichtfeld umher. 'Wenigstens habe ich... meine Geschwister gerettet...', ging es dem Jungen durch den trägen Kopf, als er merkte wie die Schmerzen wieder in die Ferne abdrifteten. Hatten sich die Schatten aufgelöst..? Er konnte es nicht erkennen, denn der Blick Makkuros verklärte sich zunehmend. Nur noch ganz vage konnte er eine schwarze und menschlich aussehende Sillhouette ausmachen. Zwei rot leuchtende Rubine prangten dort hervor, wo sich der Kopf befinden sollte. Waren es vielleicht Augen? Alles wurde immer verschwommener - die Sillhouette verwischte und wurde zu einer undefinierbaren Gestalt. Eine letzte Stimme drang in sein schwindendes Bewusstsein, sie war tief und wohlklingend, etwas an das Makkuro sich klammern konnte.

"Halte durch."

Aber der Braunhaarige besaß keine Kraft mehr. Seine Seele schien hinfort zu schweben... Löste sich schleichend von ihm.
Langsam schloss er nun seine Augenlider.

Die Finsternis hieß ihn willkommen.


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⏰ Letzte Aktualisierung: Oct 19, 2015 ⏰

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