7

160 12 3
                                        

Perplext starre ich zur Wand. Er sieht mich erwartungsvoll an und wartet auf eine Antwort. Wie soll das klappen? Er ist mein Lehrer, verdammt! Und egal wie sehr ich ihm hinterher schmachte, ich liebe ihn nicht.

"I-ich muss gehen.." sage ich schließlich und senke meinen Blick.

"Ich komme mit!" Bevor ich protestieren kann, läuft er hinauf und kommt angezogen wieder runter. Wie kann jemand, der so gut aussieht, ein Lehrer sein? Er trägt eine schwarze Jeans und ein weißes T-Shirt. Seine Haare hat er nach hinten gekämmt und sich anscheind eingecremt, denn seine gebräunte Haut glänzt ein wenig und er riecht unfassbar gut. "Gehen wir?" Ich nicke und verlasse mit ihm zusammen das Haus. Ich war hier ganze zwanzig Minuten. Was werden die anderen wohl denken?

Stillschweigend laufen wir nebeneinander zur Party, die voll im Gange ist. Laute Musik dröhnt aus dem Haus heraus und Menschen, die eindeutig zu viel getrunken haben, sind zu sehen.

"Mr. Jace, was machen Sie denn hier?" fragt ein angetrunkener Schüler und gibt unserem Lehrer freundschaftlich die Hand.

"Ich dachte, ich schaue mal vorbei." Er lächelt den Jungen charmant an und sieht dann zu mir rüber. Ich senke beschämend meinen Blick und laufe ins Haus hinein. Er folgt mir sofort.

"Wow, die Kröte hat es wirklich geschafft" höre ich J, trotz der lauten Musik, sagen und grinse sie triumphierend an. Sie verdreht nur ihre Augen und setzt dann ein unschuldiges Schulmädchen Lächeln auf. "Mr. Jace! Schön das Sie hier sind! Möchten Sie einen Drink?"

Bevor ich mich hier gleich vor allen auf den Boden übergebe, mache ich schnell nen Abflug in die Küche. Diese rumschleimerei hält doch kein Mensch aus! Als ich mich von Mr. Jace entferne, spüre ich seinen Blick auf mir.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich fühle mich wohl in seiner nähe und ich habe mich selbst nicht mehr unter Kontrolle, aber es sind keine Gefühle im Spiel. Keine echten. Keine leidenschaftlichen. Das ist es, was ich will. Leidenschaftliche Liebe. Genau wie ich es in meinen Romanen gelesen habe.

"Aleyna, du hast es wirklich geschafft! Mr. Jace ist hier!" Ich drehe mich um und sehe in ein bildschönes Gesicht. Ich nicke erfreut und setzte mich an die Theke. Die ganze Fläche Ist voll mit hochprozentigen alkoholischen Getränken und ich schenke mir eine rote Flüssigkeit in einen sauberen Becher ein. Als ich dran nippe, verziehe ich mein Gesicht. "Das ist pur, mein Hase. Du solltest es mischen, sonst ist es zu stark."

"Das könnte ich gerade eigentlich gut gebrauchen." Ich halte mir meine Nase zu und kippe den kompletten Inhalt in mich hinein. Daisy schnappt sich den Becher und sieht mich finster an.

"Spinnst du? Willst du dich umbringen! Aleyna, ich glaube das reicht. Du hast schon ziemlich viel getrunken" sagt sie aufgebracht und legt den Becher auf die Theke.

"Er hat Gefühle für mich Daisy." Ich sehe verträumt zur Tür. Wir beide sind die einzigen in der Küche. Die Wände sind ziemlich dick. Die Musik wird abgedämpft und dringt kaum in den Raum hinein.

"Methew? Er hat dir gesagt, das er dich mag? Also sehr halt." Sie setzt sich neben mich und ich schaue sie entsetzt an. "Oh, du meinst garnicht Methew, oder?" Sie beißt sich auf die Unterlippe. Ich schüttle den Kopf, nehme mir die Flasche und verschwinde hinters Haus. Ich setzte mich auf die Schaukel und wippe hin und her.

Ich wollte hier einen Neustart und meine Probleme vergessen. Aber stattdessen häufen sie sich hier nur. Wieso kann Mr. Jace nicht einfach nur mein Lehrer sein und Methew nur ein Freund? Warum müssen sie Gefühle für mich haben? Ich verstehe nicht mal wieso? Ich bin nichts besonderes. Im Gegenteil. Ich bin ein Bücherwurm.

