Erbe

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Den nächsten Tag verbringe ich in einem Wach-Schlaf- Zustand, in dem ich immer wieder sehr komische Sachen träume, ähnlich wie die der letzten Nacht. Und immer wieder kommt dieser Teddy vor...

Zwischendrin bekomme ich mit, wie Brian mit sorgenvollem Gesicht neben mir sitzt oder mir Suppe oder Wasser einflöst. So schrecklich habe ich mich noch nie gefühlt...

Ich schlage meine Augen auf.

Brian hat sich über mich gelehnt und sieht mich sorgenvoll an. "Geht's dir besser?"

Ich nicke. Ja tatsächlich, ich fühle mich wieder wie ein Bestandteil dieser Welt.

Vorsichtig legt Brian seine Hand auf meine Stirn. Ein wohliges Kribbeln fährt durch meinen Körper. "Ich glaube, Fieber hast du keins mehr. Dann müssen wir wohl bald abreisen."

Seine Worte treffen mich hart. Ich will nicht, dass er aus meinem Leben verschwindet - für immer! Trotzdem lasse ich mir nichts anmerken. "Ja, sieht so aus. Wie geht's deinem Bein?"

"Naja, passt schon. Hat sich ein bisschen entzündet, habs wohl zu sehr belastet."

"Oh, wäre es dann nicht besser, noch ein bisschen hier zu bleiben?" In mir keimt Hoffnung auf.

"Nein, wir sollten nicht riskieren, dass sie uns doch noch finden. Letztens hab ich einen gesehen, keine 200 Meter vom Haus entfernt."

Ich starre Brian an. Oh nein... Angst kriecht durch meinen Bauch und setzt sich in meinem Gehirn fest. Was ist, wenn sie mich finden? Ich will nicht entführt werden, schon gar nicht von solchen Typen. Ich glaube, um ihren willen zu bekommen, gehen sie über Leichen. "Warum haben sie eigentlich ausgerechnet mich ausgewählt? Meine Eltern sind doch nicht mal reich.", frage ich Brian.

"Sie nicht, aber dein Onkel. Der Boss hat raus bekommen, dass dein Vater erbt, falls dein Onkel stirbt... Und was ist bei denen schon ein Menschenleben gegen 10 Millionen Euro." Ein verbitterter Zug zeichnet sich um Brian's Mund ab. Ich sehe ihm an, dass er in diesem Moment an seine Eltern denkt. Wie muss er diese Leute hassen! Sie haben sein Leben zerstört. Und trotzdem ist er nicht in diesem Loch geblieben, sondern hat sich rausgekämpft. Und das alles nur dank solchen Leuten wie Avi und Mlak. Auch wenn es nur ein Traum war - wie konnte ich nur jemals denken, dass sie mich verraten wollen.

"Das heißt, wenn du geschnappt wirst, kostet das deinem Onkel das Leben.", unterbricht Brian meine Gedanken.

Ich zucke zusammen. Ja tatsächlich. Wenn ich mir nur einen Fehler erlaube, habe ich ein Menschenleben auf dem Gewissen. "Aber vielleicht zahlt er freiwillig?" versuche ich, einen Ausweg zu finden.

"Ach, selbst wenn, das dauert meinem Onk - dem Boss zu lange."

Was? "Dein was? Dein Onkel? Der Boss ist dein Onkel???" Ich bekomme den Mund nicht mehr zu.

Brian starrt nur auf den Boden. "Ich habe gehofft, dass du das nie erfahren wirst. Ich hatte Angst, du willst dann nichts mehr mit mir zu tun haben."

"Quatsch!" sage ich nur. Doch auch, wenn ich so tue, als würde es mir nichts ausmachen - es erschreckt mich doch. Sein eigener Onkel...

"Tu nicht so, ich seh dir an, was du darüber denkst." Brian's Blick durchbohrt mich förmlich und ich sehe betreten zu Boden.

"Aber - das alles mit dem Erbe dauert doch auch seine Zeit. Dann wäre es doch egal, ob sie meinen Onkel töten, oder einfach warten, bis er zahlt." Versuche ich, das Thema zu wechseln.

