Etwas ängstlich und unentschlossen standen wir auf dem Felsen als Andy sagte: „Eines musst du mir aber ganz fest versprechen! Wir gehen überall gemeinsam hin, unsere Wege werden sich niemals trennen."
„Großes Indianerehrenwort", versprach ich ihm und hielt dabei drei Finger hoch.
Wir sahen uns um und hatten keine Ahnung, in welche Richtung wir gehen mussten. Alles sah so gleich aus, hier gab es nichts außer großen und kleinen Felsen, genau wie im blauen Land. Nur erschien mir hier das Licht etwas dunkler. Wir hatten die Möglichkeit, nach rechts oder geradeaus zu gehen, denn auf unserer linken Seite erstreckte sich ein Felsen, groß wie die Wand eines Wolkenkratzers. Wir beschlossen, geradeaus zu gehen, weil uns dieser Weg ein wenig ebenerdiger vorkam. Vorsichtig und langsam bewegten wir uns vorwärts. Je weiter wir uns von der Schlucht entfernten, umso dunkler wurde es um uns herum. Von dem blauen Licht war bald nichts mehr zu sehen, auch wenn wir nach hinten schauten, das blaue Licht war verschwunden. Nur dieses schemenhafte Licht, das wir schon im Zeittunnel gesehen hatten, begleitete uns noch ein kleines Stück, dann aber war auch dieses verschwunden und wir standen in der absoluten Dunkelheit. Von diesem Moment an fühlten wir uns total alleine und verloren. Auch als sich unsere Augen an diese Dunkelheit gewöhnt hatten, konnten wir nicht weiter sehen als eine Armlänge. Wir tappten weiter auf dem Weg und sahen von Zeit zu Zeit einen Felsen, der einen Hauch von Licht ausstrahlte, das eine braun-orange Farbe hatte.
„Hol doch mal die Taschenlampe raus", befahl Andy.
Doch ich schüttelte mit dem Kopf und sagte: „Solange wir noch etwas sehen können, sollten wir die Batterien sparen, wer weiß, wozu wir sie noch brauchen werden."
„Aber ich kann ja jetzt schon kaum noch meine Hand vor Augen sehen", ließ Andy nicht locker.
Doch ich schüttelte nur wieder meinen Kopf und sagte energisch: „Nein!"
Andy schnaufte laut durch die Nase, doch er gab sich geschlagen.
Wir mussten nun schon hintereinander laufen, weil der Weg allmählich immer enger wurde. Ab und zu stießen wir mit der Schulter gegen einen Stein, der aus dem Felsen herausragte.
Je weiter wir liefen, umso kälter und ungemütlicher wurde es. Andy schüttelte sich hinter mir alle zwei Minuten. Von einigen Felswänden rannen kleine Wasserfälle und bildeten zu unseren Füßen einen Bach, der sich durch das Gestein am Boden seinen Weg bahnte. Manchmal waren aber die Steine so massiv, das sich das Wasser dort sammelte und zu einem größeren See wurde, weil es nirgends ablaufen konnte. Vor so einem See standen wir nun. Wie abgeschnitten endete der schmale Weg vor einem gigantischen Gewässer, das sich vor uns erstreckte. Es sah so aus, als wäre das Wasser in einer riesigen Kugel aus Stein gefangen, aus der es nur diesen einen Weg hinaus gab, und das war die Stelle, an der wir standen. Das viele Wasser musste im Laufe der Jahre mit seiner Kraft das Gestein soweit verdrängt haben, dass diese große Höhle entstanden war.
„Hier kommen wir nicht weiter", sagte ich zu Andy, der von hinten über meine Schulter blickte.
„Du meinst, wir sind den ganzen weiten Weg umsonst gelaufen?" fragte er überrascht.
„Scheint so", erwiderte ich, „ich kann das Ende des Sees noch nicht einmal sehen. Selbst wenn da hinten irgendwo ein Durchgang wäre, wie sollten wir über den See kommen?"
Andy kratzte sich am Kopf und meinte: „Hey, wir haben doch diesen Borikatan, oder wie dieser Stoßzahn auch immer heißen mag. Das Ding, das uns Victor mitgegeben hat. Mit ihm könnten wir vielleicht das Ende vom See sehen und vielleicht auch einen Ausgang aus der Höhle!"
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Darvin, und das Zauberloch nach anderswo
FantasyEigentlich ist Darvin ein ganz normaler Junge, aus einer ganz normalen Familie. Doch dann geschehen rätselhafte Dinge im Zimmer seiner jüngeren Schwester. Und all das nur, weil ein Regal von der Wand gefallen ist und ein Loch hinterlassen hat, welc...