Ich höre Schritte hinter mir und sehe wie sich jemand auf die Schaukel neben mich setzt. Er hält die Hand zu mir hin und nickt zu der Flasche. Ich reiche sie ihm und lasse meinen Kopf in den Nacken fallen.

"Ich habe viel zu viel getrunken und trotzdem fühle ich mich unglaublich nüchtern. Mein Kopf platzt gleich. Ich denke zu viel nach." Ich sehe zu ihm herüber. Er nippt an der Flasche und verzieht sein Gesicht genau wie ich. Ich fange an zu kichern und er grinst mich an.

"Hör auf nachzudenken. Wenigstens heute. Hab Spaß. Die Nacht ist noch so frisch und jung. Dort drin ist eine Party und du sitzt hier alleine draußen und zerbrichst dir deinen Kopf." Er reicht mir die Flasche und ich führe sie sofort zu meinen Lippen. Ich trinke immer und immer mehr. Ich fühle mich benebelt. Bin nicht mehr ich selbst. Wir reden über alles mögliche. Mein Verstand verabschiedet sich von mir.

"Sie sind echt ein komischer Lehrer, Mr. Jace." Ich grinse ihn an und streiche mir meine Haare aus dem Gesicht. Wir sitzen hier mittlerweile schon eine ganze Stunde. Die Flasche ist leer.

"Heute ist keine Schule. Ich bin also heute kein Lehrer. Du kannst mich ruhig Duzen. Und nenn mich Tristan." Mein Lächeln verschwindet ein wenig, aber ich lasse es mir nicht anmerken. Faria's Bruder heißt Tristan..

Ich stehe von der Schaukel auf und spüre meinen Hintern kaum, da er so taub geworden ist. Tristan steht ebenfalls auf und sieht mich verwirrt an. Ich nehme seine Hand und lege sie auf meinen Hintern. Seine Augen weiten sich und ich fange lauthals an zu lachen.

"Er ist zu taub. Ich spüre deine Hand garnicht. Wir saßen zu lange auf der Schaukel" nuschle ich. Gott, ich habe zu viel getrunken. Tristan stellt sich vor mich und schüttelt grinsend seinen Kopf. Seine Hand gleitet zu meiner Haarsträhne und legt sie hinter mein Ohr.

"Schade das deine Lippen nicht taub sind.." flüstert er mir ins Ohr. Durch seinen heißen Atem kribbelt mein ganzer Körper und eine Gänsehaut macht sich breit.

"Ich weiß nicht ob sie taub ist. Vielleicht könntest du mir einen gefallen tun und es für mich herausfinden?" Mein Herz rast verdammt schnell und ich bin gerade ein wenig über mein Selbstbewusstsein überrascht. Mein Blick liegt auf seinen Augen. Obwohl es dunkel ist, läuchten sie wie nie zuvor. Er beißt sich auf seine Unterlippe und mustert meine. Sein Gesicht nähert sich langsam. Ich schließe meine Augen und spüre wie er seine weichen und zarten Lippen auf meine legt. Er bittet mit seiner Zunge um Einlass und ich gewähre sie ihm. Er schmeckt, nach dem ganzen Alkohol, immer noch nach Minze. Seine Zunge streift über meine Lippe und ich beiße in seine. Ich spüre wie er lächelt und öffne wieder meine Augen. Wir sehen uns an und entfernen unsere Gesichter voneinander. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit und ich nehme etwas Abstand.

"Ist das nicht falsch was wir tun, Tristan?" Er nickt mit dem Kopf und kommt einen Schritt näher.

"Ich weiß, das es falsch ist. Aber wenn ich in deine Augen schaue, fühlt es sich so richtig an." Mir wird plötzlich warm ums Herz und ich lächle ihn an. Er legt seinen Arm um meine Hüfte und zieht mich näher an sich. Ich lege meine Lippen kurz auf seine und grinse ihn dann an.

"Ich muss leider los. Bis Montag, Mr. Jace." Noch ein letztes Mal küsse ich meinen Lehrer und löse mich dann von ihm.

"Du musst los?" Ich nicke und drehe mich wieder zu ihm. "Na gut. Aber warte, ich bestelle dir ein Taxi."

Wir laufen zusammen zum Eingang und warten auf das bestellte Taxi. Hier sind leider zu viele Menschen, also lassen wir lieber die Finger von einander. Als der Wagen endlich kommt steige ich ein und sehe, wie Tristan dem Fahrer die Adresse sagt und ihm einen Schein hinhält. Bevor ich protestieren kann, fahren wir auch schon los.
Zu Hause angekommen, schmeiße ich mich sofort aufs Bett und schlafe ein.

He's too old for youWhere stories live. Discover now