Einen Augenblick meine ich, Schmerz in Brian's Augen zu sehen, doch dann wird sein Blick wieder undurchdringlich wie immer. Wahrscheinlich habe ich mich geirrt. "Erstens ist es nicht sicher, dass dein Onkel zahlt, dieses Risiko wollen sie nicht eingehen. Du kennst ihn kaum, aber sein Geld bedeutet ihm alles. Zumindest hat mir mein Onkel das erzählt. Und zweitens, haben die genug Möglichkeiten um dem ganzen Prozess ein bisschen Feuer unterm Arsch zu machen. Innerhalb von einer Woche haben sie die Kohle, darauf kannst du dich verlassen. Und drittens, wie sieht das denn aus vor Gericht, wenn plötzlich 10 Riesen auf dem Konto deines Onkels fehlen. Dein Vater ist etwas schlauer, der Bucht das dann als Luxusurlaub ab oder sowas... Da fragt die Versicherung nicht, weil sowas gibts öfters. Dein Onkel wäre viel zu blöd dafür..."

Ich ignoriere den negativen Kommentar über meinen Onkel und frage weiter.

"Und dann würden sie mich freilassen?"

"Vielleicht. Je nachdem, wie viel du mit bekommen hast. Vielleicht bringen sie dich auch um." Brian sieht mich ernst an.

Ich schlucke schwer. Diese Leute sind wirklich grässlich. Beinahe hätte ich wieder angefangen, zu heulen, doch dann reiße ich mich zusammen.

"Hey, ich pass schon auf sich auf." Brian lächelt mich an und ich schmelze dahin. Jetzt, da seine Haare etwas länger sind und nicht mehr so eine militärmäßige Stoppelfrisur trägt, und er einen Dreitagebart hat, sieht er noch viel besser aus als vor ein paar Tagen. Warum ist mir nie wirklich aufgefallen, wie unglaublich sexy er ist? Er ist ziemlich muskulös, hat smaraktgrüne Augen, die aber immer etwas geheimnissvoll aussehen und ein umwerfendes Lächeln. Wahrscheinlich muss er im Stripclub nicht mal was zahlen. Oder muss man da überhaupt was zahlen? Dunkel steigen Bilder von Frauen mit eng anliegenden Hosen und Bündel von Geldscheinen in der durchlöcherten Strumpfhose in mir auf. Wahrscheinlich ist die Nutte, mit der er es getrieben hat, viel hübscher als ich. Traurig sehe ich Brian an. Wie konnte ich nur jemals denken, dass er sich für jemanden wie mich interessieren könnte!

Ich bin ein Streber, unscheinbar und schüchtern. Ich habe eine lockere Zahnspange, habe fast nur graue, unauffällige Sachen und hatte erst einen Freund und den auch nur, weil er, wie ich nun weiß, an meine beste Freundin rankommen wollte. Jup, ich bin langweilig. Ich seufze.

"Was ist los?" Brian sieht mich fragend an.

"Nichts, nichts. Aber sag mal, warum warst du im Stripclub?"

Brian starrt mich an. Und dann - wird er rot! Ich glaubs nicht! "Naja, hab das halt gebraucht. Hatte lange keine Freundin mehr und grade ist eh alles so kompliziert. Und, ja, ich hab ein Mädchen kennegelernt, die ich mag, und sie macht mich verrückt, egal was sie tut. Ich würde sie gerne küssen, aber ich glaube, das will sie nicht. Und deshalb... Ach egal. Vergiss, was ich gesagt habe."

Ein Stich durchfährt mein Herz. Er hat ein Mädchen kennengelernt. Nein...

"Oh. Na dann... Ich glaube, ich schlafe jetzt noch ein bisschen." Ich drehe mich zur anderen Seite des Bettes und schließe meine Augen. Ich weiß, dass das Bullshit ist, was ich da mache, aber ich will nicht, dass Brian sieht, wie ich weine.

Ich höre, wie Brian aufsteht, zur Tür läuft, dort noch einige Zeit stehen bleibt - ich spüre förmlich seinen Blick auf mir, und kann mir nur zu gut denken, dass er mich jetzt für vollkommen bekloppt hält - und dann den Raum verlässt.

Tränen rinnen meine Wangen herunter. Gut, dass ich bald nach Hause fliege!

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Soo viele Reads *_* Wow! Danke!

Ich hoffe, euch gefällt das neue Kapitel :)

Findet ihr die Kapitel eher zu lang oder zu kurz? Oder passts so? :D

~tellingxstorys❤

Run away #Wattys2016Where stories live. Discover now