Kapitel 1 Die Entdeckung

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Eigentlich sind wir eine ganz normale Familie. Und dazu gehören meine zehnjährige Schwester Ina, meine Mutter und ich, Darvin.

Natürlich gehört für mich auch mein Vater dazu, aber der wohnt schon lange nicht mehr bei uns. Trotzdem unternehmen wir viel zusammen, und Mama sagt immer, dass es gut ist, so wie es ist.

In unserer Familie passieren keine ungewöhnlichen Dinge.

Jedenfalls ist noch nichts Ungewöhnliches geschehen, bis zu diesem Sonntag.

Es war Sonntagmorgen, ich lag noch im Bett und dachte an das heutige Eishockeyspiel. Vor zwei Jahren hatte ich mit einigen Jungs aus meiner Klasse eine Eishockeymannschaft auf die Beine gestellt. Seitdem verbrachte ich jede freie Minute auf dem Eis. Und heute sollte das Spiel der Spiele stattfinden. Eiskratzer gegen Huskys. Ich schaute auf meine neuen Schlittschuhe, die ich vor einigen Tagen von Papa zu meinem vierzehnten Geburtstag bekommen hatte.

Heute würde ich sie zum ersten Mal übers Eis gleiten lassen. Ich kuschelte mich zurück in mein Kissen und träumte gerade von unserem eindeutigen Sieg gegen die Huskys, als Mama anklopfte und den Kopf durch die Tür steckte.

„Frühstück", trällerte sie wie jeden Morgen. Danach erklärte sie mir, dass sie gleich noch auf einen Kaffee zu ihrer Freundin Ruth fahren müsste, weil irgendetwas passiert sei. Sie schloss die Tür mit dem Hinweis, dass ich dann auf meine Schwester achten müsste.

Mir blieb die Spucke im Hals stecken. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Warum ausgerechnet heute?, schoss es mir durch den Kopf. Hatte Mama mein wichtiges Spiel total vergessen?

Und während ich noch überlegte, wie ich aus dieser Nummer raus kommen könnte, trabte Ina in mein Zimmer.

Sie baute sich vor mir auf und grinste mich ziemlich dämlich an.

"Kann Papa nicht auf dich aufpassen?", fragte ich, und grinste ebenfalls dämlich zurück. Ina schüttelte den Kopf.

"Kann er nicht. Arbeiten". Zu ihrem Glück grinste sie nun nicht mehr, denn ich war sauer. Stinksauer sogar. Am liebsten hätte ich ihr den Hals umgedreht, obwohl mir schon klar war, dass sie ja auch nichts dafür konnte, dass ich heute für sie den Alleinunterhalter spielen durfte.

Mama lugte wieder durch die Tür. Sie versprach, bald zurück zu sein, ermahnte uns, keinen Blödsinn zu machen, und weg war sie.

Super! Das war es dann wohl. Mein Spiel konnte ich mir von der Backe kratzen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als Andy, meinen besten Freund, anzurufen und ihm diese Nachricht mitzuteilen.

Voller Wut schmiss ich Ina aus meinem Zimmer und warf die Tür knallend hinter ihr zu. Eine Sekunde später, gab es erneut einen Knall, und mein Bücherregal über der Stereoanlage brach zusammen.

Erschrocken schaute ich auf die zahlreichen Bücher, die nun überall zerstreut in meinem Zimmer lagen. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Mama würde ausflippen, wenn sie das Chaos sehen würde.

Ich wollte keinen Ärger haben, deshalb versuchte ich, das Regal selber wieder an die Wand zu bringen. Allerdings war es nicht so einfach, wie ich dachte. Das Loch, in dem gerade noch der Dübel steckte, war plötzlich größer, und je mehr ich versuchte, den Dübel festzukriegen, umso größer wurde das Loch. Mist!

Mittlerweile passte mein kompletter Zeigefinger in das Loch, und auf dem Boden lag schon ein gewaltiger Haufen Mörtel. Mist! Mist! Mist!, dachte ich laut. Wenn das so weiter gehen sollte, dann blieb mir gar nichts anderes übrig, als Mama von dem kaputten Regal zu erzählen. Das große Loch würde sie ja dann ganz von alleine sehen.

Darvin, und das Zauberloch nach anderswoWhere stories live. Discover now