Kapitel 4
Der Zauberlehrling
Wir verließen mit den Vierfingern das Flogger. Ich hatte keine Ahnung, wohin sie uns nun bringen würden. Melanka sprach mit Bohumil wieder in der Sprache, die wir nicht verstehen konnten, und ich fragte Victor: „Wie kommt es, dass ihr unsere Sprache versteht? Wie ich höre, sprecht ihr eigentlich eine ganz andere."
Victor hob seine Arme in die Luft, so als hätte er vergessen, uns etwas Wichtiges mitzuteilen, und sagte: „Von jedem, der das Zauberloch betritt, verstehen wir die Sprache. Zum Glück waren es noch nicht so viele."
„Wieso zum Glück?" wollte ich wissen.
„Na ja, man kann nie wissen, wer da kommt, und ob er in Frieden kommt", erklärte er mir.
Das konnte ich gut verstehen. Wenn ich mir vorstellte, dass in meinem Zimmer jederzeit eine Tür aufgehen könnte, und irgendwelche fremden Wesen einfach so hereinspazieren würden, wäre ich auch nicht so erbaut davon.
Der kleine Trupp setzte sich in Bewegung. Wir liefen den Zwergen hinterher auf einem Pfad, der um den See herumführte. Das Wasser des Sees sah einladend aus, ich hätte so hinein springen können. Es gab keinerlei äußere Anzeichen dafür, dass er enorm gefährlich war. Melanka erinnerte uns auch prompt daran, auf das Wasser zu achten, und es auf gar keinen Fall zu berühren. So allmählich hatte ich den Eindruck, dass diese Vierfinger Gedanken lesen konnten. Es war jetzt schon mehrmals vorgekommen, dass ich mich in Gedanken etwas gefragt hatte, und im gleichen Augenblick, gab mir ein Vierfinger seinen Kommentar dazu ab. Wenn sie schon zaubern konnten, warum dann nicht auch noch Gedanken lesen? Ich beschloss, die Sache ein wenig zu beobachten.
Immer wieder schaute ich auf meinen Finger in der Hoffnung, dass er doch noch einmal zu leuchten beginnen würde. Und als ich glaubte, dass mich keiner beobachtete, schüttelte ich ihn und hielt ihn dabei mal nach oben und dann wieder nach unten. Aber das blaue Licht blieb aus.
„Tja", vernahm ich auch prompt Andys Stimme, „du hättest dir Ersatzbatterien einstecken sollen. An denen könntest du nun lutschen. Vielleicht würde er ja dann wieder leuchten, dein Zauberfinger."
Ich tat so, als hätte ich kein Wort vernommen. Schließlich war ich nicht hier, um mir sein dummes Geschwätz anzuhören. Natürlich konnte ich verstehen, dass er auch gerne zaubern würde, aber wenn es nun mal nur der Bursche darf, was sollte ich da machen? Ich hatte mir nicht gewünscht, der Bursche aus dem Zauberloch zu sein.
Wir liefen nun schon eine ganze Weile, ohne dass sich das Bild veränderte. Jedes Mal, wenn wir um einen großen Felsen kamen, erwartete ich etwas Aufregendes zu sehen, aber es gab hier nur Felsen, Felsen und diesen gefährlichen und doch so schönen See.
Wir trotteten weiter hinter den Zwergen her. Mir fiel auf, dass Rentius im Gegensatz zu den anderen ehrwürdigen Vierfingern ein ziemlich hektischer und nervöser Zwerg war. Er hüpfte förmlich voran und drehte dabei seinen Kopf in alle Richtungen.
Plötzlich erstreckte sich vor uns die große Felswand, auf der wir mit Victor gestanden und ins blaue Land gesehen hatten. Durch ein Loch im Felsen erreichten wir einen großen Platz. In der Mitte des Platzes stand ein sehr hohes, zweistöckiges Flogger. Auch dieses hing an Seilen, knapp über den Boden. Auf dem Platz wimmelte es von kleinen und etwas größeren Zwergen, die wild umhersprangen und mit diesen Murmeln spielten, die wir bei Victor gesehen hatten. Die Murmeln gaben die ulkigsten Töne von sich, je nachdem, ob man sie warf, kullerte oder weg schleuderte.
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Darvin, und das Zauberloch nach anderswo
FantasyEigentlich ist Darvin ein ganz normaler Junge, aus einer ganz normalen Familie. Doch dann geschehen rätselhafte Dinge im Zimmer seiner jüngeren Schwester. Und all das nur, weil ein Regal von der Wand gefallen ist und ein Loch hinterlassen hat, welc...